OB-Wahl Einst war der OB nur von Königs Gnaden

Von Thomas Borgmann 

Im Oktober wählen die Stuttgarterinnen und Stuttgarter ein neues Stadtoberhaupt. In einer Serie schauen wir auf die bisherigen Amtsinhaber. Zu Beginn wenden wir uns den Anfängen kommunaler Demokratie zu: Willibald Feuerlein, Georg Gottlob Gutbrod, Heinrich von Sick.

Im Oktober entscheiden  die Wähler, wer ins Rathaus als Chef einzieht. Foto: Archiv 4 Bilder
Im Oktober entscheiden die Wähler, wer ins Rathaus als Chef einzieht. Foto: Archiv

Stuttgart - Stuttgart sucht ein neues Stadtoberhaupt. Vielleicht am 7. Oktober, spätestens aber am 21. Oktober werden wir wissen, wer die Nachfolge von Wolfgang Schuster antritt. Diese OB-Wahl birgt nicht nur politische Brisanz, sie besitzt auch eine historische Dimension. Der Rückblick in die Stadtgeschichte zeigt nämlich: die Oberbürgermeister waren allesamt profilierte Köpfe, die dem größten Gemeinwesen des Landes ihren Stempel aufgedrückt haben – zumeist im Guten, mancher auch im Negativen.

Die Anfänge der kommunalen Demokratie in Stuttgart lassen sich genau datieren: Am 31. Dezember 1818 erließ König Wilhelm I. ein Dekret, demzufolge künftig die Bürgerschaft den 20-köpfigen Gemeinderat selbst wählen durfte. Der Rat wiederum erhielt das Recht, dem König einen „Stadtvorstand“ vorzuschlagen, der fürderhin den Titel „Oberbürgermeister“ tragen sollte. Eine mittelbare Volkswahl, wenn man so will. 1818 war das Jahr, in dem Thouret seinen genialen Generalbauplan vorlegte, Königin Katharina den Vorläufer der heutigen Landesbank gründete und der König das landwirtschaftlich geprägte Volksfest auf dem Cannstatter Wasen stiftete. Wilhelm I. ist als Reformer auf dem Thron in die Geschichte eingegangen.

Willibald Feuerlein – 1820–1833