OB-Wahl in Baden-Baden Absolute Mehrheit für den Außenseiter Dietmar Späth
Bei der OB-Wahl in Baden-Baden erhält der kontroverse Kandidat Dietmar Späth 55 Prozent der Stimmen. Das zeichnet den bisherigen Rathauschef von Muggensturm aus.
Bei der OB-Wahl in Baden-Baden erhält der kontroverse Kandidat Dietmar Späth 55 Prozent der Stimmen. Das zeichnet den bisherigen Rathauschef von Muggensturm aus.
Am Ende war es eine deutliche Entscheidung „für den Mann von außen“. Die Bürger von Baden-Baden wollten offenbar jemanden, der unbefangen mit den anhaltenden Zwistigkeiten zwischen Rathausspitze und Gemeinderat umgeht. Mit der Neuwahl am Sonntag erreichte der parteilose Bewerber aus der Nachbargemeinde Muggensturm – der dort seit 1993 amtierende Bürgermeister Dietmar Späth – sogar die absolute Mehrheit. 55,3 Prozent der Wählerinnen und Wähler entschieden sich für ihn.
Lesen Sie aus unserem Angebot: Dietmar Späth aus Baden-Baden – OB-Kandidat löst mit Playboy-Ausflug Kontroverse aus
Die Zeichen stehen jetzt auf Neubeginn: am 9. Juni wird die Amtsinhaberin Margret Mergen (CDU) ihren letzten Arbeitstag absolvieren. Die 60-Jährige, die 2014 noch mit überragenden 62 Prozent gleich im ersten Wahlgang das Rathaus der Kurstadt eroberte, war wieder angetreten. Diesmal hatte sie beim ersten Wahlgang am 13. März mit nur 24,7 Prozent der Stimmen jedoch eine deutliche Schlappe eingefahren und bekannt gegeben, zum zweiten Wahlgang nicht mehr antreten zu wollen.
Mit ihr waren es ursprünglich gleich drei Bürgermeister, die bei der OB-Wahl als Konkurrenten gegeneinander antraten. Auch Roland Kaiser, seit dem Dezember 2017 Sozialdezernent in Baden-Baden, lag beim ersten Wahlgang deutlich abgeschlagen an dritter Stelle, knapp hinter Mergen. Er – unterstützt von den Grünen, als der stärksten Ratsfraktion und von der SPD, blieb am vergangenen Sonntag noch der einzige ernst zu nehmende Gegenspieler. Doch auch sein Stimmenzuwachs von mehr als 13 Prozent sollte am Ende nicht reichen. Der neu gewählt OB Späth hatte im Vergleich dazu um mehr als 15 Prozent zugelegt.
Auf Dietmar Späth, dem parteilosen Mann von außen, liegen nun große Erwartungen. Er ist seit 1993 Rathauschef in dem etwa 6200 Einwohner zählenden Muggensturm, das direkt an die Kreisstadt Rastatt grenzt und war dort gleich vier Mal nacheinander mit überwältigend hoher Zustimmung gewählt worden. Späth, der einen – auch finanziell – besonders aufwendigen Wahlkampf betrieb, wird, so sagen Beobachter, beweisen müssen dass er unabhängig agiert von etwaigen Unterstützern. Immer wieder kritisiert wurde das Wahlkampfsponsoring eines Groß-Gastronomen in der Kurstadt. Es gebe zwischen 60 und 70 Sponsoren, hatte Späth eingeräumt, besagter Gastronom sei einer davon. In Baden-Baden, der kleinsten kreisfreien Stadt im Land, wird er zudem ohne eigene Hausmacht an die Rathausspitze rücken und sich mit den Fraktionen ins Benehmen setzen müssen. Bei 40 Sitzen stellen die Grünen mit elf, und die CDU mit derzeit neun Ratsmitgliedern die beiden größten Gruppierungen.
Lesen Sie aus unserem Angebot: OB-Wahl in Baden-Baden – Oberbürgermeisterin Margret Mergen tritt nicht erneut zur Wahl an
Der in einem Teilort von Achern, südlich von Bühl und Baden-Baden, aufgewachsene Kommunalpolitiker blieb stets eng mit dem badischen Landstrich verbunden. 2007 hatte er sich schon einmal in seiner Heimatstadt Achern vergeblich um den dortigen OB-Posten beworben. Sein Amt in Baden-Baden, das er selbst mehrfach als Krönung seiner Laufbahn bezeichnete, wird er am 10. Juni antreten. Die noch amtierende Oberbürgermeisterin Margret Mergen zählte am Wahlabend mit zu den ersten Gratulanten – sie überreichte ihrem Nachfolger Späth ein 2018 neu erschienenes „Baden-Baden Monopoly“, was durchaus symbolischen Charakter haben dürfte und war am vergangenen Sonntag im Rathaus zudem komplett schwarz gekleidet erschienen.