OB-Wahl in Herrenberg Das Kandidaten-Kleeblatt ist komplett

Wer wird der neue Oberbürgermeister? Vier Kandidaten stellen sich zur Wahl. Foto: Kevin Schuon

Die Bewerbungsfrist zur Kandidatur für den Posten des Herrenberger Oberbürgermeisters ist verstrichen. Drei Männer und eine Frau wollen es wissen.

Böblingen : Ulrich Stolte (uls)

Zur Wahl für die Nachfolge des Herrenberger Oberbürgermeisters Thomas Sprißler am 3. Dezember treten vier Kandidaten an. Der Kuppinger Industriemeister Hubert Reichardt, der Herrenberger Stabsstellenleiter Nico Reith und der Tailfinger Personalberater Thomas Werner. Als einzige Kandidatin ist die Kinderpflegerin Diana Kobrow unterwegs. Interesse angemeldet hatte auch die Dauer-Kandidatin Fridi Müller, die am Sonntag die Presse darüber informierte, dass sie doch nicht kandidieren könne, weil sie keine Wählbarkeitsbescheinigung habe. Nach Redaktionsschluss tagte der Herrenberger Wahlausschuss, sodass sich noch Änderungen ergeben haben könnten.

 

Nico Reith: Herzensangelegenheit Krankenhaus

Nico Reith ist der Kandidat, der sich am frühesten positioniert hat. Bereits am 20. Juli hat er den Hut in den Ring geworfen. Damit nahm er in Kauf, dass er sich in einen langen und kräftezehrenden Wahlkampf begeben musste. Allerdings hat er die Zeit gut genutzt, um einige wichtige taktische Allianzen zu schmieden. Auf kommunalpolitischer Ebene unterstützen ihn bereits die Parteien und Listen der Freien Wähler, der Grünen und der CDU. Unterdessen hat sich auch eine Wahlinitiative mit rund 100 namhaften Bürgern für seine Kandidatur gegründet, darunter Vereinsvorstände, Gemeinderäte, Gewerbetreibende, Gastronomen und Mitgliedern der Feuerwehr.

Auch wenn der heiße Wahlkampf im kühlen November stattfindet, kristallisiert sich das Herrenberger Naturfreibad als eines der Themen heraus, das eine Rolle spielen wird. In seinem 24-seitigen Wahlprogramm hat Nico Reith in Aussicht gestellt, das Naturfreibad – wenn nötig – in ein normales Freibad umzubauen. Darüber hinaus ist er für generationengerechte Finanzen, mehr Klima- und Umweltschutz, „mehr Mobilität für alle, mehr familienfreundliche Stadtpolitik, mehr bezahlbaren Wohnraum, mehr lebendige Innenstadt und mehr Förderung des Gewerbes“. Als eine besondere Herzensangelegenheit bezeichnet er den Erhalt des Krankenhauses.

Hubert Reichardt: Mehr Transparenz erreichen

Vor einigen Tagen hat der 52 Jahre alte Hubert Reichardt aus Kuppingen seine Unterlagen beim Herrenberger Rathaus abgegeben. Er ist Industriemeister Fachrichtung Lack bei Daimler-Benz, wo er seit 36 Jahren arbeitet, von seinem ersten Lehrjahr an. Er engagiert sich beim Bürgerverein „Treff am Eck“ in Kuppingen und ist Mitglied im örtlichen Sozialverband VdK. Seinen Bass leiht er dem Gärtringer Sängerkranz und viele ehrenamtliche Stunden verbringt er als Erster Vorsitzender des Böblinger Kreisverbands des Autoclubs ACE. Noch sind seine Werbematerialien nicht fertig, doch sobald sein Programm steht, wird er es an alle Haushalte verteilen.

Reichardt bezeichnet sich als jemand, der die Nähe zum Bürger sucht und mehr Transparenz erreichen will. „Ich bin unabhängig“, sagt er, „und ich werde auch von niemandem unterstützt.“

Thomas Werner: Die Einzelhändler besser wahrnehmen

Aus dem Personalbereich stammt der 41-jährige parteilose Tailfinger Thomas Werner, der jüngst seine Kandidatur bekannt gegeben hat. Er führt zur Hälfte die in München ansässige Mercier Recruiting GmbH. Er vermittelt Mitarbeiter vorwiegend an Unternehmen, die im Digitalbereich unterwegs sind, wobei er die Geschicke der Firma von seinem Büro in Tailfingen aus gestaltet.

Auf seinem Programm steht unter anderem die Stärkung des Wirtschaftsstandortes Herrenberg. Der Leerstand von Geschäften in der Altstadt soll verringert werden, der Verkehr besser geregelt und die Parkplatzsituation verbessert werden. Zur Aufgabe des künftigen Oberbürgermeisters gehöre es auch, Existenzgründer und Einzelhändler zu unterstützen. Werner will Konzepte umsetzen, durch die die Einzelhändler besser wahrgenommen werden und mit den Eigentümern der Läden in den Dialog treten. Dringend geboten sei es, das Herrenberger Krankenhaus zu erhalten und das Naturfreibad besser in Gang zu bekommen, das durch zahlreiche Schließtage in die Schlagzeilen geraten ist.

Diana Kobrow: Mehr Herz und weniger Politik

Die einzige kandidierende Frau ist Diana Kobrow, 43, gelernte Versicherungskauffrau und staatlich geprüfte Kinderpflegerin. Sie zieht mit dem Wunsch nach einer Veränderung Herrenbergs in den Wahlkampf. Die Kandidatin hat das Ziel, Kommunalpolitik mit „mehr Herz und weniger Politik“ zu gestalten. Zudem gelte es, den Personalmangel im Betreuungsbereich zu beheben sowie das Erscheinungsbild der Herrenberger Innenstadt zu verbessern und für mehr Akzeptanz und Wertschätzung gegenüber den Mitarbeitern der Stadt zu sorgen. Damit meint die Kandidatin vor allem das Personal in den Betreuungseinrichtungen.

Auch das Thema Verkehrspolitik sieht sie unter einem sozialen Aspekt. Sie bemängelt, dass zu wenige Parkplätze am Hasenplatz vorhanden seien, die vor allem für die Arztpraxen dort benötigt würden. Auch sie kritisiert die neuen Ampelschaltungen in Herrenberg. Sie schlägt vor, einen Shuttle-Service zur Altstadt einzurichten und damit auch das Einkaufen in Herrenberg attraktiver zu gestalten, beispielsweise in Kombination mit rabattierten und kostenlosen Busfahrkarten. Die 43-Jährige gehört keiner Partei an und steht auch keiner Partei nahe, wie sie betont. In ihrer Freizeit malt und fotografiert Diana Kobrow gerne und hält sich ebenso gerne draußen in der freien Natur auf.

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