OB-Wahl in Herrenberg Nico Reith hat das Rennen gemacht

Der neue und der alte OB: Nico Reith (links) folgt auf Thomas Sprißler, der seinem Nachfolger herzlich gratuliert. Er selbst wollte nicht mehr antreten. Foto: Eibner-Pressefoto/Sandy Dinkelacker

Die Herrenberger und Herrenbergerinnen haben am Sonntag den 32-jährigen Tübinger zum Oberbürgermeister gewählt. Die drei anderen Kandidaten waren chancenlos gegen den Verwaltungsfachmann. Die Wahlbeteiligung lag bei rund 41 Prozent.

Böblingen: Melissa Schaich (mel)

Nico Reith (parteilos) hat das Rennen um das Herrenberger Oberbürgermeisteramt gewonnen. Er hat auf Anhieb 72,48 Prozent der Stimmen (vorläufiges Endergebnis) geholt und damit ein Ausrufezeichen gesetzt. Damit folgt der 32-jährige Tübinger auf Thomas Sprißler (Freie Wähler), der nicht erneut kandidiert hatte.

 

Am Sonntagabend füllt sich die Stadthalle nach der Schließung der Wahllokale um achtzehn Uhr mit zahlreichen Kommunalpolitikern und interessierten Bürgern, die gebannt die Hochrechnungen auf der Leinwand verfolgen. Als die Zahlen von 24 der insgesamt 39 Wahlbezirke über den Bildschirm flimmern, bildet sich bereits eine Menschentraube um Nico Reith. Zu diesem Zeitpunkt liegt der 32-Jährige in allen ausgezählten Bezirken schon deutlich vorne. Auch wenn da nur gut ein Drittel der möglichen Stimmen ausgezählt war – es scheint ein „gmähtes Wiesle“ zu werden für Reith.

Das vorläufige Wahlergebnis kurz nach 19 Uhr ist dann klar: Von 10 434 Wählerinnen und Wählern haben 7409 für Nico Reith gestimmt, das sind 72,48 Prozent bei einer Wahlbeteiligung von 41 Prozent. Seine Mitstreiter hat er um Längen abgehängt. Thomas Werner erhielt 16,42 Prozent (1678), Hubert Reichardt 7,98 Prozent (816) und Diana Kobrow 2,27 Prozent (232) der Stimmen. Während seiner Dankesrede sagt der 32-jährige Reith: „Der Wahlkampf war eine intensive, aber schöne Zeit.“ Rund 200 Termine hat der Mönchberger Ortsvorsteher in vier Monaten absolviert.

Auch der noch amtierende Oberbürgermeister Thomas Sprißler ergriff am Wahlabend das Wort: Nico Reith sei menschlich bestens für das Amt des Oberbürgermeisters geeignet. „Ich weiß, welche Last nach Wochen des Wahlkampfs von einem abfällt“, sagt er. Auch Böblingens Landrat Roland Bernhard gratulierte zur „fulminanten Wahl“. Nico Reith habe sich frühzeitig der Wahl gestellt, das war laut dem Landrat das Erfolgsrezept des 32-Jährigen. Er hoffe auf eine gute Zusammenarbeit, vor allem, was die Zukunft des Klinikverbunds anbelangt. Auch Hubert Reichardt ließ es sich als einziger der Verlierer am Ende nicht nehmen und gratuliert dem Gewinner auf der Bühne.

Dann setzt der Herrenberger Musikverein, der während der Reden geduldig auf der Bühne gewartet hat, zum Konzert an. Nico Reith bahnt sich seinen Weg durch den Saal, schüttelt Hände und lässt sich zu seinem Wahlergebnis gratulieren; seine Frau Milda hat er da schon fest umarmt.

Nico Reith übernimmt sein Amt von Thomas Sprißler, der 2007 zum ersten Mal gewählt wurde. Zuvor hatte er das Amt des Bürgermeisters in Mötzingen innegehabt. Im März dieses Jahres gab der Diplom-Verwaltungswirt bekannt, dass er nach zwei Amtszeiten nicht mehr zur Bürgermeisterwahl antreten werde. Seine Amtszeit offiziell beenden wird Thomas Sprißler im Februar.

In große Fußstapfen tritt der neue Bürgermeister: In Sprißlers Amtszeit wurden unter anderem rund 200 Bürgerprojekte auf den Weg gebracht und hunderte Kita-Plätze geschaffen. Sprißler selbst wird es aber sicher auch jetzt nicht langweilig: Er wagt den Schritt in die Selbstständigkeit. Das sei das Schöne an seiner Entscheidung: Er habe noch die Kraft, sich neu zu orientieren, nochmal etwas anderes auszuprobieren nach insgesamt 30 Jahren als Rathauschef.

Der neue Herrenberger Oberbürgermeister hat in den nächsten Jahren ebenfalls große Aufgaben zu bewältigen. Gleich zwei Großprojekte stehen an: Die Entwicklung des Stadtteils Herrenberg-Süd ist wohl die größte Neugründung, die die Herrenberger Verwaltung seit der Nachkriegszeit geschultert hat. Auf 47 Hektar sollen dort bis 2040 Kitas, Schulen und Wohnungen für rund 3000 Menschen entstehen. 15 Hektar soll dabei allein für Wohnraum reserviert werden. Damit würde die Einwohnerzahl Herrenbergs um zehn Prozent zunehmen. Dieses Projekt würde sich die Stadt Herrenberg 202 Millionen Euro kosten lassen. Die Empfehlung aus dem Bürgerforum zu dem Projekt soll statt im nächsten Sommer bereits im April 2024 an den Gemeinderat übergeben werden und als Entscheidungsgrundlage für das Gremium dienen. Nico Reith hatte bereits in seinem Wahlkampf zu dem Thema kritisch Stellung genommen. Seiner Meinung nach sei ein großer Teil der Herrenberger Bevölkerung gegen das Mega-Projekt. Er wolle sich deshalb mehr an freien Flächen in der Innenstadt orientieren – wie dem Baywa-, dem Aischbach- und Stadthallen-Areal ebenso an den 350 existierenden Baulücken.

Es stehen wichtige Entscheidungen an

Ein weiteres Projekt, das der neue OB in den nächsten Jahren begleiten wird, ist die Neustrukturierung der Kliniklandschaft im Kreis Böblingen, bei der Herrenberg mit dem Wegfall der Gynäkologie herbe Verluste wegstecken muss. Nach dem neusten Stand der Entwürfe würde Herrenberg als „integriertes Gesundheitszentrum“ 120 Betten haben. Die Geburtshilfe allerdings wird auf jeden Fall nach Nagold verlagert. Am 18. Dezember sollen die Kreistage in Böblingen und Calw über die Entwürfe entscheiden.

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