OB-Wahl in Kornwestheim Ursula Keck verzichtet auf Kandidatur

Der Rathausturm ist ein Wahrzeichen von Kornwestheim. An der Spitze der Verwaltung steht im kommenden Sommer ein Wechsel an. Foto: Karin Bäuerle (Archiv)

Die 59-jährige Amtsinhaberin wird im kommenden Jahr nicht ein weiteres Mal in Kornwestheim antreten. Nach 16 Jahren möchte sie ihren Sessel im Sommer 2023 räumen. Sie hat ihre Gründe öffentlich erläutert.

Ludwigsburg: Anne Rheingans (afu)

Länger als zunächst angekündigt dauerte ihre Bedenkzeit. Nun steht aber fest: Ursula Keck (parteilos) wird nicht ein weiteres Mal für die Oberbürgermeisterwahl in Kornwestheim kandidieren. Auf einer kurzfristig einberufenen Pressekonferenz hat die 59-Jährige am späten Mittwochnachmittag ihre Entscheidung verkündet. Im kommenden Sommer wird sie nach 16 Jahren im Amt ihren Sessel im Rathaus räumen.

 

Für die Verkündung hatte sich Keck sehr bewusst das K ausgesucht, ein Großprojekt, das in ihre Amtszeit fällt. Wenige Stunden vor dem öffentlichen Termin hatte sie bereits die Mitarbeiter im Rathaus über ihren Entschluss informiert. Zu einem Bürgermeistertreffen auf Landkreisebene hatte sie ihren Stellvertreter, den Ersten Bürgermeister Daniel Güthler, geschickt.

Die meisten Fraktionen unterstützen sie nicht

Ursula Keck ist seit 2007 Oberbürgermeisterin der Stadt Kornwestheim. Im Spätsommer war sie auf mehrere Fraktionen zugegangen, um ihre Optionen für eine dritte Kandidatur auszuloten. In den vergangenen Monaten hatte sich abgezeichnet, dass sie ihren Rückhalt im Gemeinderat eingebüßt hat. Erst vor zwei Wochen war bekannt geworden, dass die CDU die Amtsinhaberin im Falle einer erneuten Bewerbung nicht unterstützt hätte. Auch die FDP, die SPD und die Freien Wähler waren auf Abstand gegangen. Nur die Fraktion Grüne/Linke habe ihr Unterstützung signalisiert, ließ Keck durchblicken. Den mangelnden Rückhalt gab sie als einen Grund für ihre Entscheidung an. „Die Stadtverbände wollen einen parteipolitischen Wahlkampf. Das passt nicht zu meinem Anspruch“, sagte sie. Ihr sei es immer wichtig, frei in ihren Entscheidungen zu sein, ohne parteipolitische Zwänge.

Bei ihren früheren Bewerbungen war die Situation anders. Unterstützt von CDU und SPD, setzte sie sich im Jahr 2007 als Herausforderin mit 71 Prozent der Stimmen deutlich gegen den damaligen Amtsinhaber Ulrich Rommelfanger (CDU) durch. Im Juni 2015 wurde sie im Amt bestätigt. Mit 54,4 Prozent der Stimmen ließ sie bereits im ersten Wahlgang ihre drei Herausforderer hinter sich. Auch bei ihrer zweiten Bewerbung sprachen die Christ- und die Sozialdemokraten eine Wahlempfehlung für sie aus.

Stimmung zwischen Keck und Stadträte hat gelitten

Zuletzt hatte die Stimmung zwischen der Amtsinhaberin und den Stadträten jedoch gelitten. Unter anderem war die Rede davon, dass einige Stadträte gerne einen Wechsel im Amt hätten. Anstatt im persönlichen Gespräch nach gemeinsamen Lösungen zu suchen, sei die Kritik gleich öffentlich geäußert worden. „Ich wurde mehr angegriffen, als ich mir das gewünscht hätte“, sagte Keck. Sie wies zudem den Vorwurf zurück, sie sei bei Vorschlägen aus den Fraktionen eine Bremse. Außerdem sei angedeutet worden, sie sei zu alt, sagte die 59-Jährige. Auch deshalb habe sie sich gegen eine erneute Kandidatur entschieden: „Ich möchte mich von dem Gefühl der Diskriminierung befreien.“

Wer wird die Nachfolge übernehmen? Welche Kandidaten werfen ihren Hut in den Ring? Mitte November war bekannt geworden, dass Frank Zimmermann (CDU), seit 2014 Bürgermeister aus Gaildorf (Kreis Schwäbisch Hall), darüber nachdenkt, für die OB-Wahl 2023 zu kandidieren. Der 39-Jährige, der gebürtig aus Murr stammt, hat bereits bei mehreren Fraktionen angeklopft, um sich vorzustellen. Bislang wollte er sich aber noch nicht festlegen, ob er tatsächlich eine Bewerbung einreichen wird.

Noch bis zum 8. August im Amt

Dem neuen Rathauschef oder der neuen Rathauschefin überlässt Keck nach ihrer Ansicht eine gut aufgestellte Verwaltung und eine attraktive Stadt. Die Amtsinhaberin will die Suche nach ihrer Nachfolge „mit Fairness und Offenheit begleiten“, versprach sie.

Im kommenden Jahr sind die Kornwestheimer zur Wahl aufgerufen. Wahrscheinlich findet der erste Wahlgang am Sonntag, 25. Juni, statt. Dem Gemeinderat möchte Keck empfehlen, in seiner Sitzung im Januar die Ausschreibung auf den Weg zu bringen – diesmal ohne den Zusatz „Die Oberbürgermeisterin bewirbt sich wieder“, sagte Keck.

Zu ihren Plänen für die Zeit ab dem Sommer 2023 sagte sie: „Ich werde mich nach neuen Aufgaben umsehen.“ Bis zum 8. August bleibe sie aber mit Leib und Seele in ihrem Amt.

Kornwestheim und seine Rathauschefin

Die Stadt
 Kornwestheim zählt rund 34 000 Einwohner und liegt zwischen der Landeshauptstadt Stuttgart und Ludwigsburg; entsprechend sind die Pendlerströme: Während täglich rund 8300 Männer und Frauen zum Arbeiten in die Stadt kommen, verlassen sie gleichzeitig rund 13 000. Seit 1. April 1956 ist Kornwestheim Große Kreisstadt.

Die Stadtoberhäupter
 Die parteilose Ursula Keck wurde erstmals 2007 zur Oberbürgermeisterin gewählt. Im Amt bestätigt wurde sie im Juni 2015. Sie löste Vorgänger Ulrich Rommelfanger (CDU) ab, der für eine zweite Amtsperiode antrat, aber nicht wiedergewählt wurde. Davor war Ernst Fischer Oberbürgermeister (CDU) von 1982 bis 1999.

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