OB-Wahl in Leonberg Bayerische Prinzessin gegen Bürgerlichen vom Rhein

Wer durchschneidet das Band zur Chefetage im Leonberger Rathaus? Foto: Simon Granville

Das Geheimnis um die Bewerber für das Amt des Leonberger Oberbürgermeisters ist gelüftet: Josefa von Hohenzollern und Tobias Degode werfen den Hut in den Ring

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Was die Leonberger Spatzen vom Rathausdach pfeifen, ist nun offiziell: Neben dem bereits bekannten Bewerber Benjamin Schulz, der bisher politisch nicht in Erscheinung getreten ist, gehen zwei Profis in den Ring: Josefa von Hohenzollern will Oberbürgermeisterin werden. Auch der bisher als Geheimsache gehandelte Kandidat von CDU und Freien Wählern steht fest: Tobias Degode möchte aus dem Düsseldorfer Rathaus in das von Leonberg wechseln. Dort ist der 38-Jährige als Verwaltungsleiter für den rund 100 Millionen Euro schweren Etat des Kulturamtes in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt verantwortlich.

 
Josefa von Hohenzollern Foto: privat

Damit haben beide Verwaltungserfahrung, auf die in der Diskussion um die Nachfolge vom amtierenden Oberbürgermeister Martin Georg Cohn (SPD) oft abgehoben wird. Josefa von Hohenzollern ist seit Juni 2021 Erste Bürgermeisterin von Leonberg mit den Dezernaten Finanzen, Ordnung und Soziales. Vor genau zwei Jahren hatte sie Cohn wegen „gravierender Verletzungen der Dienstpflichten“ mit einem Arbeitsverbot belegt. Das Verfahren dauert bis heute an. Zuvor war die 51-Jährige in Bundesbehörden tätig, darunter im Bundesamt für Migration. In ihrer niederbayerischen Heimatgemeinde Kollnburg war die Verwaltungswirtin und Juristin ehrenamtliche Bürgermeisterin. Sie ist Mitglied der FDP.

Bei den Liberalen war auch Tobias Degode Mitglied, bevor er unlängst nach 16 Jahren die Partei verlassen hat. „Ich möchte mich als unabhängiger Kandidat den Menschen in Leonberg vorstellen“, begründet er im Gespräch mit unserer Zeitung den Parteiaustritt. „Zudem hatte ich immer mehr Probleme mit dem neoliberalen Kurs Christian Lindners.“ Dass er nun von der mondänen Metropole am Rhein ins vergleichsweise beschauliche Leonberg strebt, erklärt er mit seinen persönlichen Ambitionen: „Ich möchte gestalten und Dinge umsetzen, die den Menschen im Alltag helfen.“

Tobias Degode Foto: Simon Granville

In Düsseldorf war ein Posten diesen Zuschnitts in absehbarer Zeit nicht in Sicht. Also meldete sich der studierte Verwaltungsbetriebswirt bei einer Agentur, die kommunale Führungsaufgaben vermittelt: „Da wurde mir gesagt, dass Leonberg genau das Richtige für mich ist.“ Und so kam der Kontakt zum hiesigen CDU-Chef Oliver Zander und dessen Freie Wähler-Kollegen Stephan Schwarz zustande. Degode betont, dass er sich von Anfang an im Klaren darüber war, auf welch’ schwieriges Terrain er sich begibt: „Die haben mir direkt bei unserem ersten Gespräch reinen Wein eingeschenkt.“

Ihre politische Unabhängigkeit betont auch Josefa von Hohenzollern, die ihre Leonberger Laufbahn vor vier Jahren noch unter ihrem Mädchennamen Schmid begonnen hatte. Sie sei zwar in der Partei, aber keine offizielle FDP-Kandidatin. Gleichwohl hatte sie auf dem Ticket der Liberalen vor einem Jahr einen Sitz im Kreistag errungen. Besonders für einige verdiente örtliche Parteigranden war das eine Überraschung, die ihr intern nicht nur Freunde gemacht hatte. Sie betont, ein gutes Verhältnis zu den Leonberger Liberalen zu haben, in ihrem Verwaltungsamt aber unabhängig und ohne parteipolitische Aspekte gestalten wolle.

Dieser Ansatz eint den Bewerber vom Rhein und jene aus Bayern. Sie wollen die Arbeitssituation im Rathaus verändern. Von Hohenzollern spricht von einem „neuen Geist“, Degode vom „Kulturwandel“. Begriffe wie Wertschätzung und Transparenz fallen. Tobias Degode, der Auswärtige, wird deutlicher: Er wolle „die Arbeitgebermarke wieder herstellen“ und verweist auf „extrem schlechte“ Bewertungen in Fachforen zum Image einzelner Verwaltungen.

Sehr konkret wird Josefa von Hohenzollern beim Thema Stadtentwicklung: Sie spricht sich klar für eine „rasche Umsetzung des Postareals als Brückenschlag zwischen Altstadt und Neustadt“ aus und will einen autofreien Marktplatz unter anderem damit beleben, dass dort der Samstagsmarkt wieder stattfindet.

Tobias Degode geht das Thema allgemeiner an: Er spricht von „starken Verbindungen zwischen Altstadt, Leo-Center, Eltingen und den jenseits des Zentrums gelegenen Stadtteilen. Das gewährleisten will Degode mit „Plätzen, Wegen und Aufenthaltsorten, die so gestaltet sind, dass sie Menschen einladen und nicht ausschließen.“ Er spricht von der „15-Minuten-Stadt“.

Benjamin Schulz. Foto: Yvonne C. Krystovsky

Das Leonberger Krankenhaus muss in den Augen von Josefa von Hohenzollern als „eigenständiger Grund- und Regelversorger“ erhalten bleiben. Auch für den Verbleib des Rettungshubschraubers Christoph 41 will sie sich einsetzen. Tobias Degode betont, dass er die Sorge vieler Menschen um die Zukunft des Krankenhaus ernst nehme. „Deshalb will ich gemeinsam mit dem Kreis, der Klinikleitung, den Beschäftigten und den Menschen nach Lösungen suchen.“

Das Privatleben beider Kandidaten hat hinter vorgehaltener Hand bereits für Gesprächsstoff gesorgt. Josefa von Hohenzollern bestätigte auf Anfrage, dass sie schwanger ist und im Juli ihren Sohn im Leonberger Krankenhaus zur Welt bringen will. Einen Konflikt zwischen der Mutterrolle und den Belastungen des OB-Amtes sieht sie nicht: „Im Gegenteil. Alle sprechen von Frauen in Führungspositionen und der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Ich will zeigen, dass das geht. Meine Familie hilft mir dabei.“ Tobias Degode erklärte unserer Zeitung, dass er mit einem Mann glücklich verheiratet ist.

Alles rund um die OB-Wahl

Termin
 Die Menschen in Leonberg wählen ihren Oberbürgermeister am Sonntag, 28. September. Eine möglicher zweiter Wahlgang ist für den 12. Oktober vorgesehen.

Termin
 OB Martin Georg Cohn (SPD) hat bereits im September 2024 seinen Verzicht auf eine weitere Kandidatur erklärt. Aktuelle Bewerber sind Tobias Degode (38), Abteilungsleiter bei der Stadt Düsseldorf, Josefa von Hohenzollern (51), Erste Bürgermeisterin in Leonberg und Benjamin Schulz (41), selbstständiger Influence-Manager.

Kontakte
 Einen persönlichen Eindruck von Tobias Degode können sich die Menschen am Samstag, 28. Juni, 14.30 Uhr, beim Sommerempfang von CDU und Freien Wählern in der Stadthalle machen. Josefa von Hohenzollern und Benjamin Schulz wollen auch Gesprächsangebote geben. Homepages: www.degode.de; www.leo-ob.de; benjaminschulz.org

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