OB-Wahl in Leonberg Ein Zweikampf mit besonderer Note
Beim Wettbewerb um den OB-Posten in Leonberg treten zwei Persönlichkeiten gegeneinander an, die bei den Inhalten nicht so weit auseinander liegen, meint unser Redaktionsleiter.
Beim Wettbewerb um den OB-Posten in Leonberg treten zwei Persönlichkeiten gegeneinander an, die bei den Inhalten nicht so weit auseinander liegen, meint unser Redaktionsleiter.
Mit dem Ende der Pfingstferien nimmt das Kandidaten-Karussell in der Leonberger OB-Frage schlagartig an Fahrt auf. Nachdem über mögliche Aspiranten monatelang spekuliert wurde, herrscht nun Klarheit: Der „Mr X“ von CDU und Freien Wählern kommt aus Düsseldorf und heißt Tobias Degode. Und Josefa von Hohenzollern, die im Zwangsurlaub befindliche Erste Bürgermeisterin von Leonberg, will eine Stufe höher. Beide haben am Freitag offiziell ihre Bewerbung verkündet. Dass der Leonberger Benjamin Schulz, kommunalpolitisch bisher ein unbeschriebenes Blatt, ebenfalls antreten will, ist schon länger bekannt.
Degode und von Hohenzollern rechnen sich jeweils gute Chancen aus. Der Mann aus Düsseldorf, weil er die CDU und die Freien Wähler hinter sich weiß, die den Leonberger Gemeinderat dominieren. Die vom amtierenden Oberbürgermeister Martin Georg Cohn (SPD) seit zwei Jahren kaltgestellte Vize-Chefin des Rathauses setzt vor allem auf ihre Bekanntheit und den Sympathiefaktor.
Benjamin Schulz wiederum erhofft sich durch seine Verwurzelung als gebürtiger Leonberger und seine Rolle als Administrator der lokalen Gruppe auf Facebook einen gewissen Bekanntheitsgrad.
All das freilich hat nichts mit der Sachkompetenz der Interessenten und deren Inhalten zu tun. Auf die aber kommt es. Josefa von Hohenzollern und Tobias Degode sind erfahrene Verwaltungsleute. Die zwangsbeurlaubte Erste Bürgermeisterin hat unter anderem im Bundesamt für Migration gearbeitet. Ihre dort praktizierte harte Linie hat ihr nicht nur Sympathien eingebracht.
In Leonberg hatten Oberbürgermeister Martin Georg Cohn (SPD) und seine Stellvertreterin von Anfang an ein angespanntes Verhältnis. Cohn ahnte wohl, dass er eine potenzielle Konkurrentin im eigenen Haus hat, was sich, wie sich jetzt zeigt, als richtige Einschätzung herausstellt. Eine gedeihliche Zusammenarbeit konnte unter diesen Voraussetzungen nicht entstehen.
Die auch juristisch geführte Dauerfehde zwischen dem OB und seiner Vize waren der entscheidende Grund für den Leonberger CDU-Chef Oliver Zander, einen umfassenden personellen Neuanfang zu fordern. Gemeinsam mit Stephan Schwarz, dem Chef der Freien Wähler, stieß man auf Tobias Degode, der die Fühler ausgestreckt hatte.
Die Mutmaßung, der 38-Jährige hätte nicht genügend Führungserfahrung, weil er lediglich die Finanzabteilung des Düsseldorf Kulturamtes leitet, würde in die Irre führen. Die international geprägte Landeshauptstadt Nordrhein-Westfalens tickt nach dem Motto „Think big“. Dieses große Denken äußert sich auch darin, dass allein der dortige Kulturetat, den Degode zu verantworten hat, 100 Millionen Euro schwer, rund die Hälfte des Leonberger Gesamthaushalts.
Zudem zeigt sich der 38-Jährige bei den Leonberger Problemfeldern schon erstaunlich gut informiert, wenngleich er viele Zielsetzungen noch allgemein formuliert, wo seine Konkurrentin sehr konkret wird. Doch ist ihm zuzutrauen, dass er sich intensiv in die einzelnen Felder einarbeiten wird.
Dass beide korrekt und fair miteinander umgehen werden, ist zu erwarten. Beide propagieren eine offene Diskussionskultur und beide müssen gegebenenfalls zusammenarbeiten. Der Ist-Zustand an der Verwaltungsspitze darf für beide keine Option sein.
Worüber schon jetzt viel gesprochen wird, ist deren private Situation. Josefa von Hohenzollern wird im Juli Mutter, will aber den Beweis antreten, dass Familie und Beruf auch in einer Führungsposition gut zu meistern sind. Und Tobias Degode verschweigt nicht, dass er mit einem Mann verheiratet ist. Beide Lebensentwürfe sollten heutzutage zum normalen Alltag gehören.