OB-Wahl in Leonberg Leere Versprechungen sind nichts für ihn

Willi Alfred Erich Matthias Kerler bewirbt sich als Oberbürgermeister für Leonberg. Foto: Simon Granville

Willi Alfred Erich Matthias Kerler (57) will Oberbürgermeister in Leonberg werden. Der Sachverständige hat für Effekthascherei nichts übrig. Was will er im Amt erreichen?

Leonberg: Marius Venturini (mv)

Willi Kerler kennt die Menschen – und sie kennen ihn. Beim Interviewtermin im Außenbereich des Eiscafés Stefanello am Leonberger Marktplatz muss der 57-jährige ein ums andere Mal kurz unterbrechen, um Passanten zu grüßen und kurz mit ihnen zu plaudern. Grüße hier, ein „Wie geht’s?“ dort.

 

Kerler ist vernetzt, er weiß Dinge – rund um die Altstadt, in der er wohnt, und darüber hinaus. Diese Verbindungen und Kontakte auf niederster Schwelle verschaffen ihm wiederum einen Blick auf das große Ganze in Leonberg.

OB-Kandidat Will Kerler will in Leonberg etwas verändern

Seine Kandidatur für das Oberbürgermeisteramt sieht er jedoch nicht als „logischen Schritt“, wie er sagt. „Aber wenn man etwas verändern möchte, dann vielleicht doch. Weil andere machen es ja nicht.“ Dabei klingt er teils zynisch, teils wohnt seinen Aussagen eine im Vorfeld einer Wahl bemerkenswerte Nüchternheit inne. „Man sollte nicht versprechen, was man nicht halten kann, nur damit man gewählt wird“, sagt er.

Der Vollständigkeit halber: Willi Kerler heißt eigentlich Willi Alfred Erich Matthias Kerler. „Bei meiner Geburtsurkunde ist die Unterstreichung eines Rufnamens unterlassen worden“, sagt er und schmunzelt. In seinem Slogan „Willi wählen“ belässt er es jedoch bei seinem ersten Vornamen. Kerler ist Ur-Leonberger, sein Urgroßonkel Hermann Kerler Ehrenbürger der Stadt.

Willi Kerler benennt seine Agenda für die OB-Wahl in Leonberg

Der Urgroßneffe kandidiert nun also für das höchste Amt ebenjener Stadt. Und er scheut sich nicht, auch mal einen Spruch rauszuhauen. „Anstand, Charakter, Ehre, Ehrlichkeit, Erziehung, Gewissen und Respekt“ könnten die Bürger von ihm erwarten, wenn es nach seiner offiziellen Agenda geht. So kommen auch Aussagen zustande wie: „Leonberg macht sich doch lächerlich. Jedes Bauvorhaben funktioniert nicht, weil das Geld nicht kommt. Das kann man doch keinem mehr erzählen.“

Doch auch konkrete Einschätzungen Leonberger Themen gehören zum Portfolio des Sachverständigen, der in der Vergangenheit viel Zeit in Italien verbracht hat und nach dem Abitur Jura studiert hatte. Da wäre zum Beispiel das Krankenhaus. „Ein Leonberger Oberbürgermeister hat ja gar nicht die Möglichkeit, das in den Griff zu kriegen.“ Dieses Thema liege unter anderem beim Klinikverbund Südwest. Was ins Tun eines Oberbürgermeisters falle, sei hingegen die Stärkung des Pflegeverbundes Strohgäu.

Der Leonberger Marktplatz: Laut Willi Kerler stimmt hier der Branchenmix nicht. Foto: Simon Granville

Den Marktplatz, sein unmittelbares Lebensumfeld, bezeichnet Kerler als „katastrophal“. Der Branchenmix stimme nicht, zudem trauten sich viele Menschen nicht in die Tiefgarage. „Die ist ja eigentlich kameraüberwacht. Aber wer überwacht die Kameras?“, fragt er. Auch den Mehrwert der Parkscheinautomaten in der Altstadt stellt er in Frage. „Schlicht mit Parkscheibe. Und jeden Tag läuft von der Stadt ein- bis zweimal jemand durch“, lautet sein Ansatz. „Wohnungsprostitution“ und illegale Air-BNBs seien weitere Ärgernisse, denen er im Falle seiner Wahl den Kampf ansagen wolle.

Ganz allgemein hält Kerler Leonberg derzeit nicht eben für attraktiv. „Es ist eine dreckige und unsichere Stadt“, sagt er. „Ich fühle mich in manchen Teilen von Leonberg nachts nicht mehr wohl.“ Auch da müsse es einen Weg geben, bei der Kriminalprävention alle mit ins Boot zu holen. Schließlich sollten die Mitarbeitenden des Ordnungsamtes keine Waffen tragen müssen.

OB-Wahl: Willi Kerler kritisiert „ungesundes Klima“ im Leonberger Rathaus

Zur Situation im Rathaus, seiner erhofften nächsten Arbeitsstelle, sagt Kerler: „Die Fluktuation dort ist bedenklich. Es herrscht offenbar ein ungesundes Klima, sonst würden nicht so viele gehen.“ Man könne bei allem möglichen tricksen, aber eben nicht bei den Menschen. Generell fordert Kerler „mehr auch mal hemdsärmelige Entscheidungen“. Man könne sich heute hinter jedem Gesetz verstecken. Das sei das Problem. „Und man muss nicht effekthascherisch unterwegs sein, um den Leuten effektiv zu helfen.“

Man darf gespannt sein, wie viele Leonberger Bürgerinnen und Bürger Kerler zur Wahl auf seine Seite zieht. Denn sein Wahlkampf fällt nicht eben offensiv aus. „Ich kann mich leider nicht dazu durchringen, dass für mich Bäume gefällt werden, nur um Flyer hieraus anfertigen und verteilen zu lassen“, schreibt er zum Beispiel in den Sozialen Medien. Wer Nachhaltigkeit predige, müsse auch so handeln. „Und zusätzliche Umweltverschmutzung lehne ich sowieso ab.“

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