Die Oberbürgermeisterwahl in Leonberg mobilisiert die Massen. Die Talkrunde dieser Zeitung mit zwei Kandidatinnen und einem Kandidaten kann ob des Andrangs erst verspätet starten.
Riesiger Andrang in der Stadthalle! Das Interesse an der Talkrunde zur Oberbürgermeisterwahl in Leonberg an diesem Montagabend pulverisierte alle vorherigen Erwartungen. Die Kapazität des mit 550 Sitzplätzen nicht eben kleinen „Großen Saals“ der Stadthalle reichte nicht im Ansatz aus, um allen Gästen einen Stuhl zu bieten – und vermutlich wäre auch der Gesamtsaal mit seinen gut 750 Plätzen zu klein gewesen.
Feuerwehrkommandant mit besonnener Ansprache
So bedurfte es schließlich einer besonnenen Ansprache von Feuerwehrkommandant Wolfgang Zimmermann. Er sorgte dafür, dass sich einige Anwesende doch noch dazu entschlossen, ihren Stehplatz aufzugeben und den Heimweg anzutreten. Mit knapp halbstündiger Verspätung konnte die Runde, bestehend aus den Kandidatinnen Josefa von Hohenzollern und Marion Beck, dem Kandidaten Tobias Degode sowie dem Moderations-Duo Nathalie Mainka und Thomas K. Slotwinski, schließlich in die Vollen gehen.
Die anstehende Wahl am Sonntag, 28., September, sie bewegt die Bürgerinnen und Bürger. Sie fragten sich, wie sich die drei aussichtsreichsten Kandidaten wohl schlagen würden. Klar wurde dabei: Josefa von Hohenzollern, derzeit zwangsbeurlaubte Erste Bürgermeisterin Leonbergs, punktete dabei mit teils pointierten Sprüchen und ihren Erfahrungen aus der Leonberger Verwaltung. Marion Beck stieß auf Zustimmung mit Aussagen zur Altstadt und der Möglichkeit etwa von Pop-up-Stores in angemieteten Immobilien. Tobias Degode wiederum, der sachliche Verwaltungsmensch, hatte derweil bei seinen Analysen etwa zur Stadtentwicklung das „Applausometer“ auf seiner Seite.
Bei manchen Dingen herrschte Einigkeit, bei manchen nicht. Am weitesten gingen die Ansichten beim Thema Krankenhaus auseinander. Während sich Tobias Degode ein kommunales Medizinisches Versorgungszentrum (MVZ) im Zusammenspiel mit dem Krankenhaus gut vorstellen kann, hält Josefa von Hohenzollern ein MVZ für den ersten Sargnagel für eine vollwertige Klinik. Auch Marion Beck plädiert für den Erhalt des Krankenhauses in seiner aktuellen Form.
Zuvor sah sich das Bewerbertrio mit der Frage nach dem Zustand der Verwaltung konfrontiert. So kann sich Josefa von Hohenzollern den Einsatz von Künstlicher Intelligenz zur Entlastung der Verwaltungsmitarbeitenden gut vorstellen. „Digitalisierung passiert ganz automatisch“, gab Marion Beck zu Protokoll. Wasser in den Wein goss Tobias Degode: „Wir haben in Leonberg in Sachen IT nicht einmal die Basics. Das müssen wir erst ausbauen.“
Die „Angstkultur“ im Rathaus müsse derweil zugunsten von Teamarbeit enden, forderte Josefa von Hohenzollern. Beck und Degode stießen ins selbe Horn – mit Degodes Ergänzung: „Wir müssen sehen, welche Kultur wir wollen, auch mit Blick auf die Zusammenarbeit mit dem Gemeiderat.“
Die Altstadt wollen ebenso alle beleben – allerdings mussten sowohl Josefa von Hohenzollern als auch Marion Beck von ihrem zuvor geäußerten Standpunkt abrücken, den Samstagsmarkt partout auf den Marktplatz zurückholen zu wollen. Einigkeit auch in Sachen Verkehr: Routen für Fußgänger und Radfahrer müssten ausgebaut werden. Aber, wie es Marion Beck formulierte: „Das Auto muss man immer mitplanen, für alles andere sind wir einfach zu ländlich.“
Zurückhaltung herrschte beim Thema „Verzögerungen beim Postareal“. „Vielleicht könnte sich auch dort ein Platz für ein MVZ finden“, sinnierte Tobias Degode. Zu Gerüchten, der Projektentwickler Strabag könnte doch wieder aussteigen, wollte keine(r) der Beteiligten konkret Stellung beziehen. Außer, wie man sich einig war: Man wolle mit der Strabag sofort reden.
Eine konkrete Siegerin – oder ein Sieger – ließ sich beim OB-Talk nicht ausmachen, wenngleich Tobias Degode auf fachlicher Ebene, Josefa von Hohenzollern mitunter auch auf der persönlichen Schiene Zustimmung sammelten. Marion Beck platzierte sich irgendwo dazwischen. So unterschiedlich das Trio in seinem Auftreten war, so groß war dabei die bei vielen großen Punkten. Gefühlt nur beim Krankenhaus herrschte wirkliche Uneinigkeit. Am Ende dürfte es für viele Leonbergerinnen und Leonberger eine Wahl der persönlichen Präferenz werden.