Benjamin Schulz, Gründer der Leonberg-Facebook-Gruppe, tritt als parteiloser Kandidat an. Der 41-Jährige will die Verwaltung digitalisieren und die Stadt zur Marke machen.
Benjamin Schulz will Oberbürgermeister der Stadt Leonberg werden – und stellt sich am 28. September zur Wahl. Seit 2012 beschäftigt sich der 41-Jährige, wie er sagt, intensiv mit seiner Heimatstadt und den Bedürfnissen der Menschen. Damals hat er die Facebook-Gruppe „Leonberg“ mitgegründet. „Als eine Plattform für den Austausch, für Diskussion und Information“, sagt er. Dass manche Beiträge nicht immer das gewünschte sprachliche Niveau hätten, störe ihn massiv. „Ich lösche immer wieder Beträge, die unter der Gürtellinie sind, dafür werde ich in der Gruppe auch angefeindet, weil mir Zensur vorgeworfen wird.“ Erstmals wurde sein politisches Interesse bei der letzten Oberbürgermeisterwahl 2017 geweckt. „Da wurde mir klar, wie viel Gestaltungskraft in unserer Gemeinschaft steckt.“
Als er angesprochen wurde, er könne doch für den Gemeinderat kandidieren und auf diese Weise Lokalpolitik mitgestalten, habe er sich bewusst dagegen entschieden. „Ich war überzeugt, unabhängig und direkt mit den Bürgerinnen und Bürgern mehr bewegen zu können. Über unsere Online-Plattform ist es uns tatsächlich gelungen, Themen sichtbar zu machen, die zuvor übersehen wurden“, sagt er bei einem Treffen in einem Eltinger Café. Er ist stolz auf die mittlerweile 35 500 Mitglieder in der Facebook-Gruppe.
„Stadt als Arbeitgeber muss wieder attraktiv werden“
Als die Differenzen an der Rathausspitze zwischen dem Oberbürgermeister Martin Georg Cohn und der Ersten Bürgermeisterin Josefa von Hohenzollern (damals noch Schmid) im Jahr 2022 eskalierten, habe er für sich beschlossen: „Da muss was getan werden.“ Und so sei für Benjamin Schulz jetzt der richtige Moment, den nächste Schritt zu gehen und zu kandidieren. „Ich stelle mich der Herausforderung.“ Falls er die Wahl gewinnen sollte, welchen Schwerpunkt würde er zu Beginn seines Amtes setzen? „Bei der Besetzung der offenen Stellen im Rathaus, hierfür würde ich im Personalwesen jemanden einstellen, der ein Händchen dafür hat.“ Die Stadt als Arbeitgeber müsse wieder attraktiv werden. „Deshalb muss man das Image ändern.“ Für den parteilosen Kandidaten hätte zudem die komplette Digitalisierung im Bürgerservice Priorität. Um die alten Menschen mitzunehmen, bräuchte es Ehrenamtliche, die sich um sie kümmern. „Ich würde ein ehrenamtliches Programm mit Belohnungssystem starten.“
Einen weiteren Schwerpunkt sieht er in der Verbesserung der Mobilität. Der Verkehr müsse mit Hilfe von KI-Technologie flüssiger durch die Stadt geführt werden. So denkt er auch an Sharing-Modelle, das Interesse für E-Bikes müsse gefördert und die Taktung der Busse verbessert werden. Er wünscht sich eine Stärkung der Bürgerbeteiligung, einen besseren und transparenteren Dialog zwischen Gemeinderat und Bürgern. „Ich denke da auch an einen Livestream im Gemeinderat.“ Er möchte junge Menschen motivieren, sich bei der nächsten Gemeinderatswahl zu engagieren.
Leonberg zur Marke ausbauen
Am Marketing der Stadt möchte er arbeiten, Leonberg mit all seinen Attraktionen – wie der Leonberger Hund, der Pomeranzengarten oder der Stadtpark – zur Marke ausbauen. Er möchte die zentralen Plätze wie den Marktplatz in der Altstadt, den Neuköllner Platz oder den Bereich um den Obi-Kreisel attraktiver gestalten. „Mit Hilfe eines Youtube-Kanals könnte man die Stadtentwicklung transparent machen.“ Wichtig sei ihm der Erhalt und der Ausbau des Leonberger Krankenhauses und eine gute medizinische Versorgung. „Meine Vorstellung ist es, mit Rutesheim und Renningen ins Gespräch zu kommen, um gemeinsam ein medizinisches Kinderärzte-Zentrum zu errichten.“ Auch die Kita-Plätze möchte er ausbauen und bezahlbarer gestalten.
Benjamin Schulz macht keinen Hehl draus, dass seine Kindheit nicht immer geradlinig verlief. Als er zwölf Jahre war, trennten sich seine Eltern. „Das hat meine Schulzeit und mein Leben ordentlich durcheinander gewirbelt, und bei der Frage, wohin mein beruflicher Weg gehen sollte, habe ich keine Unterstützung bekommen.“ Heute bereut er, keine Ausbildung zu haben. „Ich habe mich schon früh für IT interessiert und machte mich 2018 selbstständig.“
Schulz will sich „tief einarbeiten“
Seitdem ist er im Influencer-Management tätig. Er verhandelt Werbeverträge, kümmert sich um rechtliche Rahmenbedingungen und sorgt dafür, dass seine Klientinnen und Klienten sich auf das Wesentliche konzentrieren können. „Organisation, Verhandlungsgeschick und klare Kommunikation gehören in diesem Geschäft zum Alltag — Fähigkeiten, die auch in einer Stadtverwaltung gefragt sind“, sagt der ledige Schulz. Wie er die Aufgabe als OB ohne Verwaltungserfahrung meistern möchte? „Ich werde es lernen und mich weiterhin tief in kommunalpolitische Themen einarbeiten.“