„Die Kandidatur ist im Sinne meines Mannes“: Josefa von Hohenzollern hat nun den Wahlkampf im Fokus. Foto: Simon Granville
Die OB-Kandidatin hat prägende Wochen hinter sich: Kurz nach dem Trauerfall brachte sie ein Kind auf die Welt. Jetzt konzentriert sie sich auf ihre Themen im Wahlkampf.
In den vergangenen Tagen hat Josefa von Hohenzollern oft an Verena Hubertz denken müssen. Die Bundesbauministerin hat unlängst ihre Schwangerschaft bekannt gegeben – und nicht nur Glückwünsche bekommen. Im Gegenteil: Die Sozialdemokratin wurde im Netz wüst beschimpft.
Auch die Erste Bürgermeisterin von Leonberg sah sich in den vergangenen Wochen oft mit der kritischen Frage konfrontiert, wie sie das Amt der Oberbürgermeisterin mit den Aufgaben einer Mutter in Einklang bringen wolle. Im August hatte die Kandidatin für das höchste Amt der Stadt im Leonberger Krankenhaus ihren Sohn Leopold auf die Welt gebracht. Einen Grund, ihre beruflichen Ambitionen in den Hintergrund zu stellen, sieht sie in der Geburt nicht: „Ich möchte zeigen, dass die Verantwortung für ein Kind und für ein hohes Amt durchaus in Einklang zu bringen sind, so wie dies zahllose Frauen jeden Tag machen“, sagt von Hohenzollern. „Meine Familie unterstützt mich dabei.“
Allein angesichts des plötzlichen Herztods ihres Mannes im Juni habe sie ernsthaft in Erwägung gezogen, alles hinzuschmeißen. „Aber Harald hat meine Kandidatur ausdrücklich unterstützt und mich immer bestärkt“, sagt sie. „Ich weiß, dass es auch in seinem Sinne ist, wenn nicht aufgebe.“
Nach kurzer Trauerphase wieder Wahlkampf
Die 51-Jährige, die bis zur ihrer Hochzeit mit Harald von Hohenzollern-Emden noch Schmid hieß, versteht, dass sich so mancher gewundert habe, dass sie nach einer vergleichsweise kurzen Trauerphase wieder in den Wahlkampf eingestiegen ist. „Aber es geht mir besser, wenn ich unter Menschen bin. Auch das hilft, meine Trauer zu überwinden.“
Krankenhaus Leonberg: „Gesundheit ist nicht verhandelbar“, sagt Josefa von Hohenzollern. Foto: Simon Granville
So ist sie, wie ihre Mitbewerber Marion Beck und Tobias Degode, ständig unterwegs, um mit jenen ins Gespräch zu kommen, die am 28. September eine neue Oberbürgermeisterin oder einen neuen Oberbürgermeister wählen. Sollte sie es schaffen, will sie „als eine der ersten Amtshandlungen“ die vakante Dezernentenposition an der Stadtspitze ausschreiben.
Der amtierende Oberbürgermeister Martin Georg Cohn (SPD) hat von Hohenzollern vor mehr als zwei Jahren wegen, wie er sagte, „gravierender Verletzungen der Dienstpflichten“ mit einem Arbeitsverbot belegt. Seither führen er und der Baubürgermeister Klaus Brenner die Geschäfte. „Ich will schnell wieder ein vollzählige Verwaltungsspitze“, kündigt von Hohenzollern an.
Ein Referent kommt bald zurück
Führungskräfte, die das Leonberger Rathaus verlassen haben, will die Freidemokratin zurückgewinnen. Sie verweist auf Peter Herrle, der im Herbst das führungslose Ordnungsamt übernimmt. Der Referent des früheren Oberbürgermeisters Bernhard Schuler war nach dem Chefwechsel zur Stadt Nürtingen im Kreis Esslingen gegangen und kommt jetzt nach Leonberg zurück. Josefa von Hohenzollern erwartet, dass der vom Gemeinderat gewählte Heimkehrer insbesondere zu einer langfristigen Stabilisierung des Bürgeramtes beitragen wird.
Marktplatz: Neue Impulse solle es durch Wochenmarkt, Handel und Gastronomie geben. Foto: Granville
Kompromisslos zeigt sich die Kandidatin bei der Zukunft des Krankenhauses: „Gesundheit ist nicht verhandelbar.“ Das betreffe auch die Gynäkologie, die nach der Eröffnung der Böblinger Flugfeldklinik in Leonberg geschlossen werden soll. „Dass ausgerechnet die hebammengeführte Geburtenstation auf der Streichliste steht, kann mir keiner erklären“, sagt von Hohenzollern. „Ich habe die Zuwendung persönlich erlebt. Solch ein Alleinstellungsmerkmal gibt man nicht auf.“ Sollten die Gespräche mit dem Landkreis Böblingen nicht fruchten, schließt sie ein Ausscheiden aus dem Klinikverbund Südwest nicht aus: „Es gibt auch andere Träger.“
Die Gesundheitsfürsorge bezeichnet die Bewerberin als ihr „wichtigstes Thema“ und nennt in diesem Zusammenhang den Verbleib des Rettungshubschraubers Christoph 41 am Krankenhaus („Da ist die Messe noch nicht gelesen“) und das Anwerben mindestens eines Kinderarztes und weiterer Fachärzte: „Denen müssen wir den roten Teppich ausrollen. Andere Städte machen uns das vor.“
Für eine attraktive Innenstadt seien „viele Mosaiksteine“ nötig: In der Altstadt könne eine weitgehende Verkehrsberuhigung und ein Marktplatz mit Wochenmarkt, neuen Geschäften, Gastronomie und Events mehr Lebensqualität schaffen. Das kostenlose Parken würde sie auf eine Stunde verlängern.
Brückenschlag von Altstadt zum Leo-Center
Ein schneller Bau des Postareals steht für Josefa von Hohenzollern ganz oben auf der Prioritätenliste: „Damit gelingt uns endlich den Brückenschlag zwischen der Altstadt und dem Leo-Center.“ Die Kandidatin ist zuversichtlich, dass es dort mit den neuen Mietern – unter anderem die Drogeriekette Müller und das Modelabel New Yorker – wieder aufwärts geht: „Ich stehe im Austausch mit dem Centermanager Serge Micarelli. Er macht einen sehr guten Job.“
OB-Kandidaten-Talk
Wer und was? Wie muss das Rathaus künftig aufgestellt werden? Wie können das Krankenhaus und die medizinische Versorgung gesichert werden? Wie kann die zerrissene Innenstadt zusammengeführt werden? Darüber diskutieren die aussichtsreichen Kandidaten Marion Beck, Tobias Degode und Josefa von Hohenzollern beim Talk unserer Zeitung.
Wann und wo? Montag, 15. September, 19 Uhr, Stadthalle, Leonberg, Römerstraße 101. Der Eintritt ist kostenfrei.