KommentarOB-Wahl in Nürtingen Integrationsfigur gesucht

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In Nürtingen gibt es Gräben in der Bürgerschaft. Sie zuzuschütten, ist die Herausforderung für den Nachfolger von Otmar Heirich, der bei der Oberbürgermeisterwahl am 5. Mai nicht mehr antritt.

Die Kulturbürgermeisterin Claudia Grau gratuliert Otmar Heirich bei dessen Wiederwahl im Oktober 2011. Foto: Horst Rudel
Die Kulturbürgermeisterin Claudia Grau gratuliert Otmar Heirich bei dessen Wiederwahl im Oktober 2011. Foto: Horst Rudel

Nürtingen - Jetzt ist es also klar: Otmar Heirich wird sich im kommenden Jahr nicht erneut um das Amt des Oberbürgermeisters von Nürtingen bewerben. Es ist eine vernünftige Entscheidung, die für die Stadt mit neuen Perspektiven verbunden sein kann. Noch ist unklar, welche Frau oder welcher Mann auf Otmar Heirich folgt. Doch wer immer ihn beerbt, kommt an einer Aufgabe nicht vorbei: Die Nachfolgerin oder der Nachfolger muss sich darum bemühen, die Gräben zuzuschütten, die während der Ära Heirich in der Bürgerschaft entstanden sind..

Zwar wäre es verfehlt zu behaupten, in Nürtingen herrsche Stillstand. Eine lebendige Kulturszene und ein hohes Maß an bürgerschaftlichem Engagement sind Belege für eine funktionierende Stadtgesellschaft. Vorhaben wie das Entwicklungsgebiet Bahnstadt zeigen, dass es gemeinsame Zukunftsprojekte gibt, die für Zusammenhalt in der Hochschulstadt sorgen. Andererseits haben Konflikte in der Vergangenheit, etwa um den geplanten Wohnpark Wörth am Neckar, tiefe Spuren hinterlassen und zu einer Lagerbildung im Gemeinderat und in der Bürgerschaft geführt.

Streit ist ein Wesen der Politik und damit völlig normal. Doch wie Konflikte ausgetragen werden, ist entscheidend für das weitere Zusammenleben. Unversöhnlich ist in Nürtingen die Diskussion über die geplante und letztlich geplatzte Ansiedlung der Firma Hugo Boss im interkommunalen Gewerbegebiet Großer Forst geführt worden. Das von Heirich und von Boss eingefädelte Vorhaben hat das Stadtklima jahrelang belastet und Heirichs Ansehen in Nürtingen beschädigt. Seine holprige Wiederwahl vor sieben Jahren war die Quittung dafür.

Heirichs Politikstil für die Spannungen allein verantwortlich zu machen, ist verfehlt. Im Streit um die Boss-Ansiedlung ist auf beiden Seiten mit harten Bandagen gekämpft worden. Klar ist aber, dass Heirich in Nürtingen keine Integrationsfigur war und ist. Auf Kritiker zuzugehen und sie mitzunehmen, ist nicht seine Art. Ist er von einer Idee überzeugt, setzt der Machtmensch Heirich alles daran, sie zu verwirklichen. Häufig ist ihm dies jedoch misslungen. Seine an Sturheit grenzende Willensstärke, stand ihm dabei zu oft im Weg. Das jüngste Beispiel dafür ist das Tauziehen um ein geplantes Hotel am Neckar.




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