Der 41-jährige Jurist erreicht in Nürtingen mit rund 55 Prozent der Stimmen auf Anhieb die absolute Mehrheit und setzt sich damit klar gegen Matthias Ruckh durch. Der Bürgermeister von Wolfschlugen landet bei rund 40,2 Prozent.

Nürtingen - Großer Jubel auf der einen Seite, und ebenso große Enttäuschung auf der anderen am Sonntagabend im Nürtinger Rathaus: Johannes Fridrich ballt die Fäuste, nachdem alle Wahlbezirke ausgezählt sind und feststeht, dass er die Oberbürgermeisterwahl gewonnen hat. Rund 55 Prozent der Wählerinnen und Wähler haben dem 41-jährigen Richter und Pressesprecher am Landgericht Stuttgart ihre Stimme gegeben. Auf seinen härtesten Konkurrenten, den Wolfschlugener Bürgermeister Matthias Ruckh, entfallen rund 40,2 Prozent. Die weiteren Kandidaten Martin Böhm (3,4 Prozent) und Jochen Wahler (rund 1,1 Prozent) landen abgeschlagen auf den Plätzen drei und vier.

„Ich bin total geplättet von diesem Vertrauensvorschuss, ich hätte nie mit diesem Ergebnis gerechnet“, sagte der Wahlsieger direkt nach Bekanntwerden des Ergebnisses in der mit interessierten Bürgern voll besetzten Glashalle des Nürtinger Rathauses. Johannes Fridrich selbst hatte wenige Tage vor dem Wahlsonntag noch gemeint, dass er mit einer Stichwahl zwischen ihm und Matthias Ruckh in zwei Wochen rechne. Dazu kommt es nun aber nicht.

Er werde sich für Nürtingen zerreißen, kündigt Fridrich an.

Der künftige Nürtinger Oberbürgermeister dankte seiner Frau Astrid auf emotionale Weise für ihre Unterstützung während des Wahlkampfes und seinen Wählern für das Vertrauen. „Ich werde sicherlich auch Fehler machen, aber ich kann Ihnen versprechen, dass ich mich für Nürtingen zerreißen werde.“ Er werde hart dafür arbeiten, „dass es mit dieser wundervollen Stadt voran geht“, sagte der 41-Jährige und kündigte an, dass er für die Anliegen der Bürgerinnen und Bürger stets ein offenes Ohr haben werde. „Ich freue mich auf die Aufgabe, die vor mir liegt“, so der strahlende Wahlsieger.

Der noch amtierende Oberbürgermeister Otmar Heirich (SPD) gratulierte Johannes Fridrich ebenso wie die Bürgermeister mehrerer Nachbarkommunen. Der 67 Jahre alte Otmar Heirich, der nach zwei Amtsperioden aus Altersgründen nicht mehr zur Wahl angetreten war, dankte allen vier Bewerbern für ihr Engagement. „Es ist nicht selbstverständlich“, sich für eine solche Wahl bereit zu halten“, sagte der Nürtinger OB.

Tröstende Worte für den Zweitplatzierten Ruckh

Gleichzeitig sprach er Matthias Ruckh „Hochachtung auch für dieses Ergebnis“ aus. Zudem spendete Heirich seinem Amtskollegen aus Wolfschlugen Trost, den der 49 Jahre alte Diplom-Verwaltungswirt an diesem Abend nötig hatte. „Kopf hoch, das Leben geht weiter“, versuchte Heirich ihn aufzumuntern. Matthias Ruckh stand die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Der Kandidat, der ebenso wie Johannes Fridrich in Nürtingen wohnt und parteilos ist, hatte sich in seiner Heimatstadt weitaus mehr ausgerechnet. Mit rund 40,2 Prozent hat er sein Wahlziel indessen klar verfehlt.

Bei den Zahlen handelt es sich um das vorläufige amtliche Endergebnis. Rund 330 Wahlhelfer haben bei der Wahl mit angepackt. Von den 31 527 Wahlberechtigten sind 15 541 Bürgerinnen und Bürger zur Urne geschritten. Das entspricht einer Wahlbeteiligung von rund 49,3 Prozent. Die Amtszeit in Nürtingen endet für Otmar Heirich nach 16 Jahren an der Rathausspitze am 31. Juli.