OB-Wahl in Stuttgart Bewerbung als Provokation

Von Jörg Nauke 

Zwei Bewerber mit SPD-Parteibuch, das weiß man in Stuttgart seit der Wahl 1996, sind definitiv einer zuviel. Marian Schreier sehe das anders, sagt StZ-Autor Jörg Nauke.

Marian Schreier beim Landesparteitag der SPD. Ihm droht nun allerdings der Parteiausschluss, falls er tatsächlich bei der OB-Wahl antreten sollte. Foto: picture alliance / Christoph Sch/Christoph Schmidt
Marian Schreier beim Landesparteitag der SPD. Ihm droht nun allerdings der Parteiausschluss, falls er tatsächlich bei der OB-Wahl antreten sollte. Foto: picture alliance / Christoph Sch/Christoph Schmidt

Stuttgart - Marian Schreier will tatsächlich bei der OB-Wahl antreten, nun eben als parteiunabhängiger Kandidat. Sich um das zweitbedeutendste politische Amt im Land zu bewerben, nötigt erst einmal Respekt ab; zumal der logistische und finanzielle Aufwand für diesen höchstwahrscheinlich erfolglosen Soloritt um ein Vielfaches höher sein dürfte als jener in der 4500-Seelen Gemeinde Tengen, wo er 2015 mit einem sehr guten Ergebnis zum Bürgermeister gekürt wurde.

Schreier wird Körner einige Stimmen abnehmen

Es ändert aber nichts an der Tatsache, dass das SPD-Mitglied damit auch die ohnehin überschaubaren Siegchancen von Martin Körner schmälert, den die Stuttgarter Genossen ins Rennen schicken wollen. Es mag verletzter Stolz sein, in Stuttgart nicht als Heilsbringer empfangen worden zu sein oder überbordendes Selbstbewusstsein, das den Nachwuchspolitiker, immerhin Mitglied im Landesvorstand, zu diesem Alleingang bewegt hat. Der 29-jährige Sozialdemokrat legt es jedenfalls auf den Verlust seiner politischen Heimat an.

Landes-SPD unter Druck

Die Regeln sind eindeutig, er lässt der Landesspitze aber auch keine andere Wahl, als einen Parteiausschluss in die Wege zu leiten, will sie nicht einen Präzedenzfall für weitere Kandidaturen riskieren. Sie wäre zudem schlecht beraten, die Entscheidung auf den Beginn des Bewerbungsverfahrens im August zu vertagen. Seit dem Debakel bei der OB-Wahl 1996, als der etablierte Kandidat Rainer Brechtken in Joachim Becker plötzlich im zweiten Wahlgang Konkurrenz aus den eigenen Reihen bekam, weiß man: Zwei Bewerber mit SPD-Parteibuch im Wahlkampf sind definitiv einer zuviel.

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