OB-Wahl in Stuttgart CDU bootet ihre Lokalmatadore aus

Von Thomas Braun 

Die Stuttgarter CDU hat sich festgelegt: Ein Bewerber von außen mit OB-Erfahrung soll für die Partei den Chefsessel im Rathaus zurückerobern. Für drei Interessenten aus der Stuttgarter Kreispartei bedeutet dies faktisch das Aus für ihre Ambitionen.

Stuttgarts CDU-Kreischef Stefan Kaufmann muss wie zwei weitere Interessenten aus Stuttgart seine Ambitionen auf die OB-Kandidatur wohl begraben. Foto: dpa/Bernd Weissbrod 3 Bilder
Stuttgarts CDU-Kreischef Stefan Kaufmann muss wie zwei weitere Interessenten aus Stuttgart seine Ambitionen auf die OB-Kandidatur wohl begraben. Foto: dpa/Bernd Weissbrod

Stuttgart - Bei der Stuttgarter CDU lichtet sich das Kandidatenfeld für die OB-Wahl: Die Findungskommission der Partei hat sich einmütig darauf festgelegt, einen externen Bewerber mit Erfahrung als Bürgermeister ins Rennen zu schicken. Entsprechende Informationen unserer Zeitung wurden am Donnerstag aus Parteikreisen bestätigt. Damit dürften sich die Ambitionen der drei Lokalmatadore – Ratsfraktionschef Alexander Kotz sowie die beiden Bundestagsabgeordneten Stefan Kaufmann und Karin Maag – auf eine Kandidatur erledigt haben.

Eigentlich wollte die Findungskommission am Mittwoch zur nächsten Sitzung zusammenkommen. Doch dann traf sich das Gremium überraschend bereits am vergangenen Montag, um Nägel mit Köpfen zu machen und offenbar auch, um den Druck auf Kaufmann, Maag und Kotz zu erhöhen und sie zu einem Verzicht zu bewegen.

Fünf Oberbürgermeister aus dem Land in der engeren Wahl

Während Kotz sein Interesse an einer Kandidatur eher zurückhaltend bekundet hatte, ließ Kaufmann parteiintern keinen Zweifel daran, dass er willens und in der Lage wäre, den Chefsessel im Rathaus für die CDU zurückzuerobern. Als schließlich auch Karin Maag in einem Facebook-Video erstmals öffentlich hatte durchblicken lassen, sie habe Interesse an einer Kandidatur und halte sich für geeignet, sah sich die Findungskommission unter Leitung des stellvertretenden Kreisvorsitzenden Roland Schmid offenbar zum Handeln gezwungen. Das Risiko, externe und als besser geeignet empfundene Aspiranten noch länger hinzuhalten oder gar zu verprellen, erschien offenbar zu groß.

Wie berichtet hat die CDU bereits seit Wochen ein Auge auf mehrere Kandidaten geworfen, die als Rathauschefs in Baden-Württemberg entsprechende Erfahrungen gesammelt haben. Gehandelt wurden bisher Richard Arnold (Schwäbisch Gmünd), Frank Nopper (Backnang) sowie Julian Osswald (Freudenstadt) und Stephan Neher (Rottenburg). Neher hat bisher als Einziger auf Nachfrage zumindest Interesse an einer Bewerbung bekundet, alle anderen wollten sich zunächst nicht öffentlich äußern, solange die Frage einer Kandidatur der drei Stuttgarter Platzhirsche im Raum stand.

Zu dem Quartett hat sich nach Recherchen unserer Zeitung nun noch ein fünfter Interessent gesellt: Der Winnender Rathauschef Hartmut Holzwarth soll ebenfalls nicht abgeneigt sein, einem Ruf nach Stuttgart zu folgen. Der 50-Jährige leitet seit 2009 das Rathaus der Großen Kreisstadt und wurde 2018 im Amt bestätigt. In den 1990er Jahren war er im Wissenschaftsministerium in Stuttgart tätig. Insbesondere für den Kreisvorsitzenden Kaufmann dürfte der Beschluss der Findungskommission ein herber Schlag sein. Der 50-Jährige sitzt seit 2009 für die CDU im Deutschen Bundestag und hat zweimal das Direktmandat im Stuttgarter Wahlkreis I gegen den grünen Konkurrenten Cem Özdemir geholt. Zudem ist er seit 2011 Chef der Kreis-CDU. Allerdings kreiden ihm viele in der Stuttgarter Union immer noch die missglückte Kandidatenauswahl bei der Stuttgarter OB-Wahl 2012 an: Damals hatte Kaufmann gegen erhebliche Widerstände in der Union weitgehend im Alleingang den parteiunabhängigen Werbeprofi und heutigen Medienunternehmer Sebastian Turner auf den Schild gehoben, der die Wahl dann gegen Fritz Kuhn verlor. Zudem fehle es ihm wie auch den beiden anderen Interessenten Maag und Kotz an „politischer Strahlkraft“, heißt es in der Partei. Entsprechendes Charisma sei aber eine Voraussetzung, um bei der Wahl im November eine echte Siegchance zu haben.

Richard Arnold (Schwäbisch Gmünd) und Frank Nopper (Backnang) favorisiert

Innerhalb der Union gelten nun Arnold und Nopper als Favoriten für den Job des Stuttgarter OB-Kandidaten. Dabei scheint der 61-jährige, als liberal geltende Gmünder die Nase vorn zu haben. Christdemokraten erinnern in diesen Tagen gern daran, dass es schon einmal ein Gmünder in die Chefetage des Stuttgarter Rathauses geschafft habe: Wolfgang Schuster. Aber auch Noppers Bilanz als OB von Backnang wird gelobt – auch wenn böse Zungen lästern, ein Nopper im Rathaus sei genug. Gemeint ist Bruder Klaus, der der CDU-Fraktion angehört und für seine stramm konservativen Ansichten bekannt ist.

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