OB-Wahl in Stuttgart Das OB-Bewerberfeld lichtet sich

Von Thomas Braun 

Nach Bettina Wilhelm haben auch Hannes Rockenbauch und Harald Hermann das Handtuch geworfen. Anders als die Stuttgarter SPD wollte Rockenbauch aber keine Wahlempfehlung für Fritz Kuhn aussprechen.

Hannes Rockenbauch will weitermachen – als Mitglied des Gemeinderat. Foto: Steinert
Hannes Rockenbauch will weitermachen – als Mitglied des Gemeinderat. Foto: Steinert

Stuttgart - Der Kandidat des parteifreien Bündnisses Stuttgart Ökologisch Sozial (SÖS), der 32-jährige Stadtrat Hannes Rockenbauch, zieht seine Bewerbung für den zweiten Wahlgang zurück. Rockenbauch, der bei der OB-Wahl am 7. Oktober 10,4 Prozent der Wählerstimmen hinter sich bringen konnte, erklärte am Mittwoch zur Begründung, er habe kein Ergebnis erzielt, „mit dem ich der nächste Stuttgarter Oberbürgermeister werden könnte“. Am Vortag hatten sich bei einem Treffen seiner Unterstützer und Wahlhelfer die überwältigende Mehrheit der Teilnehmer für einen Rückzug ausgesprochen.

Anders als die Stuttgarter SPD wollte Rockenbauch allerdings keine Wahlempfehlung für den Grünen-Bewerber Fritz Kuhn aussprechen. „Meine Wähler sind erwachsen und entscheiden selbst, wem sie am 21. Oktober ihre Stimme geben“, so Rockenbauch. Befürchtungen, ein Großteil der mehr als 20.000 Bürger, die ihm im ersten Wahlgang ihre Stimme gegeben hatten, werde ins Lager der Nichtwähler abwandern, bezeichnete er als „Spekulation“. Zugleich rief er seine Wähler auf, in zwölf Tagen von ihrem Wahlrecht Gebrauch zu machen: „Wählen gehen ist wichtig und richtig.“

Rockenbauch mit dem Wahlkampf zufrieden

Den Wahlkampf bezeichnete der 32-Jährige als einen „politischen Höhepunkt“ in seiner bisherigen politischen Laufbahn, die er in den frühen 90er Jahren als Jugendstadtrat begonnen hatte. Er habe mit seinen programmatischen Inhalten durchaus überzeugen können – mitunter sogar die Konkurrenz: „Manche Kandidaten mussten dem Rockenbauch im Wahlkampf ja manchmal Recht geben.“

Viele Menschen aus unterschiedlichen politischen Lagern hätten sich in den zurückliegenden Wochen für ihn engagiert. „20 000 Leute haben am 7. Oktober für einen grundsätzlichen Politikwechsel im Rathaus gestimmt“, bilanzierte Rockenbauch. Es gelte nun, diesen Schwung für die weitere kommunalpolitische Arbeit mitzunehmen. Wichtig bleibe eine an Inhalten orientierte Kommunalpolitik – „egal, wer Oberbürgermeister ist.“ Nicht die Frage der Köpfe an der Spitze sei entscheidend, sondern die politischen Inhalte.

Vorfreude auf die Kommunalwahl

Rockenbauch will deswegen auch „weitermachen“ – so der Titel seiner Pressemitteilung, die am Mittwochvormittag in den Redaktionsstuben landete. Statt Oberbürgermeister werden zu wollen, will sich Rockenbauch künftig wieder auf seine Funktion als Stadtrat im Gemeinderat und auf seine Rolle als Chefkritiker des umstrittenen Tiefbahnhof-Neubaus konzentrieren. Er freue sich schon auf die nächste Kommunalwahl im Jahr 2014, und es bleibe wichtig, dass sich die Bürger selbst um ihre Belange kümmerten.

Enttäuscht zeigte sich Rockenbauch über die Wahlbeteiligung von 46,7 Prozent im ersten Durchgang: „Das ist eine Katastrophe und zeigt die Defizite des etablierten Politikbetriebs.“ Nach eigenen Angaben hat Rockenbauch Spenden in Höhe von rund 69 000 Euro für seinen Wahlkampf erhalten, die auch ausgegeben worden seien. Sein SÖS-Bündnis habe 2500 Euro beigesteuert, der Rest sei von Privatpersonen aufgebracht worden.

Bei den Grünen hielt sich die Überraschung über den Rückzug Rockenbauchs aus dem Rennen um den OB-Sessel in Grenzen. Der Kreisvorsitzende der Ökopartei, Philipp Franke, erklärte auf Anfrage: „Die bisherigen Wähler von Hannes Rockenbauch, der einen sehr guten Wahlkampf geführt hat, haben nun die Wahl zwischen Sebastian Turner und Fritz Kuhn. Ich gehe davon aus, dass ihnen Stuttgart nicht egal ist und sie daher wissen, wen sie am 21. Oktober wählen.“

Auch Harald Hermann zieht zurück

Neben Rockenbauch ist gestern auch noch ein weiterer Bewerber abgesprungen. Harald Hermann, der Kandidat der Piratenpartei, wirft nach 0,5 Prozent im ersten Wahlgang das Handtuch. Seine Analyse: Das Ergebnis von 0,5 Prozent der Stimmen im ersten Wahlgang sei zwar enttäuschend, aber angesichts der begrenzten personellen und finanziellen Ressourcen der Piratenpartei und der Zuspitzung auf einen Zweikampf zwischen Fritz Kuhn und Sebastian Turner nicht überraschend. „Wunder waren von Anfang an nicht zu erwarten, aber es war für mich eine der interessantesten Erfahrungen meines Lebens. Ich bedaure, dass ich kein besseres Ergebnis erzielen konnte, aber dafür, dass es unsere ersten Schritte in der Stuttgarter Kommunalpolitik waren, ist es uns schon erstaunlich gut gelungen, unsere Themen in den Wahlkampf einzubringen“, sagte Hermann. Eine Wahlempfehlung wollte auch er nicht abgeben. Stattdessen wollen die Piraten nun für ihre Mitglieder einen Kandidatencheck erstellen, der eine Übersicht über die programmatische Übereinstimmung der Kandidaten mit den Zielen der neuen Partei bieten soll.

Wie berichtet, hatte bereits am vergangenen Montag die von der SPD unterstützte Kandidatin Bettina Wilhelm ihren Rückzug erklärt. Sie hatte mit 15,1 Prozent das schlechteste Ergebnis für die SPD bei den vergangenen drei OB-Wahlen eingefahren.