Stuttgart - Es ist zwar eine Floskel, aber an diesem Abend trifft sie zu: Gesichter sagen mehr als tausend Worte. So ist es auch im Wahlstudio von Stuggi.TV in den Design Offices in den Eberhardhöfen, wo sich am Wahlabend die ersten Fünf coronabedingt nacheinander und mit Abstand bei den Moderatoren David Rau und unserem Redakteur Tom Hörner einfinden.
Nopper „mit Demut und ohne Übermut“
Wahlspitzenreiter Frank Nopper („Ich bin hochzufrieden und sehr glücklich“) kommt als Letzter, strahlt aber, als ob er der Leuchtkraft der Studioscheinwerfer Konkurrenz machen wollte. „Voller Kraft und Zuversicht, mit Demut und ohne Übermut“ werde er nun in den zweiten Wahlgang am 29. November gehen, sagt er und will weiter auf die Karte „gestandener Oberbürgermeister“ setzen. Wohl deshalb korrigiert er auch Moderator Rau, er sei nicht achtzehn, sondern achtzehneinhalb Jahre Rathauschef in Backnang.
Kienzle und der Abstand
Nein, schockiert sei sie nicht, sagt Veronika Kienzle, „ich freue mich über das gute Ergebnis“. Doch die Enttäuschung ist ihr anzusehen. Die große Differenz zu Nopper spricht sie gar nicht erst an, sie redet lieber vom „soliden Abstand“ zu den anderen Kandidaten und der „stabilen ökosozialen Mehrheit“, die das Wahlergebnis zeige. Ganz anders ist die Stimmungslage bei den Dritt- und Viertplatzierten, die breit lächelnd in die Kamera blicken. Marian Schreier findet sein Stimmergebnis für einen unabhängigen Kandidaten in einer Großstadt „sensationell“, Hannes Rockenbauch „freut sich riesig“ über den Zuspruch für sein sozial-ökologisches Programm. Einsilbig werden beide bei der Frage, ob sie im OB-Wahlrennen bleiben. Das müsse zunächst beraten werden, in den nächsten Tage falle eine Entscheidung. „Jetzt wird zunächst gefeiert“, sagen sie.
Körner: Gut gemacht, Marian
Danach ist Martin Körner nicht zumute. Der SPD-Kandidat macht aber eine klare Ansage: Als Fünftplatzierter werde er nicht zum zweiten Wahlgang antreten. „Das hätte ich nur gemacht, wenn ich eine Chance auf den Sieg gehabt hätte“, sagt er. Und dann kommt der vielleicht emotionalste Moment des Wahlabends: „Gut gemacht, Marian“, sagt Genosse Körner zu Genosse Schreier.