OB-Wahl in Stuttgart FDP will eigenen Bewerber nominieren

Von Thomas Braun 

Die FDP ist offenbar wild entschlossen, mit einem eigenen Bewerber bei der Stuttgarter OB-Wahl anzutreten. Auf der Suche nach einem Kandidaten haben sich die Liberalen allerdings bereits erste Absagen eingehandelt.

Die Bundestagsabgeordnete Judith Skudelny hat der FDP abgesagt: Sie steht nicht als OB-Kandidatin zur Verfügung. Foto: dpa/Christoph Schmidt
Die Bundestagsabgeordnete Judith Skudelny hat der FDP abgesagt: Sie steht nicht als OB-Kandidatin zur Verfügung. Foto: dpa/Christoph Schmidt

Stuttgart - Bei der FDP verdichten sich die Anzeichen, dass die Partei mit einem eigenen Bewerber in die OB-Wahl im November zieht. Aus Parteikreisen hieß es, man führe Gespräche mit „interessanten Kandidaten“. Nach Informationen unserer Zeitung hat sich die FDP allerdings bereits erste Absagen eingehandelt: Die Bundestagabgeordnete und Generalsekretärin der Landespartei, Judith Skudelny, hat ebenso abgewinkt wie die ebenfalls gehandelte Stadträtin Sibel Yüksel. Im Gespräch soll unter anderem auch die stellvertretende Landesvorsitzende Gabriele Heise sein, es gebe auch auch noch weitere Aspiranten. Gesucht werde sowohl auf Bundes- wie auch auf Landesebene, hieß es.

Eine parteiinterne Findungskommission, der neben dem Kreisvorsitzenden und Stadtrat Armin Serwani der Chef der Ratsfraktion, Matthias Oechsner, Yüksel sowie die Schulbürgermeisterin Isabel Fezer und die Landtagsabgeordnete Gabriele Reich-Gutjahr angehören, will dem Vernehmen nach bis Anfang März das Bewerbertableau sortieren.

Liberaler Kandidat wäre ein Dämpfer für den SPD-Bewerber Martin Körner

Offenbar drängt insbesondere die Landtagsabgeordnete Reich-Gutjahr darauf, die FDP müsse ein Jahr vor der Landtagswahl auch bei den OB-Wahlen Präsenz zeigen. Die Abgeordnete erhoffe sich davon auch Rückenwind für die Landes-FDP und nicht zuletzt für sich selbst: Dem Vernehmen nach will sich Reich-Gutjahr erneut um ein Landtagsmandat bewerben.

Die FDP hatte bei der OB-Wahl 1996 letztmals eine eigene Kandidatin aufgeboten: Die spätere Landesjustizministerin Corinna Werwigk-Hertneck erzielte seinerzeit im ersten Wahlgang spärliche fünf Prozent. Bei der Wahl 2012 hatte sich die FDP für den von der CDU nominierten parteilosen Werbeprofi Sebastian Turner ausgesprochen, der die Wahl dann gegen den heutigen OB Fritz Kuhn (Grüne) verlor.

Seit der Kommunalwahl im vergangenen Jahr sehen sich die Liberalen im Aufwind: 2019 erzielte die Partei in Stuttgart knapp acht Prozent der Stimmen stellt seither fünf Stadträte im Stuttgarter Rathaus.

Insbesondere für den SPD-OB-Kandidaten Martin Körner bedeuten die Ambitionen der Liberalen auf einen eigenen Bewerber einen Dämpfer: Körner hatte angekündigt, ein breites überparteiliches Bündnis schmieden sich im Wahlkampf auch um Stimmen der FDP-Wähler bemühen zu wollen. Mit Marian Schreier, dem Tengener Schultes mit SPD-Parteibuch, ist Körner bereist ein Konkurrent erwachsen, der ebenfalls auf einen überparteilichen Wahlkampf setzt.

Sonderthemen