OB-Wahl in Stuttgart Frank Nopper neuer OB von Stuttgart

Der strahlende Wahlsieger Frank Nopper will „ein OB für alle sein“. Sein Erfolg sei für Stuttgart ein Zeichen des Aufbruchs. Foto: dpa/Marijan Murat
Der strahlende Wahlsieger Frank Nopper will „ein OB für alle sein“. Sein Erfolg sei für Stuttgart ein Zeichen des Aufbruchs. Foto: dpa/Marijan Murat

Der CDU-Bewerber setzt sich bei der Neuwahl gegen seine überparteilichen Mitbewerber Marian Schreier und Hannes Rockenbauch durch. Für das Backnanger Stadtoberhaupt geht „ein Kindheitstraum“ in Erfüllung. Im öko-sozialen Lager droht eine Machtprobe.

Stuttgart - Frank Nopper (CDU) heißt der neue Oberbürgermeister der Landeshauptstadt Stuttgart. Das 59-jährige Stadtoberhaupt von Backnang erreichte bei der Neuwahl am Sonntagabend 42,3 Prozent. Er holte 83 812 Stimmen. Sein Kontrahent, der überparteilich angetretene, aber der SPD angehörende Marian Schreier (30) kam auf 36,9 Prozent vor Hans Rockenbauch, Kandidat (40) des Bürgerbündnisses SÖS, der 17,8 Prozent erreichte. Während Schreier in sämtlichen Innenstadtbezirken vorne lag, sicherte sich Nopper die äußeren Stadtteile teils mit absoluter Mehrheit. OB Fritz Kuhn (Grüne) beglückwünschte seinen Nachfolger und bot ihm „eine perfekte Amtsübergabe“ an.

„Für mich ist ein Jugendtraum in Erfüllung gegangen“, so Nopper. Er wolle ein OB für alle sein. „Die Stunde der Freude ist für mich auch eine Stunde des Aufbruchs in ein Stuttgart, das nicht länger unter seinen Möglichkeiten bleibt.“ Er wolle die Stadt über alle Partei-und Fraktionsgrenzen hinweg nach vorne bringen.

„Mehr als 70 000 Wähler haben auf ein Angebot jenseits der etablierten Strukturen gesetzt“, sagte Marian Schreier, der einer Kandidatur für den Landtag 2021 eine Absage erteilte. Frank Nopper attestierte er, für die Kommunalpolitik „zu brennen“. Hannes Rockenbauch sagte, seine 17,8 Prozent verstehe er als Auftrag, seine Ideen als „Oppositionsführer“ voranzubringen. An die SPD richtete er die Forderung, zu entscheiden, ob sie überhaupt noch zum öko-sozialen Bündnis gehören wolle, das im Rathaus über eine Mehrheit verfügt. Frank Brettschneider, Kommunikationswissenschaftler an der Uni Hohenheim sagte: „Nopper muss sich im Gemeinderat warm anziehen, weil er keine Mehrheit hat.“

Die Zahl der Briefwähler ist gesunken

Rund 446 000 wahlberechtigte Stuttgarter waren aufgerufen, über die Nachfolge von OB Kuhn zu entscheiden, der vor acht Jahren mit 52,9 Prozent gewonnen hatte. Die Wahl fand unter Pandemiebedingungen statt. Die Präsentation des Ergebnisses sowie die Vorstellung des neuen OB mussten ins Internet verlegt werden. Die Wahlbeteiligung lag bei 44,7 Prozent und damit um 4,3 Prozentpunkte niedriger als vor drei Wochen. Die Zahl der Briefwähler sank von 113 000 auf 102 000. Bei der Wahl vor acht Jahren war der Anteil der per Brief abgegebenen Stimmen nur halb so groß.

Im zweiten Wahlgang genügte die einfache Stimmenmehrheit, um den Chefposten im Rathaus zu ergattern. Neben Frank Nopper, Marian Schreier und Hannes Rockenbauch waren fünf weitere Männer und eine Frau im Rennen. Sie spielten für den Ausgang keine Rolle. Die Neuwahl war nötig geworden, weil im ersten Wahlgang keiner der damals 14 Kandidaten die absolute Mehrheit erreichte. Nopper hatte mit 31,8 Prozent die Nase vorn; Die Grünen-Kandidatin Veronika Kienzle (57) kam auf 17,2 Prozent und zog danach ihre Bewerbung ebenso zurück wie Martin Körner (SPD/50), der lediglich auf 9,8 Prozent gekommen war. Marian Schreier holte 15 Prozent, Hannes Rockenbauch 14 Prozent, was sie zum Weitermachen animierte.

Die Grünen haben ihre Favoritenrolle eingebüßt

Die Grünen hatten als stärkste politische Kraft ihre Favoritenrolle durch eine missglückte Personalauswahl eingebüßt. Die Bezirksvorsteherin von Stuttgart-Mitte, Veronika Kienzle, konnte nicht genügend Wähler überzeugen. Wann der Rathauschef sein Amt antritt, ist unklar. Sollten wie erwartet Einwände erhoben werden, könnte sich der Termin für die Einsetzung um vier Wochen verschieben. Bei Klagen könnte das Urteil ein Jahr und mehr auf sich warten lassen. Nopper würde dem Gemeinderat dann nur als Amtsverweser ohne Stimmrecht vorstehen.




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