Stuttgart - Welch ein Stolz! Genüsslich hob Mark Breitenbücher hervor, dass die Grünen auf die Minute genau sechs Wochen nach dem Rückzug von Fritz Kuhn eine Kandidatin für den OB-Sessel ausriefen. Wie angekündigt. So endet es wohl, wenn ein Programmierer Parteichef ist – der aber gerade durch die überraschende Absage des Amtsinhabers düpiert wurde. Dennoch ist es zweifelhaft, dass alles so klar auf Veronika Kienzle rauslief, wie es dargestellt wird.
Aber Schwamm drüber. Kienzle wird OB-Kandidatin, wenn die Basis erwartungsgemäß mitzieht. Das letztlich einstimmige Votum der Findungskommission gibt ihr Rückenwind im Wahlkampf. Die Grünen wollen nicht nur erstmals eine Frau auf den Rathaus-Chefsessel bringen, sie machen auch ein Angebot für eine empathische, noch grünere und bürgernähere Verwaltungsspitze; ein Angebot für die grüne Hochburg Stuttgart und jene, die bei Grünen nicht gleich rot sehen.
Dieses Personalangebot wirkt versöhnlich. Gleichwohl gibt es im Wahlkampf nun zwei Pole. Hier Veronika Kienzle, dort Frank Nopper, mit dem man eher die traditionelle CDU verbindet als Verkehrswende und Klimaschutz. Dazwischen mit Martin Körner und Marian Schreier zwei Parteimitglieder der SPD, die (auch in Stuttgart) kleine Brötchen bäckt. Deren Chance liegt darin, dass sie nicht einfach als Autogegner oder -freund abzustempeln sind und die OB-Wahl eine Persönlichkeitswahl ist. Das macht es spannend, obwohl große Namen Mangelware sind.