OB-Wahl in Stuttgart Loewe will mehr Transparenz und Kontrolle

Von Ralf Recklies 

Der parteilose Jens Loewe will OB von Stuttgart werden. Verwaltungserfahrung hat er zwar nicht, sieht das aber sogar als Vorteil an. Der gebürtige Bochumer will einen grundlegenden Kurswechsel im Stuttgarter Rathaus.

Der parteiunabhängige Kandidat Jens Loewe gibt sich selbstbewusst. Foto: Steinert
Der parteiunabhängige Kandidat Jens Loewe gibt sich selbstbewusst. Foto: Steinert

Stuttgart - Der parteilose Jens Loewe will OB von Stuttgart werden und ist überzeugt davon, dass es kein Nachteil, sondern sogar ein Vorteil ist, „dass ich keine Verwaltungserfahrung habe“. Im Kulturwerk hat der 1958 in Bochum Geborene betont, dass es bei der Weiterentwicklung der Landeshauptstadt um „grundsätzliche Anschauungen und Leitlinien geht“ und darum, „was für eine Atmosphäre in der Stadt entsteht und wo das Schiff künftig hinfahren soll“. Loewe: „Sollte der Dampfer Stuttgart auf dem bisherigen Kurs bleiben, dann ist sicher Herr Turner der Richtige. Ein Kandidat wie ich ist nur interessant, wenn die Bürgerschaft einen anderen Kurs will.“ Die OB-Wahl am 7. Oktober werde zu einer Richtungsentscheidung.

Jens Loewes Richtung ist klar. Er will mehr Bürgerbeteiligung, macht sich gegen Stuttgart 21 stark und will den seitherigen Kurs der Landeshauptstadt korrigieren. Er will die Energieversorgung über die Stadtwerke in Bürgerhände legen und den „ÖPNV zum Niedrig- oder Nulltarif“ realisieren. Die Kosten der Umweltzerstörung durch den Individualverkehr seien in der Gesamtbilanz so hoch, dass die Kosten für den öffentlichen Personennahverkehr locker geschultert werden könnten, wenn man präventiv agiere. „Das Problem der Feinstaubbelastung ist so massiv, dass wir gar keine andere Chance mehr haben“, so Loewe. Er will ganze Quartiere so umstrukturieren „dass es dort weniger Fahrleistung gibt“. Einrichtungen des täglichen Lebens müssten für die Bürger fußläufig erreichbar werden.

Dass sich die Kommunalpolitik bisher gerne in der Opferrolle präsentiere und beispielsweise beim Verkauf der LBBW-Immobilien ihren Kontrollverpflichtungen nicht nachgekommen sei, steht für den Wahlschwaben außer Frage. Das müsse sich ändern. Auch versteht er die Diskussion über die Finanzierbarkeit von Kindertageseinrichtungen nicht. „Wir sind eine wohlhabende Stadt und in der Lage, das zu zahlen“, sagt Loewe. Sein Ziel: Kindergartenplätze für alle Kinder. Zudem will der Bewerber Angebote des zweiten Arbeitsmarktes erhalten und ausbauen: „Das ist keine Konkurrenz für den ersten Arbeitsmarkt.“ An Selbstbewusstsein mangelt es Loewe nicht: Er ist überzeugt, dass seine Kandidatur „einigen in der Kommunalpolitik schlaflose Nächte bereitet“.