Nun schafft es also der langjährige Oberbürgermeister von Backnang und gebürtige Stuttgarter Frank Nopper (59), zumindest im ersten Wahlgang in allen Bezirken vorne zu liegen. Sein bestes Resultat erzielt er, der im zu Möhringen zählenden Sonnenberg aufgewachsen ist, nicht etwa auf den Fildern, sondern in Mühlhausen, wo er mehr als 3000 Stimmen bekommt, was einem Anteil von 41,7 Prozent im Wahlbezirk entspricht. Am schlechtesten schneidet er mit 22,3 Prozent im Westen ab – was aber immer noch das beste Resultat aller Kandidaten dort ist.
Grünen-Kandidatin holt ihr bestes Ergebnis in der City
Die Grünen-Bewerberin Veronika Kienzle, die im Bezirk Mitte wohnt und hier als ehrenamtliche Bezirksvorsteherin ziemlich bekannt ist, schafft es nur in der Innenstadt über die 20-Prozent-Marke: Mit 20,5 Prozent in Mitte, 20,3 Prozent im Süden und 20,2 Prozent im Westen. Schon im City-Bezirk Nord aber fällt sie mit 17,8 Prozent deutlich ab. Das schlechteste Ergebnis der 58-Jährigen: 12 Prozent in Münster und in Mühlhausen im geografischen Norden der Landeshauptstadt. In 18 von 23 Bezirken holt sie das zweitbeste Ergebnis.
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Dass es nicht mehr sind, liegt am Drittplatzierten des Gesamtrankings. Der erst 30 Jahre alte Bürgermeister von Tengen im Kreis Konstanz, Marian Schreier, holt seine besten Ergebnisse in den Innenstadtbezirken ab, voran mit 19,8 Prozent im Westen. Doch viermal holt er sich auch den Silberrang hinter dem Gewinner des Abends: mit 18,2 Prozent im Norden, mit 13,5 Prozent in Untertürkheim, mit 13 Prozent in Wangen und mit 12,1 Prozent in Münster.
Hannes Rockenbauch punktet als Lokalmatador
Immerhin einmal Zweiter wird Hannes Rockenbauch als Lokalmatador im Osten. Am Stöckach ist der 40-jährige Fraktionschef von SÖS-Linke/plus aufgewachsen und im Bezirk wohnt er auch heute: So lässt er mit 19,4 Prozent Veronika Kienzle (16,4) hinter sich, reicht aber nicht an den CDU-Kandidaten Nopper (25,7) heran. Genauso gut ist Rockenbauch in Mitte, sogar noch ein bisschen besser im Westen: hier holt er 19,6 Prozent der Stimmen. In Mühlhausen allerdings bringt er es auf 8,3 Prozent – sein persönlicher Tiefpunkt in der Auszählung.
In diesen Regionen findet sich der Fraktionschef der SPD im Gemeinderat, Martin Körner (50), regelmäßig wieder. Körner holt sein bestes Ergebnis mit 14,2 Prozent im Osten, wo auch er zu Hause ist.
12,5 Prozent in Stammheim oder 12,3 in Wangen lesen sich ebenfalls passabel. Dagegen stehen aber Ergebnisse wie 7,7 Prozent in Birkach oder 8,1, 8,3 und 8,4 Prozent in Mitte, West und Nord. Vor Schreier, der ebenfalls SPD-Mitglied ist, liegt Körner nur im Osten und mit 12,5 Prozent in Stammheim.
Keine Überraschungen bei den Außenseitern
Sebastian Reutter, der einen aufwendigen Wahlkampf mit vielen Plakaten im gesamten Stadtgebiet betrieben hat und mit 4,4 Prozent der Stimmen Sechster im Gesamtergebnis der OB-Wahl am Sonntag wird, erringt zweimal eine fünf vor dem Komma: mit 5,5 Prozent in Wangen und mit genau 5 Prozent in Stammheim.
Dass eine Oberbürgermeisterwahl immer auch eine Persönlichkeitswahl ist, bei der die Partei nicht zwangsläufig im Vordergrund steht, zeigt sich beim Kandidaten der AfD. Holte die AfD bei der Bundestagswahl vor drei Jahren 8,8 Prozent in Stuttgart, so kam Malte Kaufmann nun auf 2,2 Prozent. Der Immobilienunternehmer aus dem Rhein-Neckar-Kreis holt sein bestes Ergebnis mit 4,3 Prozent in Mühlhausen. Hinter dem „Querdenken 711“-Organisator Michael Ballweg, der hier 4,7 Prozent schafft.