OB-Wahl in Stuttgart Sonderbare Wanderungsbewegung für die Stimmabgabe

Von Armin Friedl 

Klingt wie ein Versehen, ist es aber nicht: Am 8. November, dem Tag der Stuttgarter OB-Wahl, werden Wähler aus Stuttgart-Birkach und Stuttgart-Schönberg an ungewöhnliche Orte zur Stimmabgabe geschickt.

Am 8. November wird die oder der neue Stuttgarter OB gewählt. Foto: Lg/Max Kovalenko
Am 8. November wird die oder der neue Stuttgarter OB gewählt. Foto: Lg/Max Kovalenko

Stuttgart - Auf den ersten Blick sieht es aus wie ein Fehler. Doch das ist es nicht. Am Sonntag, 8. November, dem Tag der Stuttgarter OB-Wahl, müssen alle Schönberger Wahlberechtigten nach Birkach und etliche Birkacher Wahlberechtigte nach Schönberg tingeln, wenn sie ihre Stimmen in den ihnen zugewiesenen Wahllokal abgeben wollen. In konkreten Zahlen: 936 Wahlberechtigte begeben sich dann von Birkach aus auf Wanderschaft nach Schönberg zum Wahllokal bei der Himmelfahrtskirche, und 757 Schönberger müssen in die Gegenrichtung nach Birkach zur Grundschule pilgern.

Weniger Wahlbezirke als bisher

„Das ist nicht glücklich gelaufen“, gibt Fabian Schütt vom Statistischen Amt der Stadt Stuttgart zu. Der Grund liegt in der Neuzuteilung der Wahlbezirke, die insgesamt im Stadtgebiet von 350 auf 261 reduziert wurden. Das hat mit Corona zu tun, denn die Wahlexperten der Stadt gehen davon aus, dass es jetzt wesentlich mehr Briefwähler geben wird als bei früheren Wahlen. Deshalb wird auch die Auswertung der Briefwahl erstmals dezentral organisiert. Und in den Planspielen, wer künftig wohin laufen muss und gegebenenfalls längere Wege in Kauf nehmen muss, sind die Bewohner der Wahlbezirke 007-01 und 007-04 nun die besonders Leidtragenden.

Eine Viertelstunde mehr plus Steigung

Veit Mathauer vom Bürgerverein Schönberg hat schon einmal überschlagen, was auf die Betroffenen zukommt: „Eine gute Viertelstunde ist das schon, vor allem für die, die am Rand unseres Stadtteils leben.“ Und: „Auf dem Rückweg müssen die auch noch eine Steigung hinnehmen.“ Und dabei steht für Mathauer eigentlich fest: „Als Schönberger laufe ich lieber durchs Ramsbachtal als nach Birkach.“ Wohin die Birkacher lieber laufen würden als nach Schönberg, das konnte bis Redaktionsschluss leider nicht in Erfahrung gebracht werden.

Beim Statistischen Amt streut man sich Asche aufs Haupt: „Wir sind bestrebt, diesen unbefriedigenden Zustand bis zur Landtagswahl im März behoben zu haben“, heißt es von dort in einer Mitteilung. Das heißt freilich im Umkehrschluss, dass es für die anstehende OB-Wahl bei der Wanderungslösung bleibt, auch bei einem möglichen zweiten Wahlgang am 29. November, wenn keiner der Kandidaten am 8. November die absolute Mehrheit errungen haben sollte. Dafür hat das Statistische Amt inzwischen noch etwas genauer prognostiziert, wie viele Wähler ihre Wanderstiefel schnüren werden in Birkach und Schönberg. Und da sind es Stand 28. Oktober, 12 Uhr, 296 Schönberger und 303 Birkacher. Da sind jene rausgerechnet, die bereits Briefwahl beantragt haben. Und es wird dieselbe Wahlbeteiligung unterstellt wie bei der letzten OB-Wahl im Jahr 2012.

Briefwahl ist immer noch möglich

Wer in der aktuell unsicheren Corona-Lage auf Nummer sicher gehen will, kann sich immer noch für eine Briefwahl entscheiden. Bis zum 6. November um 18 Uhr kann diese beantragt werden, und zwar per Post oder im Wahlbüro, bis zum 5. November um 11 Uhr geht das auch online. Die Wahlbriefe müssen aber spätestens am Wahlsonntag um 18 Uhr beim Statistischen Amt an der Eberhardstraße 37 in 70173 Stuttgart (Postfach 70108) angekommen sein. Die Beförderungszeiten der Post muss dabei jeder selbst einschätzen.

Mit den Briefwahl-Unterlagen in der Hand kann aber auch jeder in das Wahllokal seiner Wahl gehen und seine Stimme dort abgeben. Die zusätzliche Lauferei würde dann entfallen.




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