OB-Wahl in Stuttgart Wilhelm: Ich weiß jetzt, wo der Schuh drückt

Von Jörg Nauke 

Die von der SPD nominierte OB-Kandidatin Bettina Wilhelm hat im Gemeindezentrum Botnang ihr Programm vorgestellt. Bei Stuttgart 21 stimme das Kosten-Nutzen-Verhältnis nicht, sagt sie – und will dennoch „den Auftrag erfüllen, Stuttgart 21 zu bauen“.

Bettina Wilhelm bewirbt sich um das Amt des Oberbürgermeisters in Stuttgart. Foto: Steinert 15 Bilder
Bettina Wilhelm bewirbt sich um das Amt des Oberbürgermeisters in Stuttgart. Foto: Steinert

Stuttgart - Die von der SPD für den OB-Wahlkampf nominierte Kandidatin Bettina Wilhelm hat am Dienstag im voll besetzten Gemeindezentrum Botnang ihr Programm vorgestellt. Am 5. September wiederholt sie den Vortrag in der Weinmanufaktur in Untertürkheim und am 10. September im Theater Friedenau.

„Ich habe mich in den vergangenen Wochen und Monaten mit vielen Menschen unterhalten und dabei vor allem zugehört“, sagte Bettina Wilhelm. Dabei habe sie erfahren, „wo der Schuh drückt und welche Themen den Stuttgartern auf den Nägel brennen“. Die Bürger fühlten sich „nicht ernst genommen, nicht mitgenommen und nicht informiert“. Sie wolle den Stuttgartern „die Stadt zurück geben“. Wilhelm sagte, sie bringe für die Tätigkeit als OB zwölf Jahre Führungserfahrung mit.

„Ehrliches Verständnis für beide Seiten“

Sie hob hervor, ein „ehrliches Verständnis für beide Seiten“ bei der Auseinandersetzung über Stuttgart 21 zu haben. Sie sei bereit, „bei der Versöhnung Verantwortung zu übernehmen“. Das Projekt spiele „eine größere Rolle als gedacht“, sagte Wilhelm, für die das Kosten-Nutzen-Verhältnis beim Bahnhofsumbau nicht mehr stimmt. Sie werde dennoch „den Auftrag erfüllen, S 21 zu bauen“.

Der fehlende bezahlbare Wohnraum ist für die 48-Jährige „das Top-Thema“. Als OB werde sie die städtische Wohnungsbaugesellschaft SWSG „stärker in die Pflicht nehmen“. Sie betonte, auch nach Sanierungen müssten die Mieten bezahlbar bleiben. Angesprochen wurde auch der umstrittene Verkauf der LBBW-Wohnungen. Wilhelm vermied es aber, die Zustimmung der SPD-Aufsichtsräte zu erwähnen. Das alte Güterbahnhofgelände in Bad Cannstatt solle nicht vornehmlich für Gewerbe (wie vom CDU-Bewerber Sebastian Turner gefordert) genutzt werden, sondern für den Wohnungsbau. „Warum sollen im Neckarpark nur 100 Einheiten entstehen, wenn es auch 450 sein können?“, fragt sie. Nach einem Termin bei Handwerkern sei ihr aber auch klar, dass es in der Stadt auch an Gewerbeflächen mangele.

Optimale Förderung

Jedes Kind hat laut Wilhelm das Recht, optimal gefördert zu werden. Sie ist deshalb für einen raschen Ausbau von Kitaplätzen, die zu Familienzentren ausgebaut werden sollen. Die OB-Bewerberin will längeres gemeinsames Lernen in Ganztags- und Gemeinschaftsschulen. Der Hochschul- und Wissenschaftsstandort müsse gestärkt werden. Wichtig sei eine Vernetzung zwischen Wissenschaft und Forschung sowie Bildung und Wirtschaft. Wasser, Strom und Gas müssten zu 100 Prozent in kommunaler Hand sein.

Wilhelm sagte, mit ihren 23 Bezirken sei Stuttgart eine lebenswerte Stadt. Um dies zu erhalten, müsse mehr Wert auf das Miteinander gelegt werden. Sie will den Individualverkehr bündeln und den Nah- und den Radverkehr ausbauen. Ein kooperatives Stadtentwicklungsprojekt „Stuttgart 2025“ sehe vor, dass Investoren ihre Projekte nicht ohne die Bürgern planen könnten. Mit ihr gebe es eine „solide Haushaltspolitik“. Langfristiges Ziel sei die schuldenfreie Stadt. Auf die Frage, wie sie all ihre Wünsche finanzieren wolle, antwortete Wilhelm ausweichend. Sinnvolle Investitionen hätten natürlich Priorität vor der Nullverschuldung, sagte sie.