StZ-Stadtspaziergang mit Sebastian Turner: Bereits in jungen Jahren hat Sebastian Turner ein Jounalisten-Magazin gegründet. Mitgründerin Annette Milz erinnert sich an Nächte voller Diskussionen und Partys.

Stuttgart – Gemeinsam mit Sebastian Turner hat Annette Milz vor 27 Jahren das Medium-Magazin gegründet. Sie erinnert sich an die Anfangszeit, als der erste Chefredakteur, Verleger und Geldeintreiber bei der ersten Honorarausschüttung zwei Jahre nach dem Start jedem Mitarbeiter einen „sozialistischen Einheitslohn“ von 50 Mark erlaubte.

 

Es wird kolportiert, Sebastian Turners Selbstbewusstsein sei für sein Umfeld manchmal anstrengend.

Oh ja, sein Selbstbewusstsein ist dann anstrengend, und zwar positiv anstrengend, wenn er Widerworte gibt. Sebastian war immer ein anstrengender Freund, weil er einen nicht geschont hat.

Sie haben deshalb das Wort vom Nichtwohlfühlfreund geprägt.

Aber er ist ein verlässlicher Freund. Und das ist eigentlich noch viel wichtiger.

Worauf konnten Sie sich immer verlassen?

Dass er die Wahrheit sagt. Und wenn man Ideen gesucht hat, hat Sebastian einen in der Regel nie in die Sackgasse geführt.

Wie kam denn der Titel des Medium-Magazins damals zustande?

Sebastian fing an, nebenher für die FAZ zu arbeiten und machte ein Interview mit dem Dalai Lama. Wegen dieses Interview mit dem Titel „Was macht ein Medium?“ oder so ähnlich rief er nachts um 2 Uhr bei mir an und sagte: „Ich hab’s: Wir nennen unser Baby einfach Medium-Magazin. Genau das wollen wir nämlich sein.“

Wie kann man sich eine Redaktionssitzung bei dem Magazin in Bonn vorstellen?

In der Regel abends mit Bratkartoffeln und einer Flasche Bier oder Wasser oder einem Schluck Wein. Wir haben uns die Nächte heißgeredet. Aber viel spannender und ungewöhnlicher waren die Versand-Sessions. Das Magazin erschien in der Anfangszeit jedes Vierteljahr. Dann gab es sogenannte Workaholic-Feten in Sebastians Studentenbude. Die Gäste fanden nicht nur einen Kasten Bier vor, sondern auch 20 Postsäcke, 2000 Magazine und 2000 Adressaufkleber vor. Die galt es dann bei trockenen Brötchen und Bier zu verpacken.

Aufgezeichnet von Claudia Leihenseder.

Hier geht es zu den StZ-Veranstaltungen mit Hannes Rockenbauch und Fritz Kuhn (Grüne). Am 29. September lädt die Stuttgarter Zeitung gemeinsam mit der Stiftung Geißstraße die Kandidatin Bettina Wilhelm zum Gespräch.