Josefa von Hohenzollern ist seit fast zweieinhalb Jahren vom noch amtierenden Oberbürgermeister Martin Georg Cohn mit einem Dienstverbot belegt. Foto: Simon Granville
Die Zukunft von Josefa von Hohenzollern – zwangsbeurlaubte Erste Bürgermeisterin von Leonberg – ist im Zuge des anstehenden OB-Wechsels ein großes Thema, das polarisiert.
Erstaunt zeigt sich Josefa von Hohenzollern (FDP) angesichts der aktuellen Debatte über ihre berufliche Zukunft. „Ich stehe bereit und würde gern Herrn Degode beim Neustart im Leonberger Rathaus unterstützen“, sagt die Erste Bürgermeisterin, die seit fast zweieinhalb Jahren vom noch amtierenden Oberbürgermeister Martin Georg Cohn (SPD) mit einem Dienstverbot belegt ist. Cohn wird an diesem Freitag um 19 Uhr in der Stadthalle verabschiedet und ist dann noch eine Woche lang im Amt.
Am 1. Dezember übernimmt Tobias Degode, der bei der OB-Wahl am 28. September mit 50,9 Prozent der abgegebenen Stimmen zum Stadtoberhaupt von Leonberg gewählt wurde. Der parteilose Finanzfachmann aus Düsseldorf hat gleich bei seinem Amtsantritt eine schwierige Aufgabe zu lösen: Soll er die Erste Bürgermeisterin, die im OB-Wahlkampf eine Mitbewerberin von ihm war, ins Rathaus zurückholen?
OB-Wechsel in Leonberg: Wie steht Tobias Degode zu Josefa von Hohenzollern?
Josefa von Hohenzollern: „Es liegt in der Hand des OB“
Josefa von Hohenzollern hat es eilig: „Ich möchte wieder arbeiten“, sagt die FDP-Frau, die vor ihrem Zwangsurlaub die Ressorts Finanzen, Soziales und Ordnung geleitet hatte. „Es liegt in der Hand des Oberbürgermeisters.“
Cohn hatte die resolute Juristin aus Bayern vor allem deshalb nach Hause geschickt, weil sie bei einer Dienstreise nach Berlin die Kosten für eine ungeplante Übernachtung (160 Euro) erst nachträglich dem Dienstreiseantrag hinzugefügt haben soll. Der OB wertete das als versuchte Täuschung und Urkundenfälschung. Vom Amtsgericht wurde von Hohenzollern freigesprochen – die Staatsanwaltschaft ließ die zunächst von ihr angestrengte Berufung fallen.
Tobias Degode muss gleich am Anfang seiner Amtszeit schwere Entscheidungen treffen. Foto: Simon Granville
Dem Vernehmen nach haben sich Tobias Degode und Josefa von Hohenzollern in den vergangenen Wochen über ihren möglichen Wiedereinstieg ausgetauscht. Doch Mitte November ließen CDU und SPD mit deutlichen Erklärungen aufhorchen: „Aus unserer Sicht wäre ein echter Neuanfang auch mit einem neuen Ersten Bürgermeister denkbar und wünschenswert“, merkte der CDU-Chef Oliver Zander an.
CDU und SPD sind von einer Rückkehr von Josefa von Hohenzollern nicht begeistert
Sein SPD-Kollege Ottmar Pfitzenmaier ging sogar noch weiter: Seine Fraktion sei bereit, zeitlich begrenzt eine vierte Bürgermeisterstelle zu schaffen, sollte die Zusammenarbeit zwischen Tobias Degode und Josefa von Hohenzollern nicht klappen. Die Freien Wähler, die neben der CDU Degode als Kandidaten unterstützt hatten, setzen andere Akzente: „Ich halte es für falsch, bei diesem Thema durch Äußerungen und Wünsche Druck aufzubauen“, kommentierte der Fraktionschef Axel Röckle jüngst auf der Hauptversammlung der Freien Wähler das Ansinnen von CDU und SPD, ohne Josefa von Hohenzollern zu planen.
Und was meint der designierte OB? „Ich habe bisher keinen Einblick in die Unterlagen“, sagte Tobias Degode jetzt bei den Freien Wählern. „Daher kann ich mir erst im Dezember einen Überblick verschaffen.“ Die Statements von CDU und SPD ließ er außen vor. Josefa von Hohenzollern bekräftigt: „Ich freue mich auf die Aufgabe, Leonberg gemeinsam mit dem OB, allen Mitarbeitern und dem Gemeinderat in eine gute Zukunft zu führen.“