OB-Wechsel in Leonberg Tobias Degode ist offiziell im Amt – und setzt gleich erste Akzente

, aktualisiert am 01.12.2025 - 10:50 Uhr
“So wahr mit Gott helfe“: Tobias Degode legt den Amtseid ab, beobachtet von Noch-OB Martin Cohn. Foto: Simon Granville

Tobias Degode setzt gleich erste Akzente – und beginnt seine Amtszeit mit einem Gottesdienst. Seine Amtseinführung gerät zur gelösten Feier im Zeichen des Aufbruchs.

Leonberg: Thomas K. Slotwinski (slo)

Der Wind des Wandels weht an diesem nasskalten Freitagabend spürbar durch Leonberg. Und zwar nicht nur durch die Stadthalle, sondern auch in der Kirche St. Johannes. Dort beginnt die Laufbahn von Tobias Degode als Oberbürgermeister. Noch bevor er in der Stadthalle offiziell ernannt wird, lädt der 38-Jährige zu einem ökumenischen Gottesdienst ein. Er ist der erste OB in Leonberg, der seine Amtszeit im Zeichen des Herrn beginnt.

 

Damit setzt er ein deutliches Signal. Eines, das von vielen Menschen angenommen und begrüßt wird. Es sind keineswegs nur ältere, die ihrem neuen Stadtoberhaupt in dem gut gefüllten katholischen Gotteshaus ihre Anerkennung erweisen. Die geistlichen Gastgeber wiederum freuen sich, dass ihnen die Ehre zuteil wird, dem künftigen Oberbürgermeister Gottes Segen für sein anspruchsvolles Amt zu geben.

Degode in Leonberg: „So wahr mir Gott helfe“

Pfarrer Bernhard J. Schmid und Jürgen Oettel von der katholischen Kirche, Dekanin Gabriele Waldbaur und Jochen Haas von der evangelischen Kirche sowie Pastor Hartmut Hilke von der evangelisch-methodistischen Gemeinde wünschen dem evangelischen Christen Tobias Degode alles Gute. Dass große Herausforderungen nicht im Alleingang bewältigt werden können, macht die Dekanin anhand des Auszugs der Israeliten aus Ägypten deutlich. Moses hätte das Volk auf dem Weg alleine nicht erfolgreich führen können, erinnert sie.

Der Tenor der christlichen Botschaft, wonach die Dinge nur in einer gemeinsamen Anstrengung in eine gute Richtung gelenkt werden können, wird später auch bei der offiziellen Amtseinsetzung deutlich. Die Stadthalle ist längst nicht nur von Honoratioren komplett gefüllt. Sehr viele Menschen ohne Amt und Mandat verfolgen, wie der noch amtierende Oberbürgermeister Martin Georg Cohn seinem Nachfolger die Amtskette überreicht. „Die wiegt 600 Gramm, wird im Lauf der Jahre aber immer schwerer“, scherzt Cohn.

Ganz schön schwer, diese Amtskette: Der scheidende OB Martin Cohn gratuliert seinen Nachfolger Tobias Degode. Foto: Simon Granville

Zuvor hat der Chef der größten Fraktion im Gemeinderat, Oliver Zander von der CDU, den künftigen OB vereidigt, der dabei den Beisatz „So wahr mir Gott helfe“ verwendet. In seiner kurzen Einleitung geht Zander auf die starke Stellung ein, die die Kommunalverfassung Baden-Württembergs den Oberbürgermeistern im Land verleiht. Er spricht damit indirekt den mehrheitlichen Wunsch seiner Fraktion aus: „Im Einvernehmen mit dem Gemeinderat bestimmen Sie die Geschäftskreise der Beigeordneten und schaffen damit die Grundlage für eine effiziente Zusammenarbeit.“

Der Hinweis bezieht sich unverkennbar auf die im Publikum sitzende Josefa von Hohenzollern. Die von Cohn mit einem Dienstverbot belegte Erste Bürgermeisterin möchte nicht nur so schnell wie möglich wieder arbeiten, sondern auch das von ihr früher verwaltete Finanzressort übernehmen. Das aber wollen zumindest CDU und SPD in Leonberg nicht.

Der Hinweis auf die ungeklärte Situation an der Verwaltungsspitze trübt die ansonsten gelöste Atmosphäre nicht. Die Regierungspräsidentin Susanne Bay (Grüne) vergleicht das Amt des Oberbürgermeisters mit dem eines Spitzensportlers, der „Ausdauer, Leidenschaft, Disziplin, Taktik und Teamgeist“ benötige, um am Ende erfolgreich zu sein.

Landrat Bernhard: Degode „kann das Kriegsbeil begraben“

Roland Bernhard beginnt scherzhaft: „Dass er ein Rheinländer ist, dafür kann er ja nichts.“ Der Landrat des Kreises Böblingen bedient sich bei Bildern des größten Festes Leonbergs, dem Pferdemarkt, um Degode Hinweise zur Konfliktbewältigung zu geben: „Sie sitzen nicht auf dem hohen Ross, sondern sind eher der Pferdeflüsterer. In dieser Rolle können Sie das Kriegsbeil begraben und die Friedenspfeife rauchen.“ Josefa von Hohenzollern dürfte es gern gehört haben.

Lateinischer Begriffe bedienen sich die Redner jener beiden politischen Kräfte, die Tobias Degode im Wahlkampf unterstützt haben. Wolfgang Faißt, bis vor gut einem Jahr Bürgermeister in Renningen und Landeschef der Freien Wähler, billigt dem neuen OB die Rolle des Pontifex zu – nicht ohne zu erwähnen, dass dieser Begriff ursprünglich für Brückenbauer stehe.

Streuobstwiesen-Fan Manuel Hagel (CDU, links) schenkt Tobias Degode einen Apfelbaum. Foto: Granville

Manuel Hagel hat für das Amt des Oberbürgermeisters das Attribut „Primus inter pares“ bereit. Ein Oberbürgermeister, so sagt der CDU-Landesvorsitzende und langjährige Kommunalpolitiker, sei der klassische „Erste unter Gleichen“. Konkreter wird die stellvertretende Chefin des Personalrats: „Wir erhoffen uns vom neuen OB, dass er nicht nur Visionen im Blick hat, sondern auch die Menschen, die sie umsetzen müssen“, meint Eva Hoffmann.

Und was sagt der Mann, auf dem all diese Erwartungen ruhen? „Ein Neustart heißt nicht, alles über den Haufen zu werfen“, merkt Tobias Degode mit Blick auf seinen eigenen Wahlslogan an. „Schritt für Schritt“ müssten die für ihn die dringlichsten Themen umgesetzt werden:

  • Verlässliche Entscheidungen für alle Bürger, Unternehmen und Vereine
  • Mehr Wohnraum
  • Eine digitale Infrastruktur
  • Mobilität, die „nicht ideologisch gesteuert wird, sondern alltagstauglich ist“
Der Dirigent Alexander Adiarte und das Leonberger Symphonieorchester begeistern. Foto: Simon Granville

Beim Mangel an Fachpraxen und der unsicheren Zukunft des Leonberger Krankenhauses lässt der künftige OB keinen Zweifel daran, dass die Stadt „selbst aktiv werden“ müsse. Die Wirtschaftspolitik will er nicht nur auf die Ausweisung neuer Gewerbeflächen kaprizieren: „Wir brauchen eine starke Partnerschaft mit Wirtschaft, Handel und Handwerk.“

Aufbruchstimmung: Eine neue Ära für Leonberg

Tobias Degode bekommt an diesem Abend mehrfach lang anhaltenden Beifall. Nicht minder begeistert aufgenommen werden die musikalischen Darbietungen des Symphonieorchesters unter Leitung von Alexander Adiarte und den verschiedenen Ensembles der Jugendmusikschule, die, teilweise mit Aktiven des Musikvereins Höfingen und der Lyra Leonberg, auftreten. Das finale Stück „Viva la Vida“ mit den Solistinnen Katrin Klingenberg und Martina Pirrotta wird vom Publikum stehend gefeiert: Die neue Ära in Leonberg beginnt in gelöster Aufbruchsstimmung.

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