Martin, Karin und Gerhard Beck sowie Christine und Thomas Vollmer (v.l.) zeigen eine Auswahl ihrer Hofladenprodukte. Foto: Ines Rudel
Eine Großfamilie aus Oberboihingen hat ihren Minihofladen zu einem modernen Selbstbedienungsparadies mit Kartenzahlung aufgepeppt. Der Laden liegt direkt an einer beliebten Radstrecke.
Drei Familien aus Oberboihingen, die zusammen zwei Bauernhöfe betreiben, ziehen an einem Strang. Ihren Minihofladen haben die Becks und die Vollmers in der Tachenhäuserstraße 12 zu einem modernen Selbstbedienungsparadies mit Kartenzahlung aufgepeppt. Um den Betrieb kümmern sich die drei Paare mit ihren insgesamt acht Kindern.
Wer hier einkauft, wird satt. Nudeln, Kartoffeln, Eier, Fleisch, Milch und Apfelsaft kommen aus der eigenen Produktion. Dafür arbeiten die drei Familien auf ihren zwei Höfen. Christine und Thomas Vollmer betreiben den Hof in der Tachenhäuserstraße, wo zehn Milchkühe und genauso viele Kälber im Stall stehen – und die kleine Ziegenherde, die das Hobby von einem ihrer Söhne ist.
Milch, Eier und noch mehr werden ab Hof verkauft
Die Rohmilch wird jeden Abend ab Hof verkauft und ist auch beliebt bei Kunden, die daraus ihren eigenen Käse herstellen, berichtet Thomas Vollmer beim Hofrundgang. Gleich nebenan steht die Nudelmaschine. Und in einem weiteren Raum werden separat die Eier aufgeschlagen. „Das muss alles seine Ordnung haben“, erklärt Vollmer die voneinander abgetrennten Bereiche.
Die Eier legen die frei laufenden Hühner. Foto: privat
Noch mehr Rinder, dazu Schafe und eine Menge frei laufender Hühner in mehreren Hühnermobilen gehören zum Hof von Thomas Vollmers Schwager Martin Beck, ebenfalls in Oberboihingen. In den 2011 ausgesiedelten Betrieb ist 2017 auch Martins Bruder Gerhard eingestiegen. Auf dem Hof gibt es Herefordrinder, die sich für eine extensive Beweidung gut eignen und viele Monate im Jahr draußen leben. Außerdem dürfen die Kälber dank der Mutterkuhhaltung länger mit den Kühen zusammen bleiben.
Die beiden Brüder bewirtschaften mit ihren Familien eine Fläche von rund 40 Hektar. Jeweils etwa zur Hälfte handelt es sich um Ackerfläche und Grünland, wo fast das komplette Futter für ihre Tiere wächst. „Weizen, Triticale, Hafer, Erbsen, Mais und Ackerfutter werden an Rinder, Schafe und Hühner verfüttert. Das Gras wird zu Heu, Öhmd und Grassilage verarbeitet und als Winterfutter eingelagert“, ist auf der Homepage zu lesen.
Dabei stehen alle drei Familien auf zwei Beinen, denn von der Landwirtschaft alleine könnten sie nach Gerhard Becks Worten nicht leben: „Das ist eigentlich unser Hobby“, erzählt der Kfz-Mechaniker. Sein Bruder Gerhard leitet im Hauptberuf einen Installationsbetrieb. Schwager und Nebenerwerbslandwirt Thomas Vollmer ist im Brotberuf als Landmaschinentechniker tätig.
Schon seit vielen Jahren hat die Großfamilie ihre Produkte im kleinen Stil vermarktet. Schon bisher erreichten sie ihre Kundschaft mit Kartoffel- und Eierautomaten, und vor dem Ausbau zum Hofladen stand in der Tachenhäuserstraße ein Leiterwagen voller Hofprodukte samt einer kleinen Kasse.
„Wir machen es einmal, und dann machen wir es gescheit“, so beschreibt Gerhard Beck die Motivation der Großfamilie zum Ausbau der Vermarktung. Dazu wurde das alte Bachhäusle neben Vollmers Hof komplett saniert und mit einem neuen und architektonisch reizvollen Anbau ergänzt. Während im Altbau ein nagelneuer Zerlegeraum für das Vakuumieren der Fleischportionen und ein Kühlraum ausgebaut wurden, bietet der neue Verkaufsraum 40 Quadratmeter Fläche für eine bunte Warenpalette.
Der Standort sei für den Laden gut geeignet meint auch Christine Vollmer. Immerhin verlaufe hier der Radweg in Richtung Hofgut Tachenhausen und zu den beliebten Kirchheimer Bürgerseen. Für die Radler-Kundschaft haben Becks und Vollmers eigens noch Erfrischungsgetränke und Studentenfutter ins Sortiment aufgenommen.
Dazu gehören Mühlenprodukte aus Gosbach, Eiscreme vom Märkleshof auf der Schwäbischen Alb und Erdnüsse aus Franken. Das eigene Fleisch der Rinder und Lämmer wird gekühlt oder eingefroren angeboten. Inzwischen verkaufen Vollmers und Becks nicht mehr nur große Kilopakete auf Bestellung, sondern in der Auslage finden sich neuerdings auch Rouladen, Gulasch, Rostbraten, Innereien und Suppenhühner.
Obst und Gemüse aus der Region ergänzen das Angebot sowie Schnaps und Likör. Frische Backwaren vom Gässlesbäck aus Wolfschlugen gibt es immer freitags und samstags. Die meiste Zeit kann sich die Kundschaft in dem kleinen Hofladen selbst bedienen. Für 30 000 Euro haben die Betreiber in dem videoüberwachten Laden dafür eine Scannerkasse eingerichtet. Sogar nachts ist der Einkauf möglich, denn wer seine Bezahlkarte scannen lässt, kann eintreten.
Landschaftspfleger auf vier Beinen
Pflege Die Schafe und Ziegen der beiden Höfe dienen auch als Pfleger für die Streuobstwiesen. Die Äpfel von rund 500 bio-zertifizierten Obstbäumen werden von der Großfamilie maschinell und von Hand geerntet und zu Biosaft verarbeitet. Vermarktet wird er im SB-Hofladen und an den Verkaufsstellen.
Bedienung Immer freitags und samstags sind helfende Hände im SB-Markt in der Tachenhäuserstraße 12 anzutreffen: freitags von 14 bis 17 Uhr und samstags von 8 bis 12 Uhr.