Oberbürgermeister in Leinfelden-Echterdingen Die sechs großen Themen des neuen Rathauschefs
Otto Ruppaner ist seit mehr als 100 Tagen Oberbürgermeister in Leinfelden-Echterdingen. Was hat er schon geschafft, was hat er sich vorgenommen?
Otto Ruppaner ist seit mehr als 100 Tagen Oberbürgermeister in Leinfelden-Echterdingen. Was hat er schon geschafft, was hat er sich vorgenommen?
Das Zimmer im ersten Stock des Leinfelder Rathauses hat sich kaum verändert. Der Schreibtisch steht noch am gleichen Platz und auch den Tisch, an dem schon Roland Klenk seine Besucherinnen und Besucher empfangen hat, gibt es noch. Dieser Raum ist mittlerweile der Arbeitsplatz von Otto Ruppaner. Am 1. März – einem Freitag – hat er hier angefangen. Am 9. Juni – am Tag der Kommunalwahl – war sein 100. Tag im Amt als neuer Oberbürgermeister von Leinfelden-Echterdingen.
Wie wurde er aufgenommen, was hat er schon geschafft, was hat er sich vorgenommen? Um diese Fragen perfekt zu beantworten, hat Ruppaner, zu dessen Prinzipien es gehört, stets gut vorbereitet zu sein, eine mehrseitige Präsentation mitgebracht. „Leinfelden-Echterdingen ist eine unheimlich facettenreiche Stadt“, sagt er. In der es unheimlich Spaß mache zu arbeiten. Besonders fasziniert sei er von dem breit aufgestellten Unternehmertum, das vom engagierten Handwerksbetrieb bis zum Dax-Unternehmen reiche. Der 41-Jährige bereut es nicht, in der Messestadt angeheuert zu haben. Und hat dort offenbar vom ersten Tag an Vollgas gegeben. Oft sei er von sieben Uhr morgens bis 23 Uhr abends in Leinfelden-Echterdingen, berichtet er. Es gebe viele Abend- und Wochenendtermine.
Vieles sei hier ähnlich wie in Köngen, sagt er, wo er nicht ganz zehn Jahre Bürgermeister war. „Auch hier leite ich Gemeinderatssitzungen, auch hier bin ich repräsentativ unterwegs“, erklärt er. Leinfelden-Echterdingen sei allerdings mit seinen vier Stadtteilen schon etwas anders aufgestellt. Zumal die Stadt deutlich mehr Mitarbeitende hat. In der Verwaltung hat Ruppaner bisher „sehr viele tolle Menschen mit unglaublichem Engagement und Fachwissen kennengelernt“, im Gemeinderat hat er „eine sehr gute, sachliche Debattenkultur erlebt“. Aus der Bürgerschaft spüre er „eine freudige Erwartungshaltung ihm gegenüber“.
Zu Beginn hat er sich selbst eine umfassende Kennenlerntour verordnet. Ruppaner wollte alles von seinem neuen Wirkungsort sehen – vom Wasserhochbehälter bis zur Feuerwehr. Er hat alle 13 Verwaltungsstandorte besucht, war in sämtlichen Kitas und Schulen, wollte alle Mitarbeitende kennenlernen, hat mit Vertretern aller Ämtern Gespräche geführt. Zwei Klausurtagungen innerhalb der Verwaltung haben bereits stattgefunden, um die wichtigsten Themen für die Stadt zu identifizieren.
Sechs große Handlungsschwerpunkte hat Otto Ruppaner ausgemacht: die Wirtschaft, die Bildung und Betreuung, das Wohnen, die Mobilität, die Migration und Integration sowie der Sport und die Kultur, zählt er auf. Zur Wirtschaft sagt er: Die mittelständische Struktur der Stadt sei ein großes Glück, genauso wie die Ansiedlung von Daimler Truck als Dax-Konzern in den Rötlesäckern.
Zur Kinderbetreuung erklärt er: „Ich weiß um den Wert einer gut funktionierenden Kinderbetreuung.“ Dass verkürzte Betreuungszeiten Familien stark belasten, könne er als Familienvater gut nachvollziehen. Mit Springkräften, spanischen Fachkräften, entfristeten Stellen, Assistenzkräften für Kitas, vielen Benefits und einem starken Nachwuchsförderprogramm will er gegen den Fachkräftemangel und die Kitakrise vorgehen. Ein Kindergartenausschuss wurde einberufen, der Eltern miteinbezieht und beteiligt. Ruppaner will mit Partnern aus der Wirtschaft darüber sprechen, welchen Beitrag sie zur Kinderbetreuung leisten können. Jede weitere Tagesmutter sei herzlich willkommen.
Wie lassen sich die beiden großen Gymnasien sanieren? Wie geht es mit der Realschule und der Werkrealschule weiter? Das seien große Fragen, die Ruppaner klären will. Beim Thema Wohnen gelte es, das Wohnraumkonzept der Kommune in die Realität von heute zu überführen. „Dass Menschen verzweifelt nach bezahlbarem Wohnraum suchen, begegnet uns fast täglich“, sagt er. Bei der Mobilität müsse die U5-Verlängerung und eine Verbesserung des ÖPNV vorangetrieben werden. Die Nord-Süd-Straße hält der Verwaltungschef für wichtig. Das Radverkehrskonzept müsse jetzt umgesetzt werden. „Dass Kinder sicher zur Schule kommen, ist mir ein wichtiges Anliegen“, sagt der Oberbürgermeister.
Zur Migration und Integration erklärt Ruppaner: „Wir haben aktuell 1200 Geflüchtete in Leinfelden-Echterdingen, die verteilt auf zehn Standorte leben.“ Weitere Unterkünfte sind geplant. Um zu klären, wo genau diese entstehen, wurde ein Bürgerdialog gegründet. Die 65 Vorschläge aus der Bürgerschaft wurden „akribisch geprüft und bewertet. Wenn es uns gelingt, ohne Streitereien ein bürgerschaftliches Ergebnis zu bekommen, ist das mustergültig gelaufen.“ Dass nun trotzdem ein weiteres Gelände im Echterdinger Norden ins Spiel gekommen ist, will der Rathauschef nicht kommentieren. „Ich äußere mich nicht zu nichtöffentlichen Sitzungen“, sagt er. Und setzt nach: „Das sollte auch für Gemeinderäte gelten.“
Für die Sportler sei die Sanierung des Leinfeldener Sportzentrums wichtig, der Neubau des Hallenbades müsse gut begleitet sein. Mit der Kulturscheuer Mäulesmühle will man die Kultur in der Stadt voranbringen.
„Die Themenfülle ist enorm“, fasst Otto Ruppaner zusammen. Und: An manchen Punkten müsse man Veränderung wagen.
25 Minuten brauche er im Schnitt, um von Köngen zur Arbeit zu fahren. Ende 2025 wolle er mit seiner Familie nach Leinfelden-Echterdingen ziehen. Mit der Suche nach einer passenden Immobilie habe die Familie schon angefangen. „Noch war nichts Passendes dabei“, sagt er.
Die wenige Freizeit, die Otto Ruppaner hat, verbringt er im Übrigen am liebsten mit der Familie in den Bergen – im Sommer zum Wandern und im Winter zum Skifahren. Und sagt: „Ich bin ein großer Naturfreund und ein großer Skifreund. Für mich passt das zusammen.“
Zahlen
Otto Ruppaner ist ein Zahlenmensch. Er hat seine berufliche Laufbahn als Rechnungsprüfer begonnen, war vor seiner Zeit als Bürgermeister in Köngen Stadtkämmerer in Dornhan im Landkreis Rottweil. Seit März ist er für die Stadt Leinfelden-Echterdingen mit 41000 Einwohnern verantwortlich. Es fasziniert ihn, dass die Kommune 46 000 Arbeitsplätze hat, 31 000 Menschen täglich in die Stadt pendeln, um dort zu arbeiten und dass nicht ganz 60 Prozent des kommunalen Etats „von und mit der Wirtschaft gestaltet sind“, wie er sagt.
Sommeranfang
Auch beim Sommeranfang der Stadt, der am Sonntag, 30. Juni am Stettener Theater unter den Kuppeln geplant ist, will Otto Ruppaner über seine ersten Wochen im Amt berichten und erklären, wo er wichtige Handlungsfelder für die Zukunft sieht.