Oberbürgermeister in Stuttgart Grün-rote Gedankenspiele vor der Wahl

2500|1671|F|Der Stuttgarter OB Wolfgang Schuster legt den Doppelhaushalt 2012/2013 vor, Rathaus Stuttgart. Foto: Steinert
2500|1671|F|Der Stuttgarter OB Wolfgang Schuster legt den Doppelhaushalt 2012/2013 vor, Rathaus Stuttgart. Foto: Steinert

Schuster will nicht noch einmal als OB-Kandidat antreten. Jetzt suchen alle Parteien fieberhaft nach Bewerbern – und nach Erfolg versprechenden Strategien.

Chefredaktion: Achim Wörner (wö)
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Stuttgart - Im Oktober wählt Stuttgarts Bürgerschaft einen neuen Oberbürgermeister oder eine neue Oberbürgermeisterin. Die Parteien in der Landeshauptstadt sind dabei, sich für diesen wegweisenden Urnengang zu rüsten – und rechtzeitig Koalitionen zu schmieden. Nach Informationen der Stuttgarter Zeitung haben Emissäre der Grünen und der Sozialdemokraten schon vor vielen Wochen inoffiziell auf verschiedenen Ebenen ausgelotet, ob gemeinsame Sache gemacht werden kann. Ziel sei es diesmal jedenfalls, so der SPD-Kreisvorsitzende Dejan Perc, einen Rathauschef mit einem CDU-Parteibuch zu verhindern.

Schusters Rückzug

Seit dem Montag vergangener Woche sind die Vorzeichen für die Oberbürgermeisterwahl andere als davor: Amtsinhaber Wolfgang Schuster (CDU), der das größte Rathaus des Landes seit 1997 führt, wird zur Überraschung aller Fraktionen im Rathaus und aller Parteien in der Stadt nicht mehr antreten. Und das hat die kommunalpolitische Ausgangslage schlagartig fundamental verändert. Nicht nur, dass die Christdemokraten binnen weniger Monate einen Spitzenkandidaten erst aufbauen müssen; auch für die Konkurrenz von SPD und Grünen stehen nun plötzlich bei der Suche nach geeigneten Bewerbern neue Überlegungen im Raum. Denn mit Schuster ist ihnen ein Kontrahent abhandengekommen, der wegen seiner Stuttgart-21-Politik umstritten ist und da wohl Angriffsfläche geboten hätte. Jetzt werden die Karten anders gemischt.

Auch bei den Parteien standen dabei im ersten Moment eine ganze Reihe an personellen Spekulationen im Vordergrund, wer denn wohl geeignete Bewerber für den zweitwichtigsten politischen Posten im Land nach dem Regierungschef sein könnten. Bis jetzt eher unbeachtet, sind die führenden Funktionäre freilich längst dabei, ihre strategischen Überlegungen für den Urnengang im Herbst zu präzisieren. Und da spielen nicht zuletzt mögliche Bündnisse eine Rolle. Denn aus eigener Kraft und allein mit dem Potenzial seiner eigenen Partei, wird – das zeigt die politische Farbenlehre in Stuttgart – kein Bewerber wirklich reüssieren können.

Die Ausgangslage

Es hat Zeiten gegeben, da waren Oberbürgermeisterwahlen in der Landeshauptstadt eine eindeutige Angelegenheit. Arnulf Klett, Stuttgarts erstes Stadtoberhaupt nach dem Zweiten Weltkrieg, und Manfred Rommel erhielten beim Stimmenfang stets klare Mehrheiten. Zwar setzte sich Rommel bei seiner ersten Kandidatur 1974 erst im zweiten Wahlgang gegen Peter Conradi (SPD) durch – erzielte dann aber immer fast schon sozialistische Ergebnisse. Bei seiner Bewerbung um die dritte Amtszeit etwa brachte er es auf mehr als 70 Prozent, während Rezzo Schlauch (Grüne) sich mit 20 Prozent zufriedengeben musste. Die SPD hatte angesichts der Rommel’schen Beliebtheit erst gar keinen eigenen Bewerber aufgestellt.

Rommels politischer Ziehsohn Wolfgang Schuster hatte es in diesem Punkt deutlich schwerer. Sowohl bei der OB-Wahl 1996 als auch bei der OB-Wahl 2004 setzte sich der Christdemokrat in allerdings starken Bewerberfeldern erst in der zweiten Runde durch, weil er die im ersten Wahlgang erforderliche absolute Mehrheit von 50 Prozent der Stimmen nicht erzielt hatte. In der entscheidenden Stichwahl zwei Wochen später reichte es dann jeweils knapp: 1996 mit 43,1 Prozent der Stimmen, weil Rezzo Schlauch (39,3 Prozent) und SPD-Mann Rainer Brechtken (13,5 Prozent) sich Konkurrenz machten; 2004 mit 53,3 Prozent der Stimmen, weil Boris Palmer (Grüne) nach dem ersten Wahlgang zurückzog und eine, wenn auch indirekte, Empfehlung für Schuster statt für die SPD-Bewerberin Ute Kumpf (45,2 Prozent) abgab. Zugespitzt lässt sich sagen, dass Schuster beide Male der lachende Dritte war.




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