Obere Walke in Backnang Walke-Projekt nimmt letzte Hürde

Von  

Umweltschützer befürchten kontaminierte Böden. Die Investoren rechnen mit der Fertigstellung des Fachmarktzentrums im Herbst 2013.

Das Areal am Rand der Backnanger Innenstadt gleicht zurzeit einer Mondlandschaft Foto: Gottfried Stoppel
Das Areal am Rand der Backnanger Innenstadt gleicht zurzeit einer Mondlandschaft Foto: Gottfried Stoppel

Backnang - Der Backnanger Oberbürgermeister Frank Nopper strahlt. Mit Blick auf die seit Jahrzehnten geplante städtebauliche Neuordnung auf der Oberen Walke sagt der Stadtchef: „Der Weg für eine gute Zukunft ist endlich frei.“ Wie berichtet, soll ein großes Fachmarktzentrum gebaut werden. Nicht alle jubeln, Umweltschützer warnen vor dem Projekt.

Jetzt hat auch das Regierungspräsidium (RP) Stuttgart sein Okay gegeben zur zwingend notwendigen Änderung des Flächennutzungsplans. Damit dürfte das Projekt die letzte Hürde genommen haben. Der Gemeinderat Backnang werde im April zwei sogenannte Satzungsbeschlüsse für das in zwei Teile aufgespaltene ehemalige Industrieareal aufstellen, erklärt Nopper. Die Murrstadt hat lange warten müssen auf das Okay der Stuttgarter Behörde. Geklärt werden musste, ob auf dem etwa sechs Hektar großen Gelände an der Murr überhaupt Einzelhandel zulässig ist. Im Flächennutzungsplan war das eigentlich nicht vorgesehen. Nun hat das RP entschieden: Gegen das geplante Fachmarktzentrum mit einem Media-Markt, einem Lebensmittelvollsortimenter und einem Discounter sei nichts einzuwenden. Die Walke grenze nämlich unmittelbar an die Innenstadt. Mit der Bebauung wird die Kernstadt quasi erweitert. Der Verband Region Stuttgart hatte bereits im Sommer 2011 zugestimmt.

Schadstoffe im Boden

Der Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND), der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) und der Landesnaturschutzverband (LNV) indes kritisieren das Millionenprojekt seit Langem. In einem Schreiben an die Stadt hatten die drei Organisationen erklärt, dass der Boden des einstigen Gerbereiviertels höchstwahrscheinlich mit Schadstoffen belastet sei. Das belege ein Gutachten aus dem Jahr 2007. In der Expertise heißt es, im Boden seien Chrom und Arsen zu finden, es bestehe Handlungsbedarf. Bei einer Baumaßnahme anfallender Aushub sollte gutachterlich überwacht werden, „eventuell auftretendes kontaminiertes Grundwasser“ müsse gereinigt werden.

Klaus Dahl vom Nabu-Backnang sagt, „die Entsorgung dieses Materials ist offensichtlich nicht vorgesehen“. Das Abbruchmaterial sei vermutlich mit Chlorid belastet, es werde nicht sortiert, „alles wird zusammen zermahlen und auf dem Gelände abgelagert“. Viele der alten Gerbergruben seien gar nicht erkundet worden.

Bodenaushub während der Bauarbeiten überprüft

Der Abbruch der alten Gebäude auf der Oberen Walke ist weitgehend abgeschlossen. Zurzeit gleicht das Areal an der Murr einer Mondlandschaft. Der Oberbürgermeister Frank Nopper erklärte auf Anfrage, dass der Bodenaushub während der Bauarbeiten ständig überprüft werde. Für die Genehmigung der Bauarbeiten sei das Landratsamt in Waiblingen zuständig.

Die Behörde in der Kreisstadt teilt auf Anfrage mit, dass die Obere Walke regelmäßig vom Geschäftsbereich Umweltschutz überprüft werde. „Eine großflächige Belastung des Bodens konnte nicht festgestellt werden, jedoch wurden mehrere kleinflächige Verunreinigungen festgestellt“, heißt es aus dem Landratsamt. Diese seien „durch Aushub“ saniert worden. Eine Umweltgefährdung liege „nach derzeitigen Erkenntnissen“ nicht vor.

Einer der beiden Investoren ist das Bauunternehmen Dibag, die Münchener Doblinger Industriebau AG. Der Stuttgarter Dibag-Vertreter Sven Kübler sagt, er könne die Kritik der Umweltschützer nicht nachvollziehen und verweist ebenfalls auf das Landratsamt in Waiblingen, mit dem die Dibag gut zusammenarbeite. Wenn alles nach Plan laufe, dann sollen die Bauarbeiten für das Fachmarktzentrum auf der Oberen Walke in diesem Herbst beginnen. Die Eröffnung sei für Herbst kommenden Jahres geplant.




Veranstaltungen