Oberlandesgericht Stuttgart Flauschige Prozessbegleiter

Von Christoph Kutzer 

Die Zeugen- und Prozessbegleitung von Prävent-Sozial stellt Kindern künftig einen kleinen Begleiter zur Seite, der sie zur Verhandlung am Oberlandesgericht begleiten soll: Den flauschigen Nager Max.

Gruppenbild mit Mäusen:  Daniela Maier, Landgerichts-Präsidentin  Cornelia Horz, Matthias Merz, Gesine Erhard, Sabine Kubinski und  Guido Eichel Foto: Lichtgut/Max Kovalenko
Gruppenbild mit Mäusen: Daniela Maier, Landgerichts-Präsidentin Cornelia Horz, Matthias Merz, Gesine Erhard, Sabine Kubinski und Guido Eichel Foto: Lichtgut/Max Kovalenko

S-Mitte - Hunde in den Gerichtssaal mitzubringen, ist verboten. Auch Katzen müssen zuhause bleiben. Das freut Max die Gerichtsmaus. Seit März führt die Schöpfung der Zeugen- und Prozessbegleitung von Prävent-Sozial auf der Webseite zeugeninfo.de virtuell durch ihr Zuhause: ein Justizgebäude. So sollen junge Zeugen auf die Prozessteilnahme vorbereitet und Ängste schon im Vorfeld gelindert werden. Jetzt gibt es den Nager auch zum Anfassen. Am Freitag wurde der flauschige Helfer erstmals im Oberlandesgericht Stuttgart (OLG) präsentiert. 500 reisgefüllte Mäuschen stehen ab sofort bereit, um Kinder bei ihrem oft angstbesetzten Auftritt vor dem Richter zu begleiten und sich bereitwillig von nervösen kleinen Händen kneten zu lassen.

„Mäuse sind klein und wendig“, erklärt Christian Veith, der als Psychosozialer Prozessbegleiter bei der Zeugenbegleitung tätig ist. „Damit können sich Kinder identifizieren. Es gab uns aber auch die Möglichkeit, Max auf der Homepage glaubhaft in verschiedene Räume des Gerichts einzuschleusen und Mäuschen spielen zu lassen, was sich dort tut – egal ob es um die Arbeit des Staatsanwalts oder die Poststelle geht. Mäuse können ängstlich sein. Es gibt aber auch Erwachsene, die vor Mäusen Angst haben. Auch das fanden wir sehr passend.“

Individuelles Qualitätsprodukt

Produziert hat den possierlichen Mutmacher die Firma Steiff. „Die Maus ansich gab es dort bereits. Für uns wurde sie aber noch mit einer eigenen Plakette und einem Schal ausgestattet“, erklärt Veith. Max ist ein individuelles Qualitätsprodukt. „Er ist auch garantiert frei von Schadstoffen und Allergenen“, betont Matthias Merz, Richter am OLG und Vorsitzender der Bewährungshilfe Stuttgart: „Natürlich war das Steiff-Original bereits mit einem entsprechenden Qualitätssiegel versehen. Wegen der neuen Teile wurde Max aber nochmals eingehend geprüft. In Deutschland muss eben alles seine Ordnung haben.“

Merz freut sich, dass es den Sympathieträger aus dem Internet nun auch zum Anfassen gibt: „Es ist eine schöne Vorstellung, dass er nach dem Prozess im Kinderzimmer Einzug halten wird.“ „Auf diese Weise überwiegt in der Erinnerung hoffentlich der positive Eindruck“, ergänzt Cornelia Horz, Präsidentin des Landgerichts. „Ich finde die Mäuse wirklich niedlich.“

Mit dem Ergebnis sind nun alle glücklich

Auch Gesine Erhardt vom Verein Frauen helfen helfen, der das Projekt ebenso finanziell unterstützt hat, wie der Verbund deutscher Kachelofenbauer, Hagos, ist sehr angetan: „Als uns die Idee im vorigen Jahr beim sozialen Marktplatz im Rathaus vorgestellt wurde, musste ich keine halbe Minute nachdenken, um zuzusagen: Es ist schön, Teil dieser durchweg positiven Aktion zu sein.“ Dazu gehörte auch die Mitsprache bei der Gestaltung von Max. Drei Kandidaten traten zum Mäuse-Casting an. Als Steiff das Rennen gemacht hatte, mussten weitere Details geklärt werden: Sollte man ihm eine Fliege verpassen? Wie wäre es, den Schal mit Paragrafen-Zeichen zu bedrucken? Mit dem Ergebnis sind nun alle glücklich. Gesine Erhardt denkt bereits darüber nach, ein Exemplar als „Sitzungsmaus“ zu Meetings mitzunehmen. „Wenn jemand zu lange redet, könnte man sie ihm an den Kopf werfen“, scherzt sie. Verletzungsgefahr bestünde zumindest nicht. Max wurde offiziell als nicht wurfgeschosstauglich eingestuft. „Ich erinnere mich an einen Fall, in dem ein Kind zwei Glückskastanien mit in den Gerichtssaal nehmen wollte“, berichtet Christian Veith. „Die mussten draußen bleiben, weil sie als potenzieller Wurfgegenstand gewertet wurden.“

Sonderthemen