InterviewOberliga-Hit der Stuttgarter Kickers Göppingens Trainer Gianni Coveli: „Es ist schwer, uns zu schlagen“

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Der 1. Göppinger SV kommt diesen Samstag (14 Uhr) als Tabellenführer zu den Stuttgarter Kickers. Das verspricht viel Brisanz, auch wenn Gianni Coveli die herunterspielt.

Gianni Coveli ist schon seit 2014 Trainer in Göppingen. Foto: Pressefoto Baumann
Gianni Coveli ist schon seit 2014 Trainer in Göppingen. Foto: Pressefoto Baumann

Göppingen - Die Stuttgarter Kickers erwarten am Samstag (14 Uhr) zum Oberliga-Spitzenspiel den Überraschungs-Tabellenführer 1. Göppinger SV im Gazi-Stadion. Besonders brisant: Trainer Gianni Coveli (49) und Spieler wie Oliver Stierle haben eine blaue Vergangenheit. Trainer Coveli spricht vorab über das Spiel und die Situation in der Oberliga.

Herr Coveli, was mach die Partie des 1. Göppinger SV bei den Stuttgarter Kickers denn brisanter: Dass ihre Mannschaft als Spitzenreiter nach Degerloch kommt, oder dass Sie und ein paar Spieler eine Kickers-Vergangenheit besitzen?

Warum soll das brisant sein? Es ist einfach eine tolle Situation. Ich war lange und gerne dort, und habe bei den Kickers auch noch viele Freunde. Brisant wäre es vielleicht, wenn ich im Unfrieden gegangen wäre. So ist einfach schön bei den Kickers aufzuschlagen und vielleicht noch schöner, wenn wir uns mit einer guten Leistung präsentieren.

Aber dass Göppingen als Tabellenführer kommt, war so nicht vorhersehbar?

Das ist für uns alle überraschend und war nicht unsere Zielsetzung. Wir versuchen, guten und erfolgreichen Fußball zu spielen, und das machen meine Jungs seit Wochen richtige gut.

Gibt es ein Erfolgsgeheimnis?

Wenn liegt es darin, dass wir seit Jahren von der Struktur her gewachsen sind. Wir haben den Kern der Mannschaft immer nur punktuell verändert, das macht sich bemerkbar. So konnten wir die Abläufe entsprechend einstudieren, und mit dem Erfolg wächst auch das Selbstvertrauen, zudem haben wir einen überragenden Teamgeist.

Nichts mit Halbprofitum

Sind die gewachsenen Strukturen ein Vorteil gegenüber den Kickers, die selbst in der Oberliga ständig im Umbruch sind?

Das ist sicher ein Vorteil. Es dauert einfach, um eine Spielphilosophie zu implementieren. Wenn man permanent Wechsel hat, ist das wahnsinnig schwierig. Man kann diesen Prozess natürlich beschleunigen, wenn man so eine Qualität wie der VfB II oder die Kickers besitzt. Wir müssen immer die Spieler aus unteren Ligen ranführen. Das dauert zwar, aber die tun sich natürlich wesentlich leichter, wenn sie in gewachsene Strukturen kommen. Und das passt gerade sehr gut.

Und wie sehen die Strukturen aus?

Bei uns herrschen komplette Amateurbedingen. Wir trainieren abends ab 18.30 Uhr, jeder geht einem Beruf nach – da ist nichts mit Halbprofitum.

Wäre der Verein dann überhaupt für Aufstieg gewappnet?

Mit der Thematik haben wir uns noch gar nicht auseinander gesetzt, das macht im Moment keinen Sinn. Wenn es mal soweit sein sollte, werden wir uns sicher darüber unterhalten, wie wir die Situation verbessern können – aber Profitum wird’s in Göppingen die nächsten Jahre sicher nicht geben.

Der VfB hat aktuell die Nase vorn

Und wer steigt am Ende auf?

Die Kickers oder der VfB, wobei von den Ergebnissen her der VfB im Moment die Nase vorne hat, weil er immer wieder die Möglichkeit besitzt, Profis von oben zu holen. Das ist schon eine enorme Qualität, wenn man das jetzt bei Jan Kliment beobachtet. Das sind Leute, die man normalerweise im Fernsehen sieht. Jetzt spielst du in der Oberliga gegen sie – das ist schon Wahnsinn.

Und Ihre Mannschaft hat jetzt gleich zweimal nacheinander die Chance, den Favoriten ein Bein zu stellen, nachdem in einer Woche gleich der VfB II nach Göppingen kommt.

Die Chance ist da – ob es gelingt, werden wir sehen. Wir gehen die Sache entspannt an und dann schauen wir mal, was unter dem Strich hängen bleibt. Wir genießen die Euphorie in und um Göppingen. Wir versuchen auch weiterhin, jedes Spiel zu gewinnen. Und solange wir diese Freude auf den Platz bringen, wird es wahnsinnig schwierig, uns zu schlagen.