Oblivia im Theater Rampe Drei Finnen auf der Suche nach der Lust

Mit Lust: die Performer von Oblivia in „Pleasure“ Foto: Daniela Wolf/DW

Die Performancegruppe Oblivia beschließt ihre Trilogie „Emotions and Politics“. Im Theater Rampe tanzen für „Pleasure“ nicht nur drei Körper.

Stadtleben/Stadtkultur/Fildern : Andrea Kachelrieß (ak)

Gut Ding will drei Teile haben. Das hat sich die finnische Performancegruppe Oblivia gedacht und ihre Beschäftigung mit „Emotions and Politics“ in drei Kapitel unterteilt. „Verdrängen Verdrängen Verdrängen“ hieß der erste Teil dieser dem Musiktheater zugeschlagenen Trilogie, 2020 war er im Rahmen des Eclat-Festivals im Theater Rampe zu sehen.

 

Drei Jahre und eine Pandemie später macht das Kollektiv am selben Ort den Sack zu, in dem das Emotionale und das Politische zappeln. Nachdem das Zwischenstück „Obsessions“, 2022 in Bremen herausgekommen, Zwänge unter die Lupe nahm, steht am Ende die Lust im Zentrum. „Pleasure“ lautet der Titel des Finales, einer Koproduktion der Rampe mit der Arge-Kultur Salzburg und der Schwankhalle Bremen.

Songs tun nur so, als wären sie Popnummern

Wobei intensive Körperlichkeit nicht so die Sache von Oblivia ist. Zittern statt zappeln, hauchen statt fauchen: „Pleasure“ ist über weite Strecken eher Meditation als Bühnenshow. Die drei Finnen (Timo Fredriksson, Annika Tudeer, Juha Valkeapää) und ihre Stuttgarter Mitstreiter (Yiran Zhao an verschiedenen Tasten, Thilo Ruck an der E-Gitarre und die Mezzosopranistin Gabriele Lesch) sind Meister der Zwischentöne und der unausgesprochenen Botschaften, verpackt in Songs, die tun, als wären sie Pop- oder Rocknummern. Das Tanzen übernehmen Worte, Klänge, Lichteffekte, weniger die Körper; und so ist „Pleasure“ vor allem ein sinnliches Philosophieren über den Menschen als zwischen persönlicher Lust und äußeren Ansprüchen zerriebenes Wesen.

Wenn die Performer wie Zen-Meister den Atem des Publikums lenken, wenn sie auf Schritten und Gesten beharren und sie so ins Komische vergrößern, wenn Wind goldene Fäden bewegt, die als einzige Deko von der Decke hängen, dann führt Understatement Regie, werden Saiten hingebungsvoll gestreichelt, nicht angeschlagen. Just in dem Moment, als „Pleasure“ mit diesem Minimalismus die Ersten in die Flucht schlägt, wird der Ton rau, der Sound rockig, das Vokabular rotzig. Schließlich geht es um den alltäglichen Spagat zwischen Schönheitsgier und Verweigerung, Leere und Sinnhaftigkeit, Egoismus und Mitgefühl. Gern hätte man den englisch gesungenen, nicht immer verständlichen Text mitgelesen. Doch auch ohne jedes Wort zu erfassen, fängt „Pleasure“ alle, die sich fallen lassen wollen, in feinen Klang-Gesangsgespinsten auf.

Ein Leben zwischen Gier und Leere

„Pleasure“: Vom 1. bis 3. Februar in der Rampe

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