Obstanbau im Kreis Böblingen Apfelblüten trotzen den Frostnächten
In den vergangenen Nächten fiel die Temperatur unter null Grad. Ob Ernteausfälle zu erwarten sind, weiß der Obstbauberater des Landkreises.
In den vergangenen Nächten fiel die Temperatur unter null Grad. Ob Ernteausfälle zu erwarten sind, weiß der Obstbauberater des Landkreises.
Wann wird’s mal wieder richtig Frühling? Einzelne Sonnentage im April waren zwar sommerlich warm, dafür an einer Hand abzuzählen. T-Shirt und kurze Hose mussten direkt wieder gegen Wintermantel und Wollmütze getauscht werden. Für Obstbauern war beunruhigend, dass das Thermometer nachts sogar unter null Grad fiel. Die Apfelbäume stehen gerade in voller Blüte – war’s das also mit einer üppigen Apfelernte dieses Jahr?
Manfred Nuber, der Obst- und Gartenbauberater des Landkreises Böblingen, erklärt, dass die Auswirkung je nach Region unterschiedlich ausfällt. Die frostigste Nacht während der aktuellen Kaltperiode sei von Montag auf Dienstag gewesen. Da sei es im südlichen Teil des Landkreises nachts wolkig gewesen, weshalb die Temperatur nicht unter minus 1,8 Grad gefallen sei. „Dort haben wir keine nennenswerten Schäden für die Obstblüte“, sagt Nuber. Im Raum Weil der Stadt, wo Nuber selbst seinen Obsthof hat, sei es aber gegen Mitternacht aufgeklart, woraufhin es auf minus drei Grad abgekühlt sei.
Obwohl dies ein Wert ist, der offene Blüten schädigen kann, steht die Apfelernte laut Nuber nicht vor einem Totalausfall. Der Grund: „Obstbäume blühen überreich, so viele Früchte könnten sie gar nicht ernähren.“ Für eine Vollernte reiche es bei Apfelbäumen, wenn sich drei bis fünf Prozent der Blüten zu Früchten entwickelten. „Anders gesagt: 95 Prozent der Blüten könnten erfrieren, am Ertrag würde man nichts merken“, sagt der Obstexperte. Vorausgesetzt, danach laufe alles problemlos weiter – ohne Schädlinge, Dürre oder schlechtes Flugwetter für die Bestäuber.
Letzteres läuft gerade schleppend, da die Honigbiene erst ab milden zwölf Grad zum Bestäuben losfliegt. Nuber: „Sie kann sich das erlauben, weil sie Vorräte hat.“ Andere Bestäuber wie Hummeln oder Wildbienen fliegen zwar schon bei kühlerem Wetter los, doch die vergangenen Tage war es selbst ihnen zu kalt. Trotzdem kann Nuber auch diesbezüglich entwarnen: „Wenn eine Blüte noch nicht befruchtet ist, bleibt sie länger geöffnet, bis zu zwölf Tage lang.“ Das ist nicht nur für die Menschen schön, die sich an der lang anhaltenden Blütenpracht erfreuen, sondern auch für die Bestäubung nützlich, da innerhalb dieses langen Zeitraums irgendein Tag gewiss warm genug für den Besuch einer Hummel sein sollte.
Wie steht es um andere Obstbäume wie Kirsche oder Zwetschge? „Sie sind schon verblüht“, sagt Nuber. Ihre Blüte sei während der warmen Apriltage gewesen, die Befruchtung dadurch „extrem gut“. Dennoch seien die aktuellen Nachtfröste auch für Kirsch- und Zwetschgenbäume nicht gänzlich egal, denn die winzigen Früchte, die sie bereits ausgebildet hätten, überlebten nur bis zu einer Temperatur von minus drei Grad. Da das Quecksilber aber nicht darunter fiel, seien auch hier kaum Schäden zu vermelden.
Grundsätzlich, betont Nuber, seien einzelne Frostnächte für Obstbauern häufig weniger dramatisch als befürchtet, da niemals alle Blüten gleichzeitig blühten und selbst einige der geöffneten überlebten, die nah am Stamm oder vom Zweig geschützt lägen. Frost während der Obstblüte werde als schlimmer angesehen als er tatsächlich ist, sagt Nuber, dennoch sei es eine „reale Gefahr“. Alle paar Jahre gebe es Frostnächte um die minus zehn Grad – dann sei der Schaden tatsächlich immens. Die letzten großen Frostjahre seien 2017 und 2011 gewesen. „Dieses Jahr sind wir davongekommen, ich denke, der Tiefpunkt ist durchschritten“, sagt der Obstbauberater.