Herrenberg ist bundesweit eines der bedeutendsten Gebiete für den Zwetschgen-Anbau. Allerdings interessieren sich immer weniger Menschen für die blau-violette Steinfrucht.
„Zwetschgen-Anbau wird immer mehr zum Hobby, immer weniger zum Nebenerwerb“, stellt Manfred Nuber, der Fachberater für Obst- und Gartenbau im Landratsamt Böblingen, gleich zu Beginn seiner Ausführungen beim jährlichen Zwetschgen-Rundgang fest. Insbesondere dann, wenn bei der Ernte Fremdarbeiter zum Einsatz kommen und die Früchte über den Großhandel vermarktet werden, seien die Erlöse nicht kostendeckend.
Das schwindende Interesse an der Traditionsveranstaltung im Herrenberger Anbaugebiet, das nach Mittelbaden eines der wichtigsten Zwetschgen-Anbaugebiete Deutschlands ist, spiegelt diesen Trend wider. Waren es vor 15, 20 Jahren noch 250 bis 300 Interessierte, so trafen sich am Donnerstag nur noch rund 70 Leute. Dieses Mal war nicht wie sonst üblich einer der drei Obst- und Gartenbauvereine Mönchberg, Kayh oder Gültstein Gastgeber, sondern einmalig – anlässlich des 1250-jährigen Bestehens von Haslach – der dort beheimatete OGV auf der Streuobstwiese von Ortsvorsteher Thomas Deines.
500 statt 4000 Tonnen Zwetschgen
Auch in den Erntemengen wird der Rückgang sichtbar: Während Ende der 1990er-Jahre ein Vollertragsjahr mit 4000 Tonnen veranschlagt wurde, seien es nun deutlich unter 500 Tonnen, die noch über den Großhandel vermarktet werden, berichtet Nuber. Gleichzeitig spielt die Direktvermarktung an Bäckereien, Hofläden oder Endkunden eine immer größere Rolle.
Neben Schädlingsbekämpfung und Krankheiten geht es auch um die scharkaresistenten Sorten; diese haben die einst im Gebiet dominante Hauszwetschge abgelöst, da diese wiederum von dem Virus stark befallen war. Dazu gehören unter anderem die beiden Lokalsorten „Gäugold“ und „Herrenberger“, für die der Arbeitskreis Erwerbsobstbau Böblingen im Jahr 2018 die exklusiven Rechte für die Region beim Züchter erworben.
Allerdings wurden in diesem Zug als Abnahmemenge jährlich mindestens 1000 Jungbäume vertraglich festgeschrieben. Eine Einschätzung, die vor rund 15 Jahren „auch gerechtfertigt“, gewesen sei, so Nuber. „Wir waren aber immer weit, weit weg von diesen 1000 Bäumen.“ Um Strafzahlungen abzuwenden, seien die Sorten nun freigegeben worden, können also deutschlandweit gepflanzt werden. Schön sei jedoch, dass die Namen bleiben, meint Nuber. Allerdings tragen beide jetzt mit „Walters“ einen vorangestellten Namenszusatz, eine Reminiszenz an ihren Züchter Walter Hartmann.
Auch die Auswirkungen des Klimawandels auf den Obstanbau war Thema. So steigt durch den immer früheren Austrieb die Gefahr, dass die Obstblüte von Frost betroffen ist, wie auch in diesem Jahr durch Spätfröste im April. Dennoch zeichnet sich eine mittlere bis gute Ernte ab.
Mehr Zwillingsfrüchte durch Hitze
Allerdings zeigen die Früchte teilweise Hitzeschäden, die sich auf deren Oberfläche mit Dellen bemerkbar machen. „Was wir auch deutlich merken: Die höheren Temperaturen führen bei etlichen Sorten zu immer mehr Zwillingsfrüchten“, beschreibt Nuber ein weiteres Phänomen. Die reizvolle Optik in Herzform erweist sich bei der Vermarktung allerdings als Problem, da sich die Doppelfrüchte zum Beispiel nicht für Kuchen eignen.
Daneben macht die zunehmende Trockenheit den Bäumen zu schaffen. Besitzern von Jungbäumen, die gegossen werden müssen, empfiehlt Nuber, diese seltener, aber dann mit großen Wassermengen von bis zu 100 Litern auf einmal zu bewässern. So würden auch tiefere Bodenschichten durchfeuchtet und so das Wurzelwachstum in die Tiefe angeregt. Bei Bäumen in Hanglage kann zudem ein unterhalb angelegter Wall dafür sorgen, dass das Wasser nicht abfließt, sondern im Wurzelbereich versickert.