OECD-Studie Ungleichheit bremst Wachstum

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Die OECD warnt vor einer wachsenden Kluft zwischen Arm und Reich in den Industrieländern. Die Experten fürchten geringeres Wachstum – und empfehlen Umverteilung.

Auch in Deutschland ist die Kluft zwischen Arm und Reich so hoch wie seit 30 Jahren nicht mehr. Foto: dpa
Auch in Deutschland ist die Kluft zwischen Arm und Reich so hoch wie seit 30 Jahren nicht mehr. Foto: dpa

Berlin - Die Einkommensunterschiede zwischen Arm und Reich sind in den Industriestaaten so hoch wie seit 30 Jahren nicht mehr. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris. Der Befund gelte auch für Deutschland. Während vor 30 Jahren die reichsten zehn Prozent der Bevölkerung im Schnitt fünf Mal so viel verdienten wie die ärmsten zehn Prozent, liege das Verhältnis laut des Berichts inzwischen bei sieben zu eins.

Aus der Studie geht zwar auch hervor, dass das Gefälle in anderen Ländern noch stärker gestiegen ist – etwa in Großbritannien, den USA und Mexiko. Im Schnitt aller Länder verdienen die zehn Prozent der reichsten Menschen neuneinhalbmal so viel wie das ärmste Zehntel. In den achtziger Jahren lag das Verhältnis noch bei sieben zu eins. Die OECD kommt zum Schluss, dass die ungleiche Verteilung der Einkommen in den meisten Industriestaaten zu Wachstumsverlusten führe. „Der Kampf gegen Ungleichheit muss in das Zentrum der politischen Debatte rücken“, sagte der OECD-Generalsekretär Angel Gurría. Auf Dauer seien die Länder wirtschaftlich erfolgreich, die ihren Bürgern gleiche Chancen böten.

Konzentration auf Armutsbekämpfung allein reicht nicht

In Deutschland sei das inflationsbereinigte Bruttoinlandsprodukt pro Kopf zwischen 1990 und 2010 um 26 Prozent gestiegen, so die OECD-Forscher. Das Wachstum hätte in diesem Zeitraum um sechs Prozentpunkte höher ausfallen können, wenn sich die Ungleichheit nicht erhöht hätte. Ähnliche Befunde gebe es auch in den anderen Industriestaaten.

Nach Meinung der OECD reiche es nicht aus, wenn sich die Politik auf die Armutsbekämpfung konzentriere. Die stärksten ökonomischen Effekte seien zu erwarten, wenn die politischen Maßnahmen auf die unteren 40 Prozent der Einkommensskala ausgerichtet würden. Wenn es in diesem Bereich zu einem Aufholprozess komme, wirke sich dies positiv auf den Wohlstand der gesamten Gesellschaft aus.