Öffentliche WCs in Stuttgarter-Nord Eine äußerst dringliche Angelegenheit

Von unserer Redaktion 

Stadtseniorenräte beklagen, dass es zu wenig öffentliche Toiletten in den Stadtbezirken gibt. Außerdem trauen viele Leute der Technik von Säulentoiletten nicht recht und meiden diese deshalb.

Seltener Anblick: In den nördlichen Stadtbezirken gibt es für die Bürger nur wenige stille Örtchen, in denen sie sich erleichtern können. Foto: Kraufmann
Seltener Anblick: In den nördlichen Stadtbezirken gibt es für die Bürger nur wenige stille Örtchen, in denen sie sich erleichtern können. Foto: Kraufmann

Stuttgarter Norden - Ein öffentliches WC sucht man in Stammheim nach wie vor vergeblich. Im Jahr 2010 hatten sich die örtlichen Lokalpolitiker dagegen entschieden, am Freihofplatz ein öffentliches WC aufstellen zu lassen, obwohl es kostengünstig zu haben gewesen wäre. Damals wollte man den Platz nicht mit einer fest installierten WC-Säule verbauen. Die Bezirksbeiräte waren davon ausgegangen, dass der Platz in absehbarer Zeit komplett neu gestaltet werden würde – ein Trugschluss. Bis heute haben sich die groß angelegten Umbaupläne noch immer nicht verwirklichen lassen, weil nicht alle Grundstückseigentümer einem Verkauf ihrer Fläche zustimmen wollten. Statt des Freihofplatzes war zwischenzeitlich die Tuchbleiche als Alternativstandort für die öffentliche Toilette im Gespräch, doch auch dort konnte sie nicht installiert werden, so war die WC-Säule schließlich an der Stuttgarter Straße in Feuerbach aufgestellt worden.

Doch dort misstraut offenbar mancher Klo-Gänger der Technik dieser Säulenautomatik-Toiletten. „Man hat mir neulich berichtet, dass jemand zwar die automatische Toilette benutzt hat, aber die Tür nicht verriegeln wollte, weil er Angst hatte, dass er nicht mehr herauskommt“, sagt die stellvertretende Bezirksvorsteherin Susanne Ramp. Stattdessen musste die bessere Hälfte, während er sein Geschäft im Innern verrichtete, draußen vor der Säule Wache halten, damit kein Fremder ihn auf dem Lokus überraschen konnte.

Mangel an barrierefrei erreichbaren öffentlichen Toiletten

„Wir haben nur wenige öffentliche WCs im Stadtbezirk und manche sind auch in keinem guten Zustand“, fasst der Feuerbacher Stadtseniorenrat Hans-Joachim Kientzle die Gesamtsituation zusammen. Im örtlichen Bezirksrathaus auf dem Wilhelm-Geiger-Platz gibt es eine Besucher­toilette im Erdgeschoss. Doch die ist verschlossen. Nutzer müssen den Schlüssel im Bürgerinfo-Büro zwei Stockwerke höher abholen und können sich damit Zutritt verschaffen: „Wir wussten uns angesichts der Zustände nicht anders zu helfen“, berichtet Ramp. Denn immer wieder hätten Unbekannte mit Papier, Abfällen und Toilettenrollen den Abfluss verstopft oder sie hätten das WC wiederholt so stark verschmutzt verlassen, dass es anschließend nicht mehr benutzbar gewesen sei. Jetzt habe sich die Situation entscheidend verbessert.

Woran es im Stadtbezirk hapert, sind barrierefrei erreichbare öffentliche Toiletten. Mit einem blauen Rollstuhl-Schild ist zwar das öffentliche WC im Kioskgebäude am Feuerbacher Bahnhof gekennzeichnet. Doch dieses Behinderten-Klo dient gleichzeitig auch als Damentoilette. Kein idealer Zustand. Kunden in einigen örtlichen Einzelhandelsgeschäften können allerdings darauf hoffen, dass sie im Notfall dort auf das Mitarbeiter-WC dürfen. Seit der Stadtseniorenrat in Feuerbach das Siegel „seniorenfreundlicher Service“ an örtliche Einzelhändler verleiht, ist dies eines von vielen Kriterien. In etwa der Hälfte der rund 40 zertifizierten Geschäfte dürfen seitdem die Kunden, wenn es wirklich pressiert, die Toilette mitbenutzen, berichtet Kientzle. Das sei vor allem für einkaufende Senioren ein wichtiger Service.

Halbwegs sauber sind sie – und kostenlos

Auch in Zuffenhausen gibt es laut Dieter Kupsch, dem Sprecher des dortigen Stadtseniorenrates, nicht genug öffentliche Toiletten. Vor allem im Stadtteil Rot herrsche ein Mangel. So gebe es beispielsweise am gerade erst eingeweihten Hans-Scharoun-Platz keine Möglichkeit, dringende Bedürfnisse zu erledigen. Sowohl der Stadtseniorenrat als auch die Arbeitsgruppe Infrastruktur der Bürgerbeteiligung der Sozialen Stadt, so erzählt Kupsch, hätten im Vorfeld dafür plädiert, dort ein öffentliches WC aufzustellen. Allerdings sei diese Bitte mit der Begründung abgelehnt worden, dass die Toiletten im Bürgerhaus an der Auricher Straße genutzt werden könnten. „Auch auf der Schlotwiese fehlt eine öffentliche Toilette“, sagt Kupsch. Spaziergänger, die in dem Naherholungsgebiet unterwegs seien, hätten zwar die Möglichkeit, in einer der dortigen Vereinsgaststätten ihr Geschäft zu erledigen. Dies sei aber nicht jedermanns Sache, außerdem hätten die Gaststätten auch nicht immer geöffnet. Im Bereich des Kelter- und des Festplatzes gibt es laut Kupsch ebenfalls Nachholbedarf. Zwar würde dort bei Großveranstaltungen ein Dixi-Klo aufgestellt und für die Marktbeschicker gebe es abschließbare WCs. Grundsätzlich reiche das aber nicht aus, da dort jeden Tag zahlreiche Leute unterwegs seien. Immerhin: An der Unterländer Straße, und zwar in der Nähe des Zeitungskiosks, gibt es öffentliche WCs, die sogar behindertengerecht sind. Zwar riecht es dort nicht gerade gut, aber halbwegs sauber sind sie – und kostenlos.

In Weilimdorf stehen automatische Säulentoiletten auf dem Ernst-Reuter-Platz sowie auf dem Löwenplatz, außerdem kann während der Öffnungszeiten des Bezirksamts auch dort ein WC aufgesucht werden. „Das ist aber überhaupt nicht ausreichend“, sagt der Sprecher der Weilimdorfer Stadtseniorenräte Wolfgang Nufer. „Wir sind mit der Situation völlig unzufrieden.“ Gerade für ältere Leute sei dies ein Problem. Schon lange werde versucht, die örtlichen Geschäftsleute dazu zu bringen, am Eingang einen Aufkleber anzubringen, der anzeigt, dass die Toilette besucht werden darf. „Aber davon sind wir noch weit entfernt“, bedauert Nufer. Zwar seien manche Gewerbetreibenden grundsätzlich bereit, Passanten den Gang aufs Örtchen zu gewähren, „aber wenn das nicht offiziell angezeigt wird, dann trauen sich viele nicht, zu fragen“. Der Technik von Säulentoiletten würden viele Leute nicht recht trauen und sie deshalb meiden.

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