Öffentlicher Nahverkehr in Leinfelden-Echterdingen Gemeinderat wittert große Chance für die U 5

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Für die Verlängerung der Stadtbahn-Linie U5 von Leinfelden nach Echterdingen öffnet die SSB überraschend eine neue Tür.

Ende 1990 wurde die Straßenbahn (im Bild am Wendehalt an der Hirschstraße) nach Echterdingen eingestellt. Nun wird über einen Wiederanschluss an die Schiene diskutiert. Foto: Archiv
Ende 1990 wurde die Straßenbahn (im Bild am Wendehalt an der Hirschstraße) nach Echterdingen eingestellt. Nun wird über einen Wiederanschluss an die Schiene diskutiert. Foto: Archiv

Leinfelden-Echterdingen - Damit hatte in der Großen Kreisstadt niemand gerechnet: die Verlängerung der U 5 von Leinfelden nach Echterdingen steht beim Netzausbau der Stadtbahnstrecken an der Spitze der Projekte, die von der SSB als machbar eingestuft werden (wir berichteten). Ganz oben rangiert der Ast von der Markomannenstraße in Leinfelden zum Hinterhof in Echterdingen, weil die Planung dafür am weitesten gediehen ist.

Die Fraktionen im Gemeinderat betrachten die Ausbauliste der Stuttgarter Straßenbahnen AG als Chance, dass Echterdingen wieder an die „gelbe Schiene“ angeschlossen wird. Die Bahn fuhr von 1928 an nach Echterdingen. Sie wurde, weil Verkehr in Konkurrenz zur S-Bahn nicht erwünscht war, im November 1990 eingestellt. Seitdem wird der Westen des Stadtteils vom öffentlichen Nahverkehr nur rudimentär bedient. Stadträte aller Fraktionen haben im zurückliegenden Vierteljahrhundert immer wieder den Neuanschluss an die Stadtbahnstrecke gefordert, waren aber nur bis zu einer – im Ergebnis sehr positiven – Wirtschaftlichkeitsuntersuchung vorgedrungen. Gescheitert war die Ausführung immer an den hohen Kosten.

Defizit drückt aufs Gemüt

Insbesondere ein jährliches Defizit von einer Million Euro drückt Oberbürgermeister Roland Klenk aufs Gemüt. Und diese Zahl sei, verdeutlichte er in der Bürgerfragestunde des Gemeinderats, „inzwischen sieben bis acht Jahre alt“. Seiner Einschätzung nach sei es „wohl nicht vor 2019 möglich, das Wünschbare mit dem Möglichen zusammenzubringen“. Sein Signal an den Gemeinderat: „Wenn wir das stemmen wollen, dann müssen wir deutlich Finanzvorsorge treffen“.

Der Gemeinderat scheint nun eine echte Realisierungschance zu wittern. „Wir müssen der SSB signalisieren, dass wir das jetzt wollen“, sagt der Fraktionspressesprecher der Freien Wähler, Eberhard Wächter. Der Stadtbahnanschluss in Echterdingen sei eines seiner wichtigsten politischen Ziele, sagte er auf Anfrage.

Sondersituation in Echterdingen

Die Fraktionsvorsitzende und Regionalrätin der Grünen, Ingrid Grischtschenko, freut sich darüber, dass sich in Sachen Stadtbahn nun ein Fenster öffnet, weil Stuttgart über den Ausbau des Schienennahverkehrs nachdenke. Sie sieht Echterdingen wegen der Vorgeschichte in einer „Sondersituation“. Mehr Schienenverkehr in L.-E. sei nötig, um den Straßenverkehr zu entschlacken. In diesem Punkt stimmt die Grünen-Politikerin mit ihrer Amtskollegin von der CDU, Ilona Koch, überein. Sie freue sich über die überraschende Chance. Koch plädiert allerdings „für eine gründliche Beratung in den Gremien“ und für ein „Signal an die SSB, dass wir das wollen“. Auf keinen Fall dürfe die Sache unkommentiert bleiben.

Der Schienenausbau passe auch zur Haltung der SPD, sagt deren Fraktionschef Erich Klauser. Beim Ausbau von Leinfelden nach Echterdingen könne er jedoch „nicht jeden Preis akzeptieren“. Darüber müsse man verhandeln. Es dürfe nicht zu einer übermäßigen Belastung der Stadt kommen. Wolfgang Haug (LE-Bürger/FDP-Fraktion) erinnert an das Fahrgastpotenzial von 5000 Einwohnern in Echterdingen-West und daran, dass die SSB angesichts des täglichen Staus auf der B 27 eigentlich an einem Netzausbau in Richtung Stetten, Plattenhardt, Bonlanden und darüber hinaus interessiert sein müsste.

Noch keine interfraktionellen Aktivitäten

Noch seien über die Fraktionsgrenzen hinweg keine Pläne geschmiedet worden, um über Anträge dem Thema zu hoher Dringlichkeit zu verhelfen, versichern deren Sprecher. Derweil will Siegfried Mögle, als Bürger passionierter Nutzer des Nahverkehrs, gemeinsam mit Gleichgesinnten Argumente für den Stadtbahnausbau sammeln, vielleicht auch eine Bürgerinitiative gründen.