Öffentlicher Nahverkehr in Leinfelden-Echterdingen Schienenlärm sägt zunehmend an den Nerven

Entlang der S-Bahn-Strecke in Leinfelden-Echterdingen mehren sich unter den Anliegern kritische Stimmen Foto: Archiv Natalie Kanter
Entlang der S-Bahn-Strecke in Leinfelden-Echterdingen mehren sich unter den Anliegern kritische Stimmen Foto: Archiv Natalie Kanter

Immer mehr Menschen, die in Leinfelden-Echterdingen an der S-Bahnstrecke wohnen, fühlen sich in ihrer Lebensqualität gestört. Grund ist ein Dröhnen und Wummern, das sich in ihren Häusern ausbreitet. Eine Gruppe Betroffener macht nun mobil.

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Leinfelden-Echterdingen - Gläser klirren in den Schränken. Die Erschütterungswellen lösen ein Unbehagen aus, bringen Decken und Wände zum Schwingen, ein Wummern und Dröhnen entsteht im Haus und breitet sich dort aus“, sagt Ulrich Löchner. Er kann sehr präzise beschreiben, was passiert, wenn eine S-Bahn an seiner Haustür vorbeifährt. „Diesen Lärm kann man nicht durch Schallschutzfenster aussperren“, sagt er.

Der Mann lebt an der Rohrer Straße, zwischen Unter- und Oberaichen, rund 60 Meter von den Gleisen entfernt. Er ist, wie viele andere in Leinfelden-Echterdingen, zunehmend genervt vom Lärm der Züge, die hier tagtäglich vorbeidonnern. Für ihn und für andere Anwohner entlang der S-Bahnstrecke, die mitten durch die Stadt führt, sei dies eine nennenswerte Beeinträchtigung der Lebensqualität.

Die Situation habe sich in den vergangenen zwei, drei Jahren rapide verschlechtert. Löchners Erklärung dafür: Die Bahnen, die dort unterwegs sind, würden immer länger und älter, die Bremsplatten seien abgefahren. Veraltet sei auch das Gleisbett, das nicht auf so lange und so schwere Züge ausgerichtet gewesen sei. 160 Züge fahren derzeit an einem Tag über diesen Streckenabschnitt, weiß er. Wird auf den Fildern das Projekt Stuttgart 21 wie geplant umgesetzt, also ohne einen Gäubahn-Tunnel, werden es in fünf, sechs Jahren wohl bis zu 300 Züge pro Tag sein, rechnet er hoch.

„Dieses Phänomen tritt im gesamten Stadtgebiet auf“, erklärt er. Menschen aus Echterdingen, Oberaichen und Unteraichen haben sich an die Stadt und an ihn gewandt. „Immer mehr Leute werden aufmerksam“, sagt er. Sie alle empfinden es so, dass sich da in den vergangenen Jahren etwas eindrücklich zum Schlechteren verändert habe. Löchner ist der Ansprechpartner einer losen Interessensgruppe. „Wir wollen von der Bahn ernst genommen werden und in einem ersten Schritt Öffentlichkeit generieren“, erklärt er deren Ziele. Denn: „Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass noch viel mehr Menschen betroffen sind, sich fragen, was da los ist, und Interesse daran haben, dass die Bahn hier etwas unternimmt.“

Von der DB abgespeist und abgewimmelt

Die Gruppenmitglieder hatten sich in der Vergangenheit schon einzeln – allerdings erfolglos – an die DB Netze, das Infrastrukturunternehmen der Deutschen Bahn, gewandt. Vor Kurzem hat das Unternehmen dann auf eine E-Mail des Gruppenkoordinators reagiert. Mitte März soll es ein Treffen in Leinfelden-Echterdingen geben. „Wir wollen erreichen, dass die Bahn rechtzeitig ihre Pläne noch mal anpackt“, sagt Löchner.

Die Strecke und die Züge, die dort vorwiegend fahren, sollten optimiert werden, für den Streckenneubau solle das Unternehmen entsprechende Vorkehrungen treffen. Die Bahn habe zwar an ein paar wenigen Stellen bereits nachgebessert, aber nicht an jenen, an denen die Interessensgruppe die Erschütterungen beobachtet hat. Die Punkte, an denen die Bahn Erschütterungen misst, liegen laut Löchner an Stellen, an denen die Bahn bereits heute im Trog oder durch einen Tunnel fährt, und wo bereits Unterschottenmatten verbaut sind. Entlang von Wohngebieten, die jünger als die Strecke sind, gebe es weder Messpunkte noch Unterschottermatten.

Auch die Stadt will nun Druck machen

Auch die Stadt, die sich eigentlich nicht zuständig fühlt, weil es Sache der Anlieger sei, hier Veränderungen durchzusetzen, hat sich nun vorgenommen, Druck zu machen.  „Wir können unsere Bürger nicht allein lassen“, sagt Martin Schindelin, der S-21-Experte der Kommune. „Unser Bestreben war es, das Erschütterungsproblem im Zuge von Stuttgart 21 zu lösen“, sagt er. Denn wenn die Strecke für die Gäubahn-Züge optimiert werde, könnte die bestehende Bahnstrecke davon profitieren. Der von der Stadt beauftragte Gutachter habe für Stuttgart 21 festgestellt, dass die Bahn beim Lärm- und Erschütterungsschutz nachbessern müsse. Im Zuge des Planfeststellungsverfahren, das derzeit auf Eis liegt, hatte die Kommune entsprechende Einwände vorgebracht. „Wir warten aber seit zwei Jahren auf den Erörterungstermin“, sagt Schindelin. „Es geht nicht vorwärts und nicht rückwärts.“ Den Bürgern, die an der S-Bahn-Strecke leben, sei so nicht geholfen. Beim Bestand sollte es auch keine Probleme geben, sagt er. Möglicherweise habe das Unternehmen beim Unterhalt der Strecke zu wenig getan. Vielleicht seien beim Verlegen neuer Schienen vor zwei, drei Jahren Fehler passiert. Fest steht, dass seitdem die Anlieger vermehrt darüber klagen, dass die Erschütterungen zugenommen hätten.

Laut eines Sprechers der Bahn nehme man die Reaktionen der Anwohner ernst und kümmere sich. Hinsichtlich eines Termins in Leinfelden-Echterdingen sei man in Gesprächen mit den Anliegern.

Kontakt

Wer sich durch Schienenlärm geplagt fühlt und sich dazu austauschen will, kann Kontakt mit der Gruppe um Ulrich Löchner aufnehmen: schienenlaerm-filder@web.de.




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