Die Stadt Stuttgart verfolgt ehrgeizige Ziele: Bis zum Jahr 2027 soll der öffentliche Nahverkehr in der Innenstadt komplett emissionsfrei werden, bis 2035 sogar in ganz Stuttgart. Der entscheidende Schritt ist dafür die Umwandlung der Busflotte der Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) auf umweltfreundliche Antriebe. Mit 24,3 Millionen Euro unterstützt das Land Baden-Württemberg nun den dafür notwendigen Aufbau der Ladeinfrastruktur für elektrische Linienbusse in der Landeshauptstadt – gibt sozusagen eine Starthilfe.
Insgesamt 65 neue Ladepunkte für E-Busse
Generell ist Landesverkehrsminister Winfried Hermann (Grüne) bei den SSB ein gern gesehener Gast. Zum einen sieht er in dem städtischen Verkehrsbetrieb einen „Frontrunner“ in Sachen umweltfreundlicher Antrieb im öffentlichen Nahverkehr, zum anderen hat der Landespolitiker meist einen großen Scheck im Gepäck. Dieses Mal 24,3 Millionen. „Damit unterstützen wir nicht nur großzügig die Beschaffung von emissionsfreien Fahrzeugen, sondern auch den Aufbau der nötigen Ladeinfrastruktur“, betonte Hermann bei der Übergabe der Förderbescheide. Denn der Aufwand ist groß.
Rund 13 Millionen Euro fließen in den SSB-Fuhrpark am Betriebshof in Möhringen. Neben dem Bau der neuen Trafostation mit einer Leistung von vier Megawatt werden 28 Ladepunkte geschaffen. Besonderes Augenmerk muss dabei auf den Brandschutz gelegt werden. Spöttisch von einer „Klagemauer“ sprechen die SSB-Mitarbeiter bereits mit Blick auf die großen Sicherungswände. Für rund elf Millionen Euro entstehen 37 weitere Ladepunkte im Betriebshof in Gaisburg. Somit können in Zukunft bereits 65 Busse über Nacht geladen werden. „Für die SSB ist die Umstellung auf emissionsfreie Busse der größte Transformationsprozess in fast 100 Jahren Linienbusverkehr in Stuttgart“, unterstreicht Thomas Moser, Vorstandssprecher und Technischer Vorstand der SSB, die große Bedeutung der anstehenden Aufgabe. 80 bisherige Dieselfahrzeuge müssen alleine auf den Linien in der Innenstadt durch umweltfreundliche Busse ersetzt werden. Zehn neue E-Fahrzeuge wurden dafür gerade erst bestellt. Mit den bereits vorhandenen erhöht sich die Flotte der umweltfreundlichen Fahrzeuge auf 30 – dazu zählen auch die Busse, die mit Wasserstoff angetrieben werden. Bei der nächsten SSB-Aufsichtsratssitzung Ende November soll nun der Kauf weiterer 50 elektrisch betriebener Fahrzeuge beschlossen werden. Der Stückpreis liegt bei rund 850 000 Euro. „Damit wir 2027 auch wirklich die benötigten 80 Busse auf dem Hof stehen haben“, gibt sich Moser optimistisch.
Größter Transformationsprozess in 100 Jahren
„Ein Siebenmeilenschritt hin zur sauberen Mobilität“
Um die für den Linieneinsatz benötigte Reichweite zu gewährleisten, müssen an den Endhaltestellen noch zusätzlich Kurzladestationen errichtet werden. „Dabei reichen mitunter auch nur fünf Minuten, um nicht im laufenden Betrieb wieder zu den Betriebshöfen zurückkehren zu müssen“, erklärt Moser. Die detaillierten Pläne der baulichen Maßnahmen sollen in den kommenden Monaten ausgearbeitet werden.
Umso mehr zeigen sich die SSB erfreut über die „außergewöhnlich großzügige Förderung nach dem Landesgemeindeverkehrsfinanzierungsgesetz (LGVFG) für den Öffentlichen Personennahverkehr“, so die Stuttgarter Regierungspräsidentin Susanne Bay. Immerhin 85 Prozent der Gesamtkosten des Projekts werden so gedeckt. Im Normalfall liege der Förderanteil zwischen 50 und 75 Prozent. „Damit treiben wir die Elektrifizierung des Busverkehrs in Stuttgart weiter voran“, ergänzt die Regierungspräsidentin.
„Es ist ein Siebenmeilenschritt in Richtung sauberer und klimafreundlicher Mobilität“, freut sich Oberbürgermeister Frank Nopper (CDU) über die starke Unterstützung. Die Landeshauptstadt und das Land gingen in Sachen Emissionsfreiheit Hand in Hand, um die hochgesteckten Ziele in Stuttgart erreichen zu können.