Das Großprojekt schreitet voran, doch die für viele entscheidende Frage ist immer noch nicht geklärt: Wird die Stadtbahn von Stuttgart-Hausen über das Gewerbegebiet bis zum Ditzinger Bahnhof fahren – oder nicht? Selbst wenn die Antwort auf diese Frage viele am meisten interessiert, befasst sich der Gemeinderat derzeit noch mit anderen Aspekten des Infrastrukturprojekts.
So auch am Dienstag. Auf der Tagesordnung des Ausschusses für Technik und Umwelt stand das Planfeststellungsverfahren. Es ist erforderlich, damit die Stuttgarter Straßenbahnen AG (SSB) das Baurecht erhält. Sowohl der Bau des Betriebshofs als auch die Trasse von Stuttgart-Weilimdorf über Hausen nach Ditzingen müssen genehmigt werden. Weil der Betriebshof, also der Abstellplatz für die Stadtbahn, auf Stuttgarter Gemarkung aber unmittelbar an der Gemarkungsgrenze zu Ditzingen gebaut wird, sind auch die Ditzinger, als direkter Angrenzer, gehört worden.
Die Stadträte hatten keinen Diskussionsbedarf, entsprechend schnell war der Tagesordnungspunkt abgehakt – mit mehrheitlicher Zustimmung zur von der Verwaltung formulierten Stellungnahme. Sie hatten schlicht keine Anmerkungen zu den Plänen. Bürgermeister Ulrich Bahmer und Bauamtsleiter Markus Beutner hatten darauf verwiesen, dass die Kommune selbst schon in das Vorhaben und damit in die Diskussionen eingebunden sei.
Die Baugenehmigung, um die es nun geht, bezieht sich auf den Streckenabschnitt von Stuttgart bis ins Ditzinger Gewerbegebiet bei Thales. „Für die weitere Strecke wird ein neues Planfeststellungsverfahren erforderlich“, betonte Bürgermeister Ulrich Bahmer. Zu welchen Bedingungen es weitergehe, müsse noch geklärt werden. „Es wird weiter geplant und dann – in Kenntnis der Kosten und der Trasse – final entschieden, bis wohin gebaut wird“, hatte ein Rathaussprecher schon vor einem halben Jahr gesagt. Darauf verwies am Dienstag erneut auch Bürgermeister Bahmer. Auf Nachfrage aus dem Gremium bekräftigte er, dass die Genehmigung nun für die Strecke bis ins Gewerbegebiet eingeholt werde.
Der neu gewählte Gemeinderat werde sich mit der Frage befassen müssen. Bis ins Gewerbegebiet zu Thales wird die Bahn auf jeden Fall fahren. Aber wo sich genau die Haltestelle befinden wird, ist laut der Verwaltung weiterhin in der Abstimmung.
Mitte des vergangenen Jahres hatten die Kommunalpolitiker aus Stuttgart und Ditzingen entscheidende Weichen im öffentlichen Personennahverkehr gestellt: Sie sagten Ja zu Investitionen in den Ausbau des Stadtbahnnetzes. Voraussichtlich im Jahr 2028, so hieß es zuletzt, soll die dann neu geschaffene U13 nach Ditzingen fahren.
Die Stadtbahn nach Ditzingen wird in einer neuen Linie von Stuttgart-Weilimdorf über Hausen nach Ditzingen geführt. Anlass für diese zusätzliche Linie ist der Bedarf eines Standorts für ein neues Stadtbahn-Depot. In den vergangenen Jahren war die Stadtbahnflotte schnell von 164 auf 224 Fahrzeuge angewachsen.
Perspektivisch, so heißt es in einer Beschlussvorlage, die den Stuttgarter Kommunalpolitikern vorgelegt worden war, sei davon auszugehen, dass die Flotte auf rund 250 Fahrzeuge anwachsen wird. Nach jahrelanger Suche – und intensiver Diskussion – wurde eine Fläche in Stuttgart, direkt an der Markungsgrenze zu Ditzingen, gefunden. Als Kompensation sollte Ditzingen den Bahnanschluss erhalten. Im Bereich Leonberg und Strohgäu ist die Stadtbahn bisher einzig vom Flughafen Stuttgart über den Hauptbahnhof nach Gerlingen unterwegs.
So sehr der Ditzinger Gemeinderat die Stadtbahnpläne grundsätzlich begrüßt, so umstritten ist der Endpunkt der neuen Linie. Stand heute werden die Planungs- und Baukosten allein ins Gewerbegebiet auf gut 68 Millionen Euro beziffert. Die Stadt trägt davon rund 17 Millionen Euro. Deutlich mehr müsste die Stadt für die Weiterführung der Bahn aus dem Gewerbegebiet bis nach Ditzingen bezahlen.
Viele Landwirte sind kritisch
Ungeachtet der laufenden Betriebskosten, müsste die Stadt rund 40 Millionen Euro für die Weiterführung der Strecke bis zum Bahnhof investieren – mindestens. Die Zahlen beruhen auf einer Kostenermittlung von Mai 2023, weshalb Verwaltung und Räte für eine Entscheidung auf die aktuellen Zahlen warten.
So sehr viele den Anschluss an das Stadtbahnnetz begrüßen – die Landwirte sind kritisch. Die ablehnende Haltung hat mehrere Gründe, wie der Vorsitzende des Ortsbauernverbands in der Diskussion gesagt hatte. Zum einen ginge für den Bau der Trasse bester landwirtschaftlicher Boden verloren. Außerdem würde die Bewirtschaftung durch den dann veränderten Flächenzuschnitt schwieriger.