Öffentlicher Verkehr im Kreis Böblingen Das Obere Gäu erhöht den Takt

Von Florian Gann 

Mehr Busse, engerer Takt, längere Fahrzeiten: Von der Fahrplanänderung am Sonntag sollen die Orte im oberen Gäu profitieren. Die Fahrten übernimmt das insolvente Unternehmen VBN-Rexer.

Der VVS-Chef Hachenberger, Bürgermeister Thomas Sprißler, Landrat Bernhard (von links) und Bürgermeister aus dem Gäu würdigen den neuen Bus. Foto: factum/Simon Granville
Der VVS-Chef Hachenberger, Bürgermeister Thomas Sprißler, Landrat Bernhard (von links) und Bürgermeister aus dem Gäu würdigen den neuen Bus. Foto: factum/Simon Granville

Herrenberg - Geht es nach dem Böblinger Landrat Roland Bernhard, stehen dem Öffentlichen Nahverkehr im Oberen Gäu gute Zeiten bevor. „Der Busverkehr im Oberen Gäu ist besser als jemals zuvor“, sagt Bernhard. Tatsächlich wird, wer gerne den Bus nimmt, schneller und länger in die Nacht hinein von Gäufelden, Mötzingen, Bondorf, von Jettingen, Nagold und Altensteig weg und auch wieder zurück kommen. Das Ziel war eine bessere Anbindung an die Verkehrsdrehscheibe Herrenberg, auf vier Linien wird ein Halbstundentakt umgesetzt. An diesem Sonntag, wenn der neue Fahrplan in Kraft tritt, fahren Passagiere zudem gratis mit den Bussen durch das Gäu.

Das Obere Gäu bekommt einen Schnellbus

Das Fahrplanangebot wird laut dem Verkehrsverbund Stuttgart (VVS) um ein Drittel erweitert. Dann fahren die Busse im Oberen Gäu jährlich 340 000 Kilometer mehr, das ergibt 1,5 Millionen Kilometer, die die Busse im Jahr durch das Gebiet rollen. Insgesamt wird die Verkehrsleistung durch die Fahrplanumstellung im Kreis Böblingen von 10,5 auf 12 Millionen Kilometer gesteigert. 45 Millionen Euro habe man in den Öffentlichen Nahverkehr investiert, zehn Millionen davon seien in den Busverkehr geflossen, sagt Landrat Bernhard. Die Änderungen betreffen die Linien 774, 777, 778, 790 und N70, neu dazu kommen die Linien 774A, 776 und X77.

Der X77, der die Linie 770 ersetzen wird, ist das Aushängeschild unter den neuen Linien. Mit bewunderndem Blick lassen sich die Verantwortlichen, von Landrat Roland Bernhard über die Bürgermeister der betroffenen Gemeinden bis hin zum VVS-Geschäftsführer Thomas Hachenberger ablichten. Der Bus bietet eine stündliche Schnellverbindung zwischen Herrenberg, Nagold und Altensteig und fährt abends vier Stunden länger. Die letzte Möglichkeit in den Bus in Herrenberg einzusteigen ist um 0:22 Uhr, in Nagold ist dann allerdings Endstation. Dafür soll die Linie X77 im Jahr 2020 neue Busse bekommen, WLAN und komfortablere Sitze sollen dann die kürzere Reisezeit noch mal angenehmer machen.

Überhaupt habe man sich vorgenommen, nur neue Busse einzusetzen, sagt Stefan Ring, der Betriebsleiter des Busunternehmens Verkehrsbetriebe Nagoldtal (VBN) aus Nagold, das den Zuschlag für das Linienbündel erhalten hat. Aber die Ausschreibung ging erst im September über die Bühne, in dieser kurzen Zeit könne niemand Busse liefern, sagte Ring. So gehen unter den insgesamt 21 Bussen vorerst nur sechs Neufahrzeuge in Betrieb.

Warum bekam insolvente VBN den Zuschlag?

Dass ausgerechnet VBN die Linien bedient, mag manche verwundern. Die Rexer-Gruppe, zu der VBN gehört, war im Juli dieses Jahres in die Insolvenz gerutscht. Der Betrieb im Oberen Gäu ist gemeinwirtschaftlich, also bezuschusst von der öffentlichen Hand. Könnte hier nicht der Eindruck entstehen, dass man einen regionalen Anbieter subventionieren will?

Es gebe klare Regeln, sagte Landrat Bernhard. Und nach diesen habe VBN gewonnen, weil er sich als günstigster Bieter durchgesetzt habe – gegen zwei Konkurrenten, die ebenfalls laut Bernhard ebenfalls aus der Region kommen. „Es gibt keinen Ermessensspielraum“, sagte Bernhard. Dazu habe man geprüft, ob VBN die bestellten Leistungen erbringen könne. „Wir haben ein gutes Gefühl“, ergänzt Bernhard. Ähnliches sagte man auch in Esslingen, wo man zwei Jahre vor der Insolvenz Buslinien an VBN vergab.




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