Der Eigenbetrieb Abfallwirtschaft stellt eine zunehmende Verschmutzung des öffentlichen WC am Bezirksrathaus fest. Eine Toilettenfrau ist keine Option, da dort kein zusätzlicher Putzraum vorhanden ist.
Vaihingen - Dieter Lehmann ist entsetzt: „Das war einfach unvorstellbar.“ Dem Kaltentaler plagte am Montag ein nur zu menschliches Bedürfnis, und er suchte daher die öffentliche Toilette an der Rückseite des Bezirksrathauses auf. „Da mache ich nächstes Mal lieber in die Hose“, sagt Lehmann, der nach eigenen Angaben eine völlig verdreckte Toilette vorfand.
Zuständig für die Reinigung ist der Eigenbetrieb AWS
Am Nachmittag des gleiches Tages hatten die Reinigungskräfte des Eigenbetriebs Abfallwirtschaft (AWS) das stille Örtchen, zumindest was Boden, Waschbecken und WCs betrifft, in einen sauberen Zustand versetzt. Geblieben sind die Schmierereien an den Wänden, ein Spiegel, der diesen Namen kaum mehr verdient, und ein unangenehmer Geruch.
Bezirksvorsteher Wolfgang Meinhardt hat natürlich vollstes Verständnis für den Unmut des Bürgers: „Aber es kann immer passieren, dass es dauert, bis geputzt wird.“ Meinhardt hat ohnehin nichts mit der Wartung zu tun. Zuständig ist der AWS. „Die Toilettenanlage wird von Montag bis Freitag einmal täglich gereinigt“, teilt daher auch Annette Hasselwander schriftlich mit. Sie ist bei der AWS für die Öffentlichkeitsarbeit zuständig. In der Regel schaut der Reinigungstrupp am späten Vormittag nach dem Rechten.
Verschmierte Flißen, zu viel Papier im Klo
Aktuelle Beschwerden zum Zustand der öffentlichen Toiletten im Bezirksrathaus sind bei der AWS laut Hasselwander nicht eingegangen. Gleichwohl hätten die Mitarbeiter des Eigenbetriebs mit der zunehmenden Verschmutzung der Räume zu kämpfen. „Entweder werden die Fliesen und Türen mit Graffiti verschmiert oder die Toiletten mit sehr viel Papier verstopft“, sagt Hasselwander.
Wolfgang Meinhardt, früher selbst bei der AWS tätig, weiß natürlich, dass auch schon viel getan wurde, um unwillkommene Düfte zu minimieren: „Das Porzellan wurde durch Edelstahl ersetzt.“ Er appelliert auch an die Nutzer, die Toilette in einen ordentlichen Zustand zu hinterlassen. Er gibt sich aber wenig Illusionen hin. Zumal der Bezirksvorsteher schon Leute zur Rede gestellt hat, die auf den Gang zur Toilette verzichteten und stattdessen an die Wand des Rathauses pinkelten. Für Feste hat der Wolfgang Meinhardt auch schon eine Toilettenfrau organisiert. Aber eine Dauerlösung ist das nicht, wie auch der AWS mitteilt. Dabei ist der Hauptgrund nicht in erster Linie ein finanzielles Problem. „Für eine personelle Betreuung fehlen die Räumlichkeiten“, sagt Annette Hasselwander. Die öffentliche Toilette verfüge über keinen separaten Putzraum, der in einen Aufenthaltsraum umgewandelt werden könne.
Dass die Toilette auf der Rückseite des Bezirksrathaus doch einigen stinkt, dafür ist auch der Bürgerhaushalt ein Beleg. Mehrere Vorschläge haben sich mit dem Thema und auch einem fehlenden öffentliche WC für behinderte Menschen in Vaihingen befasst. So landet auf Platz 743 mit immerhin 86 Punkten die Forderung „Verbesserung der Hygiene in der öffentlichen Toilette im Bezirksamt Vaihingen“, die auch vom Bezirksbeirat befürwortet wird.
Ein Bürger hatte dazu angemerkt: „Die Toilette gehört grundsaniert und mit einem Personalservice ausgestattet. Dafür eine Gebühr zu erheben, wäre dem Zweck dienlich und sinnvoll.“ Ein anderer würde dafür auch „gern 50 Cent“ bezahlen. Dieter Lehmann würde da nach seinen jüngsten Erfahrungen wohl kaum widersprechen.