Öffentliches WLAN in Esslingen Das freie Surfen schlägt Wellen

Seit Ende 2018 gibt es frei zugängliches Internet in der Innenstadt – wie es ab 2022 weitergeht, ist aber noch unklar. Foto: Bulgrin

Seit Dezember 2018 können Internetnutzer in der Esslinger Innenstadt kostenlos surfen. Das kommt gut an, heißt es bei der Zwischenbilanz des auf drei Jahre angelegten Pilotprojekts.

Esslingen - Das freie Surfen in der Innenstadt schlägt Wellen: Seit der Einrichtung im Dezember 2018 weitet sich das Areal mit öffentlich zugänglichem Internet aus. Bei der Stadt lobt man das Angebot, um das im Vorfeld lange gerungen worden war. Wie es nach dem Ende des dreijährigen Pilotprojekts weiter geht, ist jedoch noch nicht entschieden.

 

Der Weg hin zum öffentlichen WLAN war nicht leicht. Vor allem junge Esslinger hatten sich schon lange ein frei zugängliches Internet in der Innenstadt gewünscht, doch es hatte mehrerer Vorstöße des Jugendgemeinderats bedurft, bis sich der Gemeinderat bereit erklärt hatte, ein kostenloses Netz anzubieten. Kurz vor Weihnachten 2018 ist die Stadt dann mit einem kombinierten Betreiber-Modell an den Start gegangen: Am Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB), auf dem Bahnhofvorplatz sowie auf dem Markt- und Rathausplatz stellt ein professioneller Anbieter das Netz bereit. In der östlichen Altstadt kümmert sich der Verein Freifunk um die Netzabdeckung. Jeder, der will, kann sich kostenlos und ohne Registrierung rund um die Uhr an sieben Tagen die Woche in das öffentliche Netz einwählen.

Bislang ist man mit dieser Lösung gut gefahren, wie eine Zwischenbilanz aus dem Rathaus zeigt. Der städtische Wirtschaftsförderer Marc Grün und Michael Metzler von der Esslinger Stadtmarketing und Tourismus GmbH (EST) zeigten sich im jüngsten Verwaltungsausschuss sehr zufrieden mit der Entwicklung des Projekts, das vorerst nur bis Ende 2021 laufen soll und insgesamt 110 000 Euro kostet. „Das Angebot wird sehr gut angenommen“, sagte Grün. Pro Tag verzeichnet das Netz an Bahnhof, Markt- und Rathausplatz laut Metzler etwa 500 Einwahlen, seit Projektstart komme man auf insgesamt 330 000 Log-ins. Zudem würden hier täglich rund 63 Gigabyte an Daten transferiert. Im vom Verein Freifunk betriebenen WLAN in der östlichen Altstadt erreiche man rund 130 Anmeldungen am Tag.

Zudem ist das Areal mit öffentlich zugänglichem Internet inzwischen ausgeweitet worden. Das war ein Ziel der Aktion: „Es ist hier vorbildlich gelungen, durch öffentliche Investitionen private Investitionen zu fördern“, erklärte Metzler im Verwaltungsausschuss. So haben sich etwa viele Gewerbetreibende aus der Bahnhofstraße bei Freifunk gemeldet, um mit Hilfe des Vereins einen weiteren Zugangspunkt zum Internet zu installieren.

Gleichwohl handelt es sich laut Metzler um ein sehr komplexes Projekt. So sei der Start nicht einfach gewesen, weil die Zugangspunkte für das WLAN teils an privaten Gebäuden installiert werden mussten und man die Hauseigentümer erst dafür habe gewinnen müssen. Ein Stück weit sei man daher abhängig vom guten Willen der Hauseigentümer – erst recht bei etwaigen Besitzerwechseln. Auch das kombinierte Betreiber-Modell mit der Einbindung von Ehrenamtlichen birgt Risiken. Doch bislang ist das Konzept aufgegangen: „Wir haben sehr gute Erfahrungen mit den Freifunkern gemacht“, lobt Marc Grün.

Dieses Lob gibt Thomas Rother vom Verein Freifunk zurück: Die Zusammenarbeit mit der Stadt sei sehr gut. Aber auch er verweist auf einen holprigen Start, weil die Akquise von neuen Standorten viel Zeit und Überzeugungskraft gekostet habe. Rother hätte sich gewünscht, dass die Stadt das Projekt stärker bewirbt – das hätte die Akquise aus seiner Sicht erleichtert.

Auch für die Zukunft wünschen sich die Freifunker mehr Unterstützung seitens der Verwaltung – erst recht, falls der Verein, wie von manchen Stadträten vorgeschlagen, nach Ablauf des Pilotprojekts das gesamte öffentliche WLAN übernehmen sollte. Denn der Aufwand sei für die Handvoll Ehrenamtlicher von Freifunk auf Dauer zu groß. Eine Komplettübernahme des Netzes sei eigentlich nur möglich, wenn die Stadt die Akquise und Vorbereitung der Standorte stemme und der Verein sich dann ausschließlich um Technik und Betrieb kümmern müsse.

Trotz der positiven Resonanz ist aber noch nicht klar, ob das Angebot in der aktuellen Form bestehen bleibt. Im Sommer will die Verwaltung dem Gemeinderat verschiedene Optionen für die Zukunft vorstellen. Erst dann wird entschieden, wie es ab 2022 weitergehen soll.

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