Öffnungsschritte in Corona-Zeiten Mehr Sport ist möglich – doch wie viel mehr?

Stillstand: Der SV Fellbach wartet Foto: Privat
Stillstand: Der SV Fellbach wartet Foto: Privat

Der Stufenplan der Regierenden lässt auch in Fellbach Fragen offen. In den nächsten Wochen kann der Sport ins Leben zurückkehren – sofern die Infektionszahlen nicht wieder besorgniserregende Höhen erklimmen.

Fellbach: Thomas Rennet (ren)

Fellbach - Jetzt also stehen wieder die Tage an, in denen Vereinslenker Pläne erstellen, um sie kurze Zeit später in die Tonne zu treten. Das Ganze geht dann, das lehrt die Erfahrung in der Coronakrise, mitunter so weiter, bis die Tonne voll ist. Es ist eine anspruchsvolle Aufgabe, den Vorgaben zu folgen, die Bundesregierung, Bundesland und Stadtbehörden jeweils zusammen oder zumindest in gewisser Übereinkunft ausbaldowern. Die Aufgabe könnte nach der jüngsten Verabredung der Kanzlerin Angela Merkel mit den Ministerpräsidenten am Mittwoch dieser Woche noch ein Stück kniffliger geraten, weil sich das Geschehen, je nach Inzidenzwert, erheblich unterscheiden wird. Was dabei in den nächsten Wochen herauskommen wird, ist noch sehr die Frage. „Aber zumindest hat man den Sport nicht wieder vergessen“, sagt Udo Wente, der Geschäftsführer des SV Fellbach.

In den vergangenen Monaten und vermehrt noch in den vergangenen Tagen hatte der Sport um seine Wahrnehmung im politischen Diskurs geworben. Lange, zu lange vergebens: Der angeordnete Stillstand ließ bereits seit Anfang November kaum noch Gelegenheiten für körperliche Ertüchtigung. Erlaubt blieben im Wesentlichen der Individualsport sowie Sport zu zweit oder mit den Angehörigen des eigenen Hausstands; Ausnahmen bildeten und bilden noch der Spitzen- und der Rehabilitationssport. Die wirtschaftlichen – und nicht nur die wirtschaftlichen – Folgen verstärkten sich aufgrund der fortgesetzten Zwangsschließung fast aller Einrichtungen weiter und weiter.

Im 14-Tages-Rhythmus sollen mehr Angebote gestattet sein

Nun wird im von der Pandemie geschlauchten Land nach und nach etwas mehr Leben möglich sein, sofern die Infektionszahlen nicht wieder besorgniserregende Höhen erklimmen. Auch etwas mehr Sport. Von Montag an dürfen sich nach Lage der Dinge bis zu zehn Leute im Freien gemeinsam, dabei jedoch ohne Körperkontakt, um Form und Fitness bemühen – sofern die Sieben-Tage-Inzidenz (Neuerkrankte pro 100 000 Einwohnern) unter 50 bleibt. Steigt sie darüber hinaus, muss sich die Trainingsgruppe auf höchstens zwei Haushalte beschränken; nur Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre dürfen auch dann noch in größerer Zahl dem Sport nachgehen. Danach sollen im 14-Tages-Rhythmus mehr Angebote gestattet sein. So könnte am 22. März der Sport auch unter Hallendächer zurückkehren, im Freien soll von da an auch wieder Körperkontakt gestattet sein. Alles allerdings mit Blick auf den Infektionsverlauf; bei höherem Inzidenzwert sollen nach Bestreben der Politik tagesaktuelle Schnell- oder Selbsttests den Neubeginn in Sport, Kultur oder auch Gastronomie begleiten.

Der Umgang mit dem Konstrukt ist vertrackt. Der Inzidenzwert im Rems-Murr-Kreis betrug am Freitag 44. Die Tendenz  im Gesamten: steigend. Die 50 ist nah, und über 50 profitieren zunächst lediglich noch Kinder und Jugendliche bis 14 nennenswert von Lockerungen des Corona-Zugriffs. „Es bewegt sich was. Doch das hört sich alles besser an, als es wohl tatsächlich ist“, sagt Gabriel Bieg, der Geschäftsführer des TV Oeffingen. Udo Wente sieht „alle Öffnungsschritte“ positiv. „Ob es aber solch kleine Schritte sein müssen, weiß ich nicht. Wir hatten uns mehr erhofft“, sagt der frühere Klassehandballer beim SV Fellbach. Vereine und weitere Anbieter in dieser Branche trifft besonders, dass die Sport- und Fitnesszentren drinnen vor dem 22. März wohl keine Öffnungschance haben werden.

Udo Wente hat sich größere Öffnungsschritte erhofft

Unter freiem Himmel dürfen derweil einige jener wieder auf Mannschaftssport hoffen, die vor mehr als vier Monaten unfreiwillig zum Individualsport wechselten. Es kann vielleicht doch noch passieren, dass die Amateurfußballer von ganz unten bis zur Oberliga ihre erste Saisonhälfte zu Ende bringen werden. Bis spätestens 9. Mai soll laut dem Württembergischen Fußballverband (WFV) der Spielbetrieb gegebenenfalls „unter Berücksichtigung einer angemessenen Vorbereitungszeit“ fortgesetzt werden. Dann ließen sich die ausstehenden Begegnungen der Hinrunde noch absolvieren und so Auf- und Absteiger ermitteln; letztmöglicher Spieltermin soll der 20. Juni sein. Nach der Stufenlösung der Politik ist das wieder ein Stück realistischer. Es werden in diesen Tagen aber viele Pläne erstellt, um sie kurze Zeit später doch wieder in die Tonne zu treten.




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