Die Planer vom Ludwigsburger Büro Hildenbrand Ingenieure haben zig Varianten durchgespielt, wie die Oehlerkreuzung an der Landesstraße zwischen Marbach und Ludwigsburg per Brücke überwunden werden könnte. Mal wären Radler und Fußgänger vom Neckarsteg hinauf nach Marbach gelotst worden, mal vom Bootshaus aus. Mal wären sie beim Haspelturm in der Altstadt angelandet, mal an der Stadtmauer entlang geführt worden. Selbst einen Schrägaufzug vom Mühlweg zur Marktstraße hatten die Fachleute ins Kalkül gezogen. Theoretisch möglich wären alle Optionen, konstatierte Geschäftsführer Roland Fink nun im Ausschuss für Umwelt und Technik in Marbach. Praktisch umgesetzt wird aber keine davon.
Das liegt an der desaströsen Haushaltslage der Stadt Marbach. Die Stadträte waren sich einig, dass die Kommune den Bau einer Brücke schlicht nicht stemmen könnte. Selbst die günstigste Variante hätte grob geschätzt mehr als vier Millionen Euro gekostet, die teuerste sogar rund 18 Millionen Euro. Das Land hatte klargemacht, zwar die Umgestaltung der Kreuzung selbst zu finanzieren sowie obendrein eine Unterführung zu spendieren – die es bislang nicht gibt. Doch alles Weitere hätte die Stadt aus eigener Tasche bezahlen müssen. Somit entschied sich der Ausschuss schweren Herzens dafür, sich von der eigentlichen Wunschlösung mit der Brücke zu verabschieden.
Stattdessen gab das Gremium grünes Licht für eine Unterführung. Wobei die genaue Ausgestaltung noch festgezurrt werden muss. Das Regierungspräsidium präferiert eine Lösung, bei der ungefähr auf Höhe des Bootshauses ein Tunnel unter der Landesstraße gegraben würde. Der Durchstich würde auf der Neckarseite auf eine Rampe vor dem bestehenden, etwas höher gelegenen Radweg stoßen. Es ginge hier einige Meter parallel zum Radweg weiter, ehe die neue Unterführung auf die existierende Trasse träfe. Fußgänger könnten alternativ über eine Treppe die Höhendifferenz überwinden – und sich so ein paar Meter sparen.
Einfallstor für ein Hochwasser als Problem
Befürworter hat jedoch auch eine Variante, bei der man ohne Umschweife von A nach B gelangen würde. In dem Fall würde der Tunnel unter dem früheren Bahndamm mit dem Radweg hindurch gebohrt. Allerdings würde dadurch ein Einfallstor für ein mögliches Hochwasser vom Neckar her geschaffen. „Und wir müssten dafür sorgen, dass das Ganze hochwasserdicht zu bekommen ist“, sagte Bauamtsleiter Dieter Wanner. Heißt: die Kommune müsste die Kosten für den Schutzmechanismus tragen.
Das Für und Wider soll in einem nächsten Schritt mit Vertretern des Landes und dem zuständigen Planungsbüro nochmals eingehend diskutiert werden. Anschließend wolle man das gesamte Konzept zügig in einen Vorhabenplan gießen und schließlich einen Bebauungsplan auf den Weg bringen, kündigte Janus Baldermann, Stadtplaner der Kommune, an. Im Jahr 2027 hätte man dann eine Genehmigung in der Tasche und die Bagger könnten anrücken.
Für die Oehlerkreuzung selbst bedeutet das im Wesentlichen, dass eine zweite Geradeausspur aus Richtung Murr geschaffen wird. Zudem wird für Rechtsabbieger, die aus Marbach kommend zu der Kreuzung hinunterrollen, eine zusätzliche Fahrbahn angelegt. Fußgänger werden wie gehabt auch oberirdisch per Ampel den Knoten überwinden können.
Neue Querungshilfe für Radler und Fußgänger
Schon bald wolle der Landkreis zudem ein paar hundert Meter weiter Richtung Ludwigsburg an der Kreuzung zur Ludwigsburger Straße eine neue Querungshilfe explizit für Fußgänger und Pedaleure einrichten, um auch hier direkt über die Landesstraße zum Radweg am Neckar gelangen zu können, kündigte Janus Baldermann an.