Ökolinx-Gruppe im Gemeinderat Ludwigsburg Gegen den Strom – aber mit Profil

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Claudia Dziubas und Oliver Kube sitzen als Ökolinx-Duo im Gemeinderat. Von der Linkspartei grenzen sie sich ab, sie wollen ihr eigenes Profil entwickeln.

Die Ökolinx-Stadträte Claudia Dziubas  und Oliver Kube grenzen sich von der Linkspartei ab. Sie wollen sich auch außerparlamentarisch engagieren. Foto: factum/Granville
Die Ökolinx-Stadträte Claudia Dziubas und Oliver Kube grenzen sich von der Linkspartei ab. Sie wollen sich auch außerparlamentarisch engagieren. Foto: factum/Granville

Ludwigsburg - Ziemlich groß war der Wirbel, als die beiden Linken-Stadträte vor einigen Wochen aus ihrer Partei ausgetreten sind – und sich als Ökolinx-Antirassistische Linke gleich neu formiert haben. Nun sind sie nicht nur im Gemeinderat in der Minderheit, sondern müssen sich auch Vorwürfe ihrer ehemaligen Parteifreunde gefallen lassen, die von ihnen fordern, ihre Mandate zurückzugeben.

Doch daran denken Claudia Dziubas und Oliver Kube nicht. So unterschiedlich die beiden sind, eines haben sie gemeinsam: Sie wollen konsequent für das einstehen, woran sie fest glauben – gegen den Strom, und notfalls auch gegen alle Widerstände. Es ist ein ungleiches Duo. Hier die 51-jährige ehemalige Klinik-Mitarbeiterin und Gewerkschafterin, die in einem Medizinlabor arbeitet und seit 1972 in Ludwigsburg wohnt. Claudia Dziubas hat schon die WASG als Protest gegen Gerhard Schröders Agenda 21 mit begründet und war deren Kreisvorsitzende, stieß dann zur Linken und sitzt seit 2014 im Gemeinderat.

Auf der anderen Seite der 26-jährige Oliver Kube – der in Kornwestheim aufgewachsen ist und an der Hochschule der Medien Public Relations studiert. Früher hätte man dazu Öffentlichkeitsarbeit gesagt. Er hat schon 2010 in der Jugendoffensive gegen Stuttgart 21 mitgearbeitet, sich bei der Jugendorganisation der Linkspartei organisiert und auch in der Mutterpartei.

In der Linken wittern sie Rassismus und Antisemitismus

Beide fanden irgendwann: jetzt ist es genug. In der Linken wittern sie verdeckten Antisemitismus und Rassismus, bis hin zur Parteiikone Sahra Wagenknecht. „Uns wurde gesagt, das sei alles Einbildung“, sagen sie Kopf schüttelnd. Und so nahmen sie Kontakt auf zu Jutta Ditfurth.

Deren Partei, der Ökologischen Linken, gehören sie nicht an – und kooperieren auch nur auf kommunalpolitischer Ebene mit deren Frankfurter Stadtratsfraktion. Eine sehr kleine Gruppe im breiten politischen Spektrum, doch man hofft auf mehr Zuwachs. Auch in Ludwigsburg. Zwar blicken Kube und Dziubas noch nicht auf die nächste Kommunalwahl, bei der man sich dann in Konkurrenz zu einer neuen Linkspartei-Liste sähe. Aber die Anhängerschaft verbreitern, Bündnispartner gewinnen, das ist schon das Ziel der beiden.

Inzwischen sind sie schon zwei Jahre im Stadtrat. Trotz parteipolitischer Differenzen fühlen sich beide fair behandelt und gut aufgenommen. „In der Kommunalpolitik will man was für das Leben in der Stadt erreichen“, sagt Claudia Dziubas. Ideologische Gegensätze seien da oft nicht so wichtig. So kam es sogar zu einer ganz großen Koalition mit CDU, SPD, FDP und Grünen, als ein Bücherschrank in der Stadt gefordert wurde – gegen eine „Verzögerungstaktik der Stadtverwaltung“, wie sie sagen.

Kooperation mit anderen Kräften ist erwünscht

Auch in der Forderung, die Kindergartenbeiträge nicht zu erhöhen oder beim Parkkonzept in der Weststadt haben sie zumindest einzelne Fraktionen gewinnen können. Die beiden setzen aber auch auf außerparlamentarischen Diskurs. „Wenn etwa die Eltern gegen Kitagebühren protestieren, unterstützen wir das“, sagt Oliver Kube. Oder beim „Rock gegen Rechts“-Festival, bei dem der 26-Jährige selbst mitmacht. Man will sich mit solchen gesellschaftlichen Bewegungen vernetzen.

Ob sie bei der nächsten Gemeinderatswahl 2019 erneut antreten, das wollen sich die beiden noch offen lassen. Jetzt stehen die nächsten Haushaltsberatungen an, bei denen sie mit eigenen Anträgen ihr Profil weiter schärfen wollen.




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