Ökosystem bedroht Feuerfisch dringt in die Adria vor

Der bis zu 38 Zentimeter lange Feuerfisch sieht dekorativ aus, hat aber giftige Flossenstacheln. Foto: Imago//Frank Schneider
Der bis zu 38 Zentimeter lange Feuerfisch sieht dekorativ aus, hat aber giftige Flossenstacheln. Foto: Imago//Frank Schneider

Immer schneller breitet sich der Indische Rotfeuerfisch im Mittelmeer aus: Der Bewohner tropischer Gewässer ist hochgiftig. Doch man kann auch etwas gegen ihn tun.

Korrespondenten: Thomas Roser (tro)
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Split - Fischen ist der kroatische Unterwasserfotograf Damir Zurub bereits in allen Formen und Farben begegnet. Doch aufgeregt vermeldete der erfahrene Berufstaucher Mitte August die erstmalige Ablichtung des gestreiften Eindringlings in den Gewässern vor der Insel Vis. „Dies sind die ersten Bilder der vermutlich ersten Begegnung mit dem Indischen Rotfeuerfisch in der Adria“, kommentierte er auf Facebook die Fotos.

Taucher und Schnorchler sind von dem stachligen Eindringling fasziniert, Meeresbiologen über die feurige Invasion im Mittelmeer zunehmend besorgt: Immer schneller breitet sich der hochgiftige, aus dem Roten Meer über den Suezkanal eingewanderte Tropenfisch im Mittelmeer aus.

Fischer jagen den Eindringling gern

Rotbraune Streifen und lange, hochgiftige Flossenstacheln sind die Kennzeichen des eigentlich im Indischen Ozean und im Roten Meer beheimateten Rotfeuerfisches. In Aquarien gilt der nachtaktive Räuber wegen seiner drachenartigen Erscheinung als Attraktion. Biologen und Fischer fürchten die Meeresschönheit hingegen als Bedrohung für das Ökosystem: In der Karibik, in der sich die Rotfeuerfische seit 1992 massiv ausgebreitet haben, hat ihr Vormarsch für eine drastische Reduzierung der ursprünglichen Riffbewohner gesorgt.

Erste sich ins Mittelmeer verirrte Exemplare sollen israelische Fischer schon 1992 bemerkt haben. Doch erst seit 2012 wurde der gefräßige Räuber zunächst vor den Küsten und vor Israel im östlichen Mittelmeer gesichtet. Der vermehrt sich nicht nur wegen der gestiegenen Wassertemperaturen, sondern auch wegen des Mangels an Feinden. In den letzten Jahren jagen Fischer in der Türkei, auf Zypern und in Griechenland den Eindringling mit Taucherharpunen. Die bis zu 38 Zentimeter langen Fische sind nicht nur schön, sondern auch schmackhaft.

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Heftige Schmerzen, Erbrechen und in seltenen Fällen auch Atemstillstand kann der Stachelstich auslösen. Tödlich ist er für Menschen normalerweise nicht. Griechenland-Touristen wurden zwar schon mit Vergiftungserscheinungen ins Krankenhaus eingeliefert. Doch scheint der Adria-Neuling in erster Linie eine Bedrohung für andere Meeresbewohner zu sein.

Tintenfische fressen junge Feuerfische

Tatsächlich scheint der feurige Vormarsch angesichts des Klimawandels und den steigenden Wassertemperaturen kaum mehr zu stoppen. Zypriotische und türkische Fischer klagen über Fangeinbußen. Das Ozean- und Fischerei-Institut in Split empfiehlt derweil die indirekte Stärkung des Ökosystems. Es habe sich gezeigt, dass im Mittelmeer die Tintenfische den frisch geschlüpften Nachwuchs der Rotfeuerfische als Nahrung zu schätzen wüssten: „In Zukunft könnte es nützlich sein, zum Erhalts ihres Bestands weniger Tintenfische als die viel schmackhafteren Rotfeuerfische zu befischen.“




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