Bekanntermaßen ist Matthias Gastel ständiger Passagier in Bus und Bahn, dem deren Missstände ins Auge springen. Und der ständig Verbesserungen im Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) auch in seinem Wahlkreis Nürtingen vorschlägt. Nun wirft der bahnpolitische Sprecher der Grünen-Bundestagsfraktion eine neue Idee in die Diskussion: Eine Verlängerung der Stadtbahnlinien vom Flughafen und Echterdingen aus bis nach Wolfschlugen. Dazu stellt er nun die Untersuchung seines studentischen Mitarbeiters David Endlich zu möglichen Trassen und deren Potenzial vor. Deren Fazit: Eine Stadtbahn auf den westlichen Fildern habe das Potenzial, viele Fahrten von der Straße auf die Schiene zu verlagern. Das ÖPNV-Aufkommen könnte sich im Projektbereich demnach um bis zu 13 000 Passagierfahrten täglich erhöhen, die Pkw-Fahrten um bis zu 7000 reduzieren.
„Wir haben auf den Fildern eine relativ hohe Bevölkerungszahl und -dichte sowie viele Arbeitsplätze. Doch im Verhältnis dazu keinen sonderlich gut ausgeprägten ÖPNV“, sagt Gastel. Es gebe neben bereits verbesserten Busverbindungen einzelne Schienenwege, die jedoch alle irgendwo auf den Fildern endeten. Verknüpfungen zwischen diesen Endhaltestellen und Angebote in der westlichen Filderebene bestünden nicht. Auf Anregung des Politikers hat Verkehrsingenieur Endlich sich mit der Frage beschäftigt, inwiefern eine Stadtbahnverbindung auf den Fildern möglich wäre – im Rahmen seiner Bachelor-Arbeit, die von Gastel unterstützt wurde. Auf die Ergebnisse habe er aber keinen Einfluss genommen, betont Gastel.
Siedlungsnahe Trassenvariante hat mehr Vorteile
Endlich hat zwei Trassenvorschläge erarbeitet, die weitgehend auf teure Tunnel verzichten. Beide haben ihren Start in Echterdingen, wohin in den kommenden Jahren die Stadtbahnlinie U5 ausgebaut werden soll sowie am Flughafen. So könnten die Züge zweier Linien im Zehn-Minuten-Takt nach Wolfschlugen fahren. Eine Variante ist 11,5 Kilometer lang und verläuft überwiegend entlang von bestehenden Straßen wie beispielsweise der B 27 bis Bonlanden und der Landesstraße 1205 zwischen Sielmingen und Wolfschlugen – und in größerer Entfernung zu den umgebenden Siedlungen. Vorgeschlagen werden Haltestellen an Verknüpfungspunkten der B 27 mit Zubringerstraßen der Siedlungen. Hier könnten Busse zur Anbindung hinfahren. Vorteil dieser Variante sind geringere Baukosten.
Allerdings werden mit der zweiten, siedlungsnahen Variante deutlich mehr Menschen erschlossen – im Umkreis von 500 Metern um die Haltestellen leben etwa 20 200 Einwohner und es gibt 10 760 Arbeitsplätze. Die Strecke wäre 14 Kilometer lang, sie führt am Rande von Stetten, Plattenhardt, Bonlanden, Harthausen und Wolfschlugen bis nach Nürtingen-Hardt. Auch eine Verlängerung bis nach Nürtingen wäre denkbar. Nachteil dieser Variante: Tunnel müssten in Bonlanden gebaut werden. Und die sind teuer. Die möglichen Baukosten sind nicht Teil der Analyse, da das den Rahmen einer Bachelorarbeit sprengen würde. Insgesamt kommt Endlich zu dem Schluss, dass die siedlungsnahe Trasse höheren Nutzen hat.
Stadtbahnausbau gegen hohe Verkehrsbelastung auf den Fildern
Gastel will die Arbeit verschiedenen Aufgabenträgern zukommen lassen und rechnet mit einer im Grundsatz positiven Resonanz. Alle sähen ja die Probleme. „Die Lebensqualität der Menschen auf den Fildern leidet unter der starken Verkehrsbelastung“, sagt Gastel. Die Zukunft der Mobilität liege im ÖPNV und insbesondere auf der Schiene. Das Busangebot müsse ausgebaut und beschleunigt werden, zugleich das Stadtbahnnetz überprüft werden auf Ausbaumöglichkeiten. „Die Arbeit von David Endlich ist dafür ein wichtiger Diskussionsbeitrag, auf den aufgebaut werden kann, bei dem aber nicht eins zu eins stehen geblieben werden muss.“